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Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2010 Preisträger des bedeutendsten deutschen Forschungspreises stehen fest

Redakteur: Marion Henig

Die neuen Leibniz-Preisträger stehen fest. Eine Wissenschaftlerin und neun Wissenschaftler sind vom Nominierungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus 170 Vorschlägen ausgewählt worden. Wer sich über den mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotierten Preis freuen kann, erfahren Sie hier.

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Mit seinen bahnbrechenden Arbeiten zur Berechnung der Elektronenstruktur großer Moleküle ermöglicht Frank Neese experimentell tätigen Naturwissenschaftlern in vielen Arbeitsgebieten, ihre Ergebnisse präzise und effizient zu interpretieren und neue sinnvolle Experimente zu konzipieren. Seine theoretischen Arbeiten beruhen auf den Erkenntnissen der Quantenmechanik, deren Gesetze das Verhalten aller Materie im atomaren Maßstab bestimmen. Frank Neese hat Näherungslösungen für die komplizierten quantenmechanischen Gleichungen erfasst und mit seinem Programmpaket ORCA für experimentell arbeitende Physiker, Chemiker und Biochemiker in einfacher und effizienter Weise weltweit zugänglich gemacht.
Mit seinen bahnbrechenden Arbeiten zur Berechnung der Elektronenstruktur großer Moleküle ermöglicht Frank Neese experimentell tätigen Naturwissenschaftlern in vielen Arbeitsgebieten, ihre Ergebnisse präzise und effizient zu interpretieren und neue sinnvolle Experimente zu konzipieren. Seine theoretischen Arbeiten beruhen auf den Erkenntnissen der Quantenmechanik, deren Gesetze das Verhalten aller Materie im atomaren Maßstab bestimmen. Frank Neese hat Näherungslösungen für die komplizierten quantenmechanischen Gleichungen erfasst und mit seinem Programmpaket ORCA für experimentell arbeitende Physiker, Chemiker und Biochemiker in einfacher und effizienter Weise weltweit zugänglich gemacht.
( Bild: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn )
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Bonn – „Der Leibniz-Preis ist längst der renommierteste Wissenschaftspreis für Forscherinnen und Forscher in Deutschland und auch weltweit eine der angesehensten wissenschaftlichen Auszeichnungen“, sagte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner anlässlich der Bekanntgabe der Preisträger 2010. Alle Leibniz-Preisträgerinnen und -Preisträger, so Kleiner, ständen für wissenschaftliche Erkenntnisse und Errungenschaften von höchster Qualität und zeigten vor allem eines: „Auch in der Wissenschaft kommt es bei allem besonders auf den Menschen an. Am Ende ist es immer das Individuum, die einzelne Persönlichkeit, die Wissenschaft und Forschung voranbringt, getrieben vom eigenen Erkenntnisinteresse, von der eigenen Neugier und vom eigenen Mut, neue Fragen zu stellen und neues Terrain zu erkunden.“ Dieser Mut und die so erzielten Leistungen würden mit dem Leibniz-Preis gleich dreifach belohnt: „Der Preis bringt seinen Trägern weltweites Renommee und ein bedeutendes Preisgeld von bis zu 2,5 Millionen Euro ein, vor allem aber auch die Freiheit, dieses Geld in den kommenden sieben Jahren ganz nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre wissenschaftliche Arbeit zu verwenden - eine wahrlich märchenhafte Freiheit.“ Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen die Preisträger und Ihre Forschungsfelder vor.

Prof. Dr. Peter Fratzl, Biomaterialien, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam: Peter Fratzl gehört zu den international führenden Vertretern der modernen Biomaterialforschung. Er beschäftigt sich mit unterschiedlichsten Fragestellungen natürlicher Materialien wie Knochen und Pflanzen und erforscht insbesondere deren mechanische Eigenschaften. So analysiert er den Zusammenhang zwischen Eigenschaften und Struktur der biologischen Materialien und entwickelt neue biomimetische und bioinspirierte Werkstoffe, die biologische Strukturen oder Prozesse nachahmen. Die Forschungen hierzu bauen auf seinen früheren Arbeiten in der Metallphysik auf. Von hohem Gewinn für die Grundlagenforschung, liefern die oft in Kooperation mit Medizinern und Biologen durchgeführten Arbeiten wichtige Erkenntnisse zur Behandlung von erkranktem Knochengewebe und insbesondere zur Osteoporose. Zudem schaffen sie die Basis für die Entwicklung neuer oder optimierter biomimetischer Materialien für den Knochenersatz und für die regenerative Therapie von Hartgeweben.

Prof. Dr. Frank Neese, Theoretische Chemie, Universität Bonn: Mit Frank Neese erhält einer der weltweit führenden theoretischen Chemiker den Leibniz-Preis. Neese verbindet in seinen Forschungen vor allem die Bioanorganische Chemie und die Theoretische Chemie und bearbeitet insbesondere Themen, die zu den komplexesten Problemen der bioanorganischen Chemie gehören. An erster Stelle ist die Beschreibung der Elektronenzustände großer, biologisch relevanter und äußerst komplex aufgebauter Metalloproteine zu nennen. Für diese hat Neese ein quantenchemisches Programm entwickelt, mit dem Molekülberechnungen hundertmal schneller als zuvor erfolgen können. Zudem ermöglicht das Programm eine Interpretation von Spektren, die bis vor kurzem noch als undenkbar galt. Das von Neese entwickelte Programm hat sich schnell weltweit durchgesetzt und wird bereits von Tausenden von Anwendern in der Chemie, Biologie, Pharmazie und den Materialwissenschaften genutzt.

Prof. Dr. Petra Schwille, Biophysik, Technische Universität Dresden: Petra Schwille hat mit ihren Arbeiten sowohl die Entwicklung als auch die Anwendung der Fluoreszenzspektroskopie zur Lösung von Fragen der Zellbiologie erheblich vorangetrieben. Bereits seit ihrer Promotion beschäftigt sich Schwille mit der Entwicklung ultrasensitiver fluoreszenzspektroskopischer Methoden, mit denen sich die Funktionen einzelner Proteinmoleküle charakterisieren lassen. Dabei konnte sie vor allem zur Entwicklung und Optimierung der sogenannten Fluoreszenzkorrelationsspektroskopie (FCS) beitragen, einer der elegantesten nichtinvasiven Methoden, um molekulare Vorgänge in biologischen Systemen zu erfassen. Durch die Kombination der FCS mit Zweiphotonanregungen gelangen Petra Schwille spektakuläre neue Einblicke in zelluläre Mechanismen. In neueren Arbeiten sucht sie die FCS-Methode auch in der Entwicklungsbiologie zu etablieren und konnte diese bereits in ersten lebenden Modellorganismen wie dem Zebrafisch und dem Fadenwurm anwenden. Auch zur Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Proteinen und Lipiden setzt Petra Schwille die FCS-Methode ein und hat sich dadurch international einen Namen gemacht.

Prof. Dr. Joachim Weickert, Bildverarbeitung/Informatik, Universität des Saarlandes: Mit Joachim Weickert erhält einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Bildanalyse und deren Anwendungen den Leibniz-Preis. Weickert befasst sich mit der Entwicklung mathematisch fundierter Verfahren zur Bildanalyse, die effektiv und effizient auf heutigen Rechneranlagen realisiert werden können. Sie zielen vor allem darauf ab, unvollständige oder verrauschte Bilddaten zu verbessern und das Originalbild zu rekonstruieren. Zur sogenannten Entrauschung stark gestörter Bilddaten durch Diffusionsfilterung hat Weickert als erster eine praxisrelevante Theorie entwickelt. Sie ist die Grundlage für zahlreiche Verfahren, die inzwischen in der medizinischen Bildgebung, der geowissenschaftlichen Bildaufbereitung oder der computergestützten Qualitätskontrolle in der Industrie eingesetzt werden. Weickert arbeitet weit über die Grenzen der Informatik und Mathematik eng mit Ingenieuren, Biologen und Medizinern zusammen und hat so auch auf anderen Gebieten überraschende und sehr innovative Lösungen für aktuelle Informationsverarbeitungsprobleme erzielt.

Prof. Dr. Christoph Klein, Kinderheilkunde/Pädiatrische Onkologie, Medizinische Hochschule Hannover: Christoph Klein verbindet medizinische Grundlagenforschung und klinische Praxis auf höchstem Niveau, was in Deutschland immer noch eher selten ist. Auf der Grundlage genetischer Analysen hat Klein verschiedene Gendefekte identifiziert, die schwere und oft tödliche Erkrankungen des Immunsystems auslösen. Dabei beschränkt sich Klein nicht auf die Beschreibung des jeweiligen Gendefekts und Krankheitsbildes, sondern sucht stets auch die molekularen Ursachen zu entschlüsseln. Besonders bedeutsam ist seine Entdeckung, dass ein Defekt in der Glucose-6-phosphatase dazu führt, dass von Geburt an zu wenig oder gar keine der zu den weißen Blutkörperchen gehörenden neutrophilen Granulozyten im Blut zu finden sind. Vor allem Kinder, die an dieser Erbkrankheit leiden, haben bislang kaum Überlebenschancen. Kleins Arbeiten eröffnen hier neue Therapieaussichten, nicht zuletzt durch die somatische Gentherapie.

Prof. Dr. Jan Born, Neuroendokrinologie/Schlafforschung, Universität zu Lübeck: Born untersucht vor allem, wie im Schlaf Gedächtnis gebildet wird. Dabei konnte er zeigen, dass im Schlaf nicht nur Gedächtnis gefestigt wird, sondern auch kognitive Prozesse wie Problemlösungsstrategien stattfinden. Damit war er zugleich der erste Forscher, der einen kausalen Zusammenhang zwischen Schlafen und Lernen belegte. In Untersuchungen zu einzelnen Schlafphasen wandte sich Born vor allem der Rapid Eye Movement-Phase (REM) zu, von der bis dahin angenommen wurde, dass sie sich positiv auf das prozedurale Gedächtnis auswirke. In einer weithin beachteten experimentellen Studie, in der er die REM-Phase mit Medikamenten unterdrückte, konnte Born diese Annahme widerlegen. Schließlich untersucht Born auch die Gedächtnisbildung durch Schlaf in anderen organischen Systemen, so im metabolischen System und im Immunsystem. Seine Arbeiten sind bedeutende Beiträge zur Grundlagenforschung, sie greifen aber auch wichtige medizinische Fragen auf und sind auch gesundheitspolitisch von großem Interesse. Hohe Relevanz haben sie auch für die Lernforschung.

weitere Preisträger sind: Prof. Dr. Roman Inderst, Volkswirtschaftslehre, Universität Frankfurt/Main; Prof. Dr. Ulman Lindenberger, Entwicklungspsychologie, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin; Prof. Dr. Jürgen Osterhammel, Neuere und Neueste Geschichte, Universität Konstanz; Prof. Dr. Stefan Treue, Kognitive Neurowissenschaften an Primaten, Deutsches Primatenzentrum, Göttingen

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