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Plastikmüll in Life-Sciences-Laboren

Ran an den Abfall: In 5 Schritten zu weniger Plastikmüll im Labor

| Autor / Redakteur: Dr. Kerstin Hermuth-Kleinschmidt* und Julian David Senn** / Dr. Ilka Ottleben

Recycle – warum nicht auch im Labor?

Es ist für uns im Alltag völlig normal, Bio- und Papiertonne sowie den gelben Sack für die sortenreine Trennung zu nutzen. Im Labor sieht es oft anders aus – nicht immer werden Plastikabfälle einem Recycling zugeführt, sondern landen im Restmüll und werden dann in einer Müllverbrennungsanlage energetisch verwertet. Für möglicherweise kontaminierte Einmalprodukte, wie Reaktionsgefäße, Zellkulturschalen oder Pipettenspitzen ist das allein aus Sicherheitsmaßnahmen sinnvoll und vorgeschrieben. Aber viele unkontaminierte Produkte, die zudem aus sortenreinem und qualitativ hochwertigem Kunststoff hergestellt sind, könnten problemlos getrennt und anschließend recycelt werden. Bei der thermischen Verwertung gehen all diese wertvollen Rohstoffe unwiederbringlich verloren. Folgende Beispiele zeigen exemplarisch andere Möglichkeiten auf:

  • Rücknahme für sortenreines Recycling: Pipettenspitzen-Racks, die aus einem Kunststoff, sei es PET oder PP, sortenrein hergestellt und nicht kontaminiert sind, können im gelben Sack entsorgt werden. Noch einfacher machen es dem Anwender Unternehmen wie Starlab, die ihren Anwendern einen eigenen Rücknahmeservice für ihre Racks, die aus sortenreinem und qualitativ hochwertigem Polypropylen bestehen, anbieten [11]. Diese werden gesammelt, einem Entsorgungsunternehmen zugeführt und dann recycelt, z.B. in UK. Die Produktion neuer Pipettenspitzen-Racks aus dem PP alter Racks ist technisch (noch) nicht möglich, aber recyceltes Polypropylen findet sich in langlebigen Produkten wieder, z.B. in Paletten oder auch Gartenmöbeln [12].
  • Laborhandschuhe: Laut einem Audit des Abfallmanagements der University of Washington können Laborhandschuhe rund 23% des entsorgten Labormülls ausmachen [13] und gerade in zell- und molekularbiologischen Laboren nutzen Wissenschaftler oft mehrere Paare an einem Tag. Viele der genutzten und weggeworfenen Handschuhe sind aber gar nicht kontaminiert und könnten ohne Probleme einem Recycling zugeführt werden. Aus diesem Grund startete Lisa Anderson als Doktorandin an der UC Davis eine Initiative zum Recycling von Nitrilhandschuhen. Bereits nach einem Jahr war eine Menge von 2,2 Tonnen an Laborhandschuhen dem Recycling zugeführt worden [14]. Genutzt hatte sie das Takeback-Programm des Unternehmens Kimberly-Clark [15], das Nitrilhandschuhe zurücknimmt und recycelt, auch in Deutschland. Aus dem recycelten Kunststoff entstehen anschließend Transportboxen oder Parkbänke [16].
  • Produkte mit Recyclingkunststoff: Nicht nur Rücknahme und Recycling, sondern auch der umgekehrte Weg ist möglich. So setzen einige Produzenten in ihren Produkten Recyclingkunststoff ein und verringern auf diese Weise den Ressourceneinsatz. Das ist natürlich nur bei solchen Laborprodukten möglich, die keine so hohen Qualitätsansprüche stellen, wie Laborflaschen [17] oder Reaktionsgefäßständer [18].

Trotz der Rücknahmen, dem sortenreinen Recycling und der Entwicklung von Produkten mit einem gewissen Anteil an sekundärem Rohstoff, muss immer noch von einem Downcycling gesprochen werden. Für eine echte Kreislaufwirtschaft, wie es auch der „Cradle-to-Cradle“-Ansatz vorsieht, müssen entsprechende, vollständig kreislauffähige Materialien entwickelt werden, die es erlauben, dass aus den gesammelten „Abfällen“ wieder ein qualitativ gleichwertiges Produkt hergestellt werden kann. Diese Entwicklung versucht die EU mit ihrer „Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft“ zu fördern [19]. Zentrale Punkte sind dabei Unterstützung und das Voranbringen von recyclingfreundlichem Design sowie die Produktion umweltfreundlicher Kunststoffe.

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