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Verwertung von Bioreststoffen Potenzial von Stroh im Energiemix unterschätzt

| Redakteur: Tobias Hüser

Stroh aus der Landwirtschaft könnte im zukünftigen Energiemix Deutschlands eine wichtige Rolle spielen. Bisher wird es von allen Bioreststoffen noch am wenigsten genutzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, laut der von den insgesamt 30 Millionen Tonnen Stroh, die jährlich in Deutschland anfallen, zwischen 8 und 13 Millionen Tonnen nachhaltig zur Strom- oder Kraftstoffproduktion genutzt werden können.

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Eine Studie mit Beteiligung des UFZ zeigt, dass die energetische Nutzung von anfallendem, aber bisher weitgehend ungenutztem Getreidestroh bis zu 4,5 Millionen Haushalte mit Strom oder Wärme versorgen könnte.
Eine Studie mit Beteiligung des UFZ zeigt, dass die energetische Nutzung von anfallendem, aber bisher weitgehend ungenutztem Getreidestroh bis zu 4,5 Millionen Haushalte mit Strom oder Wärme versorgen könnte.
(Bild: Stefan Michalski / UFZ)

Leipzig – Für die Potenzialstudie hatten Wissenschaftler der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL), des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) die Entwicklung der in der deutschen Landwirtschaft anfallenden Reststoffe analysiert.

Mit 58 % ist Getreidestroh dabei der wichtigste Rohstoff. Er wird jedoch bisher kaum zur Energieerzeugung genutzt. Im Mittel fielen in den letzten Jahren rund 30 Megatonnen Getreidestroh pro Jahr an. Da nicht das gesamte Stroh geborgen werden kann und Stroh auch als Einstreu eine wichtige Rolle in der Viehhaltung spielt, ist von diesen 30 Megatonnen nur rund die Hälfte technisch verfügbar.

Getreidestroh spielt außerdem eine wichtige Rolle in der Humusbilanz der Böden. Das heißt, ein Teil des Strohs muss auf dem Acker verbleiben, damit dem Boden nicht dauerhaft Nährstoffe entzogen werden. Zur Berechnung der Humusbilanz der Böden gibt es drei verschiedene Berechnungsmethoden, die das Wissenschaftlerteam alle durchgerechnet hat. Je nach Berechnungsmethode können 8, 10 oder 13 Megatonnen Stroh pro Jahr nachhaltig zur Energieerzeugung genutzt werden – also ohne Nachteile für die Böden und oder andere Nutzungsformen. „Damit liegt unseres Wissens jetzt erstmals eine Studie für ein EU-Land vor, die das Potenzial von Stroh für eine echte nachhaltige Energienutzung aufzeigt – inklusive Berücksichtigung der Humusbilanz“, betont Prof. Daniela Thrän, Wissenschaftlerin an DBFZ und UFZ.

Treibhausgasbilanzen hängen von Nutzungsform ab

Stroh kann also einen Teil zum künftigen Energiemix beitragen. Wie viel es zur Reduzierung der Treibhausgase beiträgt, hängt davon ab, wie das Stroh genutzt wird. Die Reduktion gegenüber fossilen Brennstoffen kann bei Nutzung von Stroh zur Wärmeerzeugung, Kraft-Wärme-Kopplung oder Biokraftstoffproduktion der zweiten Generation zwischen 73 und 92 Prozent betragen.

Die unterschiedlichen Treibhausgasbilanzen werfen ein differenziertes Licht auf das Ziel der EU, zehn Prozent des Energieverbrauchs im Transportsektor aus Biokraftstoffen zu decken. Die Studie zeigt erneut, dass die Bioenergienutzung stets die Abwägung verschiedener Faktoren erfordert. Unter den Bedingungen in Deutschland wäre der Einsatz von Stroh in der Kraft-Wärme-Kopplung am klimafreundlichsten.

Vorbild Dänemark

Die energetische Nutzung von Stroh sollte in Deutschland vor allem in Regionen mit günstigen Konditionen und mit entsprechenden Anlagen aufgebaut werden, so das Resümee der neuen Studie. Dann könnte zwar aus Stroh noch lange kein Gold gesponnen werden, aber es würde einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.

Ein Blick über die Grenze zeigt, was machbar sein könnte, wenn die Weichen optimal gestellt werden würden: Momentan gilt Dänemark als weltweit führend bei der Strohnutzung. Vor 15 Jahren wurde dort ein Masterplan eingeführt, der dafür gesorgt hat, dass in Deutschlands nördlichem Nachbarland inzwischen Energie von über 5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr aus Stroh erzeugt wird.

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