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Chemikalienverordung

REACH - Worum geht es genau?

26.07.2007 | Redakteur: Jon Augestad

Die Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe ist eine EU Verordnung zur Reform des Chemikalienrechts. Die Regelung ist in jedem Mitgliedsstaat direkt gültig.

Das bisher gültige System unterschied zwischen Alt- und Neustoffen, wovon letztere auf mögliche Risiken für die Gesundheit des Menschen und die Umwelt geprüft werden mussten, bevor sie in Quantitäten von 10kg oder mehr in den Verkehr gebracht werden durften. Altstoffe unterlagen jedoch bisher nicht diesen Anforderungen. Neu am seit dem 1. Juli gültigen Gesetz ist das Prinzip der Eigenverantwortung. Von nun an ist der jeweilige Hersteller oder Importeur für die Sicherheit seiner Chemikalien selbst verantwortlich. Ebenso gilt eine Beweislastumkehr: Die zur Bewertung der Chemikalien benötigten Daten müssen selbst beschafft werden und entlang der gesamten Wertschöpfungskette so eine Grundlage für den sicheren Umgang mit den Stoffen geschaffen werden (im Sinne eines Risiko-Managements). Von diesen Vorgaben sind alle Chemikalien betroffen, die ab einer Menge von 10 t im jährlich produziert werden. Die Menge der Daten, die hierzu erhoben werden müssen, ist mengenabhängig. Ein Beispiel: Ab einer Menge von zehn Tonnen jährlich besteht die Pflicht von Stoffsicherheitsberichten (CSR= Chemical Safety Reports) und Vorschlägen die der Risikominimierung dienen.

Eigenverantwortliches Risiko-Management wird in Gang gebracht

Von den vielen Neuerungen bei REACH ist folgende wichtig: Neben den immanenten Stoffeigenschaften werden auch die Anwendungen berücksichtigt und die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt. Es besteht die Pflicht, durch Sicherheitsdatenblätter an die nachgeschalteten Anwender der Chemikalien Informationen weiterzureichen und seitens des Anwenders die Mitteilungspflicht auch bei nicht registrierten Anwendungen. Das eigentliche Ziel von REACH ist also so zu verstehen, das Wissen und Kreativität der Akteure entlang der Produktion und so ein eigenverantwortliches Risiko-Management der Inverkehrbringer und der Anwender (der sogenannnten „Downstream-user“) in Gang zu bringen.

EU Kommission entscheidet über Stoffe mit erhöhtem Gefährdungspotenzial

Stoffe, die ein erhöhtes Gefährdungspotenzial beigemessen wird, unterliegen einer Zulassungspflicht. Ein hoheitliches Organ, nämlich die Europäische Komission, entscheidet dann bei dem jeweiligen Stoff, wie dieser hergestellt und vermarktet werden kann. Untersuchungen gehen davon aus, dass von den Stoffen, die jährlich in mengen von über einer Tonne produziert werden, lediglich 140 genügend auf ihre Wirkung hin untersucht werden. Aufgrund der Geheimhaltung von Rezepturen sei auch nicht bekannt, welche Stoffe in Konsumgütern eingeflossen seien und eine Belastung darstellen könnten. Zudem ist wegen der Geheimhaltung von Rezepturen in der Regel nicht bekannt, welche Stoffe in Konsumgütern enthalten sind und eine Belastung für Umwelt oder Gesundheit darstellen können.

Die Unterstützung der Unternehmen bei der Umsetzung von REACH

Um Unternehmen Hilfestellungen bei der Umsetung von REACH zu geben, insbesondere kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU), die Anforderungen der Verordnung zu erfüllen, stellen Mitgliedstaaten zusätzlich zu den von der Europäischen Chemikalienagentur herausgegebenen Materialien weitere schriftlichen Leitlinien sowie jeweils einzelstaatliche Auskunftsstellen zur Verfügung. Die nationalen Auskunftsstellen sollen Hersteller, Importeure, nachgeschaltete Anwender und sonstige interessierte Betroffene hinsichtlich ihrer jeweiligen Zuständigkeiten und Verpflichtungen im Rahmen der Verordnung beraten, insbesondere hinsichtlich der Registrierung von Stoffen. Der nationale Helpdesk ist in Deutschland bei der BAuA|Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) eingerichtet.

Ein Helpdesk ist bedeutsam für die Wirtschaftlichkeit des Serviceangebotes

Im Allgemeinen will man mittels eines Helpdesks einem bestimmten Personenkreis oder der gesamten Öffentlichkeit in einem abgegrenzten Dienstleistungs- und Wissensbereich oder bei der Anwendung bestimmter Produkte (Hard- und/oder Software) besondere Unterstützung anbieten. Neben dem kompetenten und engagierten Servicepersonal eines Helpdesks hat aus Service- bzw. Effektivitäts- und Effizienzgründen die dabei einzusetzenden Arbeitsprozesse und die Wissensdatenbank ganz zentrale Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit des Unterstützungsangebotes und für die Zufriedenheit der Anfrager. Mit Hilfe der Arbeitsprozesse und der Wissensdatenbank sammeln und verknüpfen Servicepersonen eines Helpdesks relevante Informationen aus dem Beratungsservice, welche anderen Servicepersonen bei Bedarf einfach zur Verfügung gestellt werden. Hierzu ist es notwendig, dass relevante Informationen aufwandsarm und schnell gefunden werden können. Deshalb integriert man in eine Wissensdatenbank möglichst Ontologiewerkzeuge und/oder Suchmaschinen. Häufig wird ein für die Öffentlichkeit relevanter Teilbereich der Wissensdatenbank eines Helpdesks auch veröffentlicht. Neben der Güte der Inhalte der Wissensdatenbank ist die Gebrauchstauglichkeit der Wissensdatenbank für die Akzeptanz der interessierten Akteure enorm wichtig.

Sogar der Privatverbraucher ist von der neuen Verordnung betroffen

Zielstellung der Europäischen Union ist es, es mit Hilfe der REACH-Verordnung bis zum Jahr 2020 zu erreichen, dass Chemikalien so hergestellt und eingesetzt werden, dass erheblich nachteilige Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt so gering wie möglich gehalten werden sowie weiterhin der freie Verkehr von Stoffen als solche, in Zubereitungen oder in Erzeugnissen gewährleistet ist und gleichzeitig Wettbewerbsfähigkeit und Innovation verbessert werden. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass zukünftig die gesamte Arbeitsgesellschaft, aber auch weite Teile der Privatverbraucher, in der EU direkt oder indirekt von der REACH-Verordnung betroffen sein werden.

Viele Möglichkeiten der Unterstützung sind empfehlenswert

Dies stellt insbesondere in der föderal aufgebauten Bundesrepublik Deutschland mit seiner wirtschaftlich bestimmenden Struktur von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) hohe Anforderungen an einen REACH-Helpdesk (Business Process Management, Qualitätsmanagement, Wissensmanagement, Lebenslanges Lernen, Gebrauchstauglichkeit, Servicequalität, Kundenzufriedenheit, Transparenz etc.). Hierzu wurde der REACH-Net – Beratungsservice entwickelt, aufgebaut und in der Betriebspraxis erprobt. An diesem kooperativen REACH-Helpdesk beteiligt sich der Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI), die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE), die Industrie- und Handelskammer zu Köln, weitere namhafte Industrieverbände und -unternehmen, viele REACH-Berater sowie Landes- und Bundesbehörden, um insbesondere KMU praxisgerecht bei der Umsetzung der REACH-Verordnung zu unterstützen. Weiterhin soll damit den KMU auch Unterstützung für das zur Umsetzung anstehende weltweit vereinheitlichte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS - Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals) gegeben werden. Grundlage für den nachfrageorientierten REACH-Net – Beratungsservice war das validierte Kompetenznetz Moderne Arbeit und für den angebotsorientierten Informationsbereich des REACH-Net – Portals das KMU-Gefahrstoffportal Gefahrstoffe im Griff.

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