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Robert-Koch-Stiftung Preis für Arbeiten zur Krankenhaushygiene

Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

In Deutschland erkranken jährlich ca. 500.000 Patienten an Krankenhausinfektionen - über 10.000 mit tödlichem Ausgang. Diese Zahlen weisen darauf hin, dass die Hochleistungsmedizin an ihre Grenzen gestoßen ist. Für die Entwicklung eines Überwachungssystems von Krankenhausinfektionen hat Professorin Petra Gastmeier den Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention der Robert-Koch-Stiftung erhalten.

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Lutz Stroppe, Staatssekretär, Bundesministerium für Gesundheit (l.) Petra Gastmeier, Charité – Universitätsmedizin Berlin (m.) und Hubertus Erlen, Vorsitzender des Vorstands, Robert-Koch-Stiftung (r.) anlässlich der Preisverleihung am 7. September 2015.
Lutz Stroppe, Staatssekretär, Bundesministerium für Gesundheit (l.) Petra Gastmeier, Charité – Universitätsmedizin Berlin (m.) und Hubertus Erlen, Vorsitzender des Vorstands, Robert-Koch-Stiftung (r.) anlässlich der Preisverleihung am 7. September 2015.
(Bild: David Ausserhofer)

Berlin – Für ihre herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Überwachung nosokomialer Infektionen hat Professorin Petra Gastmeier von der Berliner Robert-Koch-Stiftung den „Preis für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“ erhalten. Die Leiterin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Berliner Charité ist nach Professor Helge Karch (Münster) die zweite Preisträgerin der 2013 geschaffenen und mit 50.000 Euro dotierten Auszeichnung. „Durch die Etablierung des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems in deutschen Krankenhäusern haben die Preisträgerin und ihr Team maßgeblich zur Verbesserung der Krankenhaushygiene in unserem Land beigetragen“, sagt Hubertus Erlen, Vorstandsvorsitzender der Robert-Koch-Stiftung. Die Preisübergabe erfolgte am Montag, 7. September 2015, im Festsaal des Berliner Rathauses.

Hygiene als zentraler Baustein zur Vermeidung nosokomialer Infektionen

Prof. Gastmeier setzt im Kampf um Patientengesundheit nicht Skalpell, Stethoskop oder Medikamente ein, sondern geht mit Schulungsmaßnahmen und Hygienemodulen gegen die Verbreitung von Krankenhausinfektionen vor. Nosokomiale Infektionen gehören in Deutschland zu den wichtigsten Komplikationen von medizinischen Behandlungen und führen neben dem persönlichen Leid der Patienten zu längeren stationären Aufenthalten und höheren Kosten. Genaue Zahlen liegen nicht vor, Schätzwerte gehen von jährlich 10.000 bis 15.000 Patienten aus, die an einer im Krankenhaus erworbenen Infektion versterben. Wie schwer es ist, nosokomiale Übertragungen zu erkennen und zu vermeiden, zeigen die aktuellen Ausbrüche von Acinetobacter baumannii in deutschen Kliniken und die Fälle von MERS-Coronavirus in Korea.

Die Erfassung und Überwachung nosokomialer Infektionen stellen ein äußerst wirksames Werkzeug für deren Vorbeugung dar. Petra Gastmeier und ihre Mitarbeiter am Nationalen Referenzzentrum für Surveillance und nosokomiale Infektionen haben mit der Entwicklung des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System mit dem Kurznamen „KISS“ den Schutz der Patienten vor Krankenhausinfektionen maßgeblich verbessert. Beginnend mit 20 teilnehmenden Krankenhäusern im Jahr 1996 liegt die aktuelle Teilnehmerzahl bei über 1400 Kliniken. Die Krankenhäuser nutzen den Vergleich der eigenen Infektionsdaten mit „Referenzdaten“ und Zahlen vergleichbarer Stationen, um das eigene Infektions- und Hygieneniveau einordnen zu können und vorbeugende Maßnahmen einzuführen und zu bewerten. Wesentliche Prinzipien des KISS sind die freiwillige Teilnahme und die Vertraulichkeit der Ergebnisse.

Die verschiedenen Formen der Hygiene-Module

Gastmeier hat die Etablierung des KISS, die wissenschaftliche Auswertung der Daten und die konsequente Umsetzung in die medizinische Praxis zu ihrem Hauptanliegen gemacht: Im Unterschied zu anderen Ländern wurden für das KISS von Prof. Gastmeier und ihrem Team zusätzliche Surveillance-Module entwickelt, von denen HAND-KISS zur Händehygiene mit mehr als 1000 teilnehmenden Krankenhäusern am häufigsten eingesetzt wird. Die KISS-Module sind auf den Patientenkreis (z.B. NEO-Kiss für Frühgeborene), das Behandlungsspektrum (z.B. OP-KISS für chirurgische Stationen) oder einen Erreger (MRSA-KISS) ausgerichtet. Die Anwendung dieser Module befähigt die teilnehmenden Stationen, Defizite in der Hygiene zu erkennen und zu überwinden. Gleichzeitig wurden durch das KISS umfangreiche Datenbanken geschaffen, die wissenschaftliche Analysen der Epidemiologie und Pathogenese von nosokomialen Infektionen ermöglichen und den Einfluss verschiedener Patienten- und Krankenhausbedingter Faktoren messbar machen.

Von besonderer Bedeutung für die Krankenhaushygiene sind Antibiotika-resistente Erreger wie z.B. Staphylokokken, Acinetobacter und Pseudomonaden, die bei Vorliegen von Resistenz gegen drei oder vier der zur Verfügung stehenden Antibiotikaklassen nur noch eingeschränkt behandelbar sind. Darüber hinaus besteht ein hohes Risiko, dass sich diese Keime im Krankenhaus ausbreiten. Zur Vermeidung von Infektionen mit multiresistenten Erregern gibt es zwei Ansatzpunkte, die Beratung beim Verschreiben von Antibiotika und Erfassung der Verordnungen („Antibiotic stewardship“) und das Verhindern der Übertragung der Erreger durch Klinikpersonal und Patienten. Auf diesen Gebieten hat Petra Gastmeier einen herausragenden Beitrag geleistet. Beispielhaft ist die von ihr seit 2008 geleitete „Aktion saubere Hände“, die Kampagne für die Verbesserung der Umsetzung der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Die 1500 teilnehmenden Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime erfassen den Verbrauch an Desinfektionsmitteln und konnten durch Schulungsmaßnahmen den Verbrauch an Händedesinfektionsmittel um bis zu 80% steigern.

Petra Gastmeier ist Trägerin des Hauptpreises der DGHM (Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie) sowie des Hygiene-Preises der Rudolf-Schülke-Stiftung. Sie ist Mitglied der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention und des Beirats Infektionsepidemiologie/Public Health Mikrobiologie am Robert Koch Institut. Sie und ihre Kollegen haben weit über 300 wissenschaftliche Arbeiten in international bedeutenden Zeitschriften publizieren können.

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