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Rückblick Praxistag HPLC am 18. März Rege Diskussionen in der HPLC-Community

Am 18. März fand der Praxistag HPLC zum dritten Mal in digitaler Form statt. Durch eine neue Event-Software gelang eine interaktive Veranstaltung, welche die Teilnehmer als sehr informativ bezeichneten.

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Moderator und LP-Chefredakteur Marc Platthaus freut sich über die rege Teilnahme am digitalen Praxistag HPLC.
Moderator und LP-Chefredakteur Marc Platthaus freut sich über die rege Teilnahme am digitalen Praxistag HPLC.
(Bild: VCG/Schünzel)

„Live finde ich besser. Direktes Feedback in den Gesichtszügen des Publikums ist unersetzbar für mich.“ Dieser Kommentar steht stellvertretend für viele ähnlich Meinungen von Teilnehmern des digitalen Praxistages HPLC.

Doch aus naheliegenden Gründen war es auch diesmal nicht möglich, Experten und HPLC-Interessierte in einem Konferenzsaal zusammenzubringen. Und daher nahmen am 18. März mehr als 220 HPLC-Interessierte virtuell am 10. Praxistag HPLC teil.

Diesen HPLC-Austausch veranstalten wir von der LABOIRPRAXIS seit 2015. Auch wenn momentan das persönliche Treffen verwehrt bleibt, haben wir im Vorjahr bereits gute Erfahrungen mit der digitalen Variante des Praxistages gemacht. Diesmal sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und haben den Anwendern und Referenten mit Eventinsight eine neue Plattform geboten – mit mehr Möglichkeiten zur Interaktion.

Blick in das Studio, aus dem der Praxistag HPLC am 18. März technisch betreut wurde.
Blick in das Studio, aus dem der Praxistag HPLC am 18. März technisch betreut wurde.
(Bild: VES/Anne Becker)

Dies erleichterte die Kontaktaufnahme in vielerlei Hinsicht, z. B. im öffentlichen Chat mit dem Plenum, in privaten Video-Chats mit anderen Teilnehmer oder in Fragerunden nach einem Vortrag im separaten „Break-out Room“. So konnten alle, die sich auf das virtuelle Format eingelassen haben, nicht nur von den Fachvorträgen profitieren, sondern auch von einem Austausch untereinander. Und das Format und auch die Plattform ist bei den Teilnehmern gut angekommen, hier stellvertretend ein Kommentar: „Gesamturteil sehr gut. Kann ich weiterempfehlen.“

11. Praxistag HPLC am 11. November 2021 Sie wollen wieder eine „richtige“ Veranstaltung besuchen? Dann melden Sie sich gleich zum 11. Praxistag HPLC am 11. November 2021 an (der Frühbucherrabatt gilt bis 31. Juli). In Berlin bringen wir im Hollywood Media Hotel wieder Experten und Interessierte zusammen. Für Details zum Ablauf des Praxistages können Sie sich hier anmelden. Wir informieren Sie dann per E-Mail in den kommenden Wochen über die Programm-Highlights.

Das Programm bot Einblicke in verschiedenste Aspekte der HPLC: Von den Tücken der Enantiomerentrennung, über die Gegenüberstellung von HPLC, Gel-Permeations-Chromatographie (GPC) und Feld-Fluss-Fraktionierung (FFF) bis zum Praxisbeispiel einer erfolgreichen Methodenentwicklung für die Futtermittelanalytik.

Was waren die Vortragsthemen des Praxistages?

Enantiomerentrennung per HPLC und UHPLC

Am Anfang des Praxistages stand die Keynote von Prof. Dr. Michael Lämmerhofer von der Universität Tübingen. Er beschäftigte sich mit dem Thema UHPLC, der Trennung mit sub-2µm-Partikeln, und deren Leistung für die Enantiomerentrennung. Eine große Anzahl von chiralen stationären Phasen seien heutzutage kommerziell erhältlich und ermöglichen es so, alle Arten von Enantiomeren oder Stereoisomeren aufzutrennen, beschrieb der Wissenschaftler die aktuelle Situation in seinem Vortrag. Er sieht vor allem für sub-2µm- und 2,7µm-Coreshell-Partikel ein großes Potenzial bei der Trennung von Enantiomeren und damit für die Weiterentwicklung von Wirkstoffkandidaten.

Methodenentwicklung in der HPLC – ein Praxisbeispiel

In der landwirtschaftlichen Forschung sind Einzelzucker und Fruktane relevante Analyten, gerade bei der Beurteilung von Kohlenhydratumsetzungen – sowohl in Pflanzen und Futtermitteln als auch im Tier. Dr. Kirsten Weiß von der Humboldt Universität (HU) zu Berlin zeigte in ihrem Vortrag, wie sie für ihre Forschung eine robuste Trennmethode etabliert hat, mit der sich reproduzierbare Ergebnisse beim Nachweis von 13 Einfachzuckern messen lassen. Nach dieser Methodenentwicklung zeigte sich die Wissenschaftlerin gerade über die Wiederfindungsraten erfreut: „Mit Ausnahme von Xylose und Maltose lagen die Wiederfindungsraten zwischen 94 und 108 Prozent, was für unsere Fragestellungen absolut ausreichend waren.“

Wie wichtig Säulen für die Trennung sind

Claudio Pasqual von Waters widmete sich in seiner Präsentation zwei Problemen, die für fehlerhafte Analyseergebnisse sorgen können: nicht-spezifische Absorptionen während der Trennung, d. h. ungewollte physikalische oder chemische Interaktionen zwischen der Säule und den Analyten. Die nicht spezifische Adsorption metallempfindlicher Verbindungen kann dann zu langen Passivierungszeiten der Säule, Chromatographie mit hohen relativen Standardabweichungen und breiten Peaks führen. „Die Premier-Säulen besitzen eine besondere Oberfläche, die Verluste durch Metallinteraktionen wirksam reduzieren und so u. a. zu einer erhöhten Empfindlichkeit beitragen“, betont Chromatographie-Experte Pasqual.

Polymeranalytik mit HPLC, GPC und FFF

Polymere untersuchen viele Laboranten standardmäßig mit der Gel-Permeations-Chromatographie (GPC) – zumindest, wenn die Primärstruktur bekannt ist und v. a. die Qualitätskontrolle im Vordergrund steht. Sollen hingegen chemische Eigenschaften und synthetische Polymermodifikationen analysiert werden, ist eher die HPLC das Mittel der Wahl. Wie sich die beiden Methoden kombinieren lassen und welche Vorteile eine dritte Technik – die Feldflussfraktionierung (FFF) bietet – war Thema des Vortrags von Prof. Dr. Valentin Cepus von der Hochschule Merseburg. Am Beispiel von styrolbasierten Polymeren (Polystyrol und Styrol-Butadien-Kautschuk) zeigte er die Grenzen und Möglichkeiten dieser drei Verfahren.

Verbesserte Probenvorbereitung für die HPLC-Analytik

Die Probenvorbereitung stand im Vordergrund des Vortrags von Pascal Weinelt von Mettler Toledo und Martin Alt vom Validierungsspezialisten Qpliance. Viele manuelle Schritte, Fehler bei der Übertragung von Ergebnissen oder ein geringer Durchsatz – zahlreiche Aspekte machen die Probenvorbereitung zu einem Arbeitsschritt, der viel Optimierungspotenzial bietet. Die beiden Referenten zeigten anhand von HPLC-Verdünnungsreihen, wie eine automatisierte Dosierung mit anschließendem digitalem Ergebnistransfer dafür sorgen kann, Fehler zu minimieren und die Prozessschritte zu beschleunigen.

Mehrdimensionale Flüssigkeitschromatographie in der Bioanalytik

Wenn man mit komplexen Probenmatrices zu tun hat, reicht eine einfache HPLC oft nicht aus, um eine saubere Trennung zu erhalten. Wie hier die mehrdimensionale Flüssigkeitschromatographie (2D-HPLC) zum gewünschten Trennergebnis führt, erklärte Lars Reinders vom Institut für Energie- und Umwelttechnik (IUTA). Er legte den Fokus dabei auf den flexiblen Einsatz in der Bioanalytik und verdeutlichte die Methode an praktischen Beispielen. Neben Grundlagen wie Definitionen von Peakkapazität und Orthogonalität ging Reinders auf spezifische Anwendungen ein, etwa die automatisierte Probenvorbereitung auf Basis eines enzymatischen Verdaus mittels Enzymreaktoren.

Nachhaltigkeit in der HPLC-Methodenoptimierung

Dr. Stefan Vosskötter, HPLC-Applikationsspezialist bei Shimadzu, ging bei seinem Vortrag auf ein Problem ein, das viele Anwender beschäftigt: Wie gelingt eine nachhaltige Methodenoptimierung in der Flüssigchromatographie? Da es aus Vosskötters Sicht viele Möglichkeiten der Optimierung gibt, plädiert der Experte darauf, sich einzelne Faktoren herauszugreifen und diese gezielt anzupassen. Gerade in der Probenvorbereitung sieht er hier Potenzial: automatisierte Alternativen helfen z. B., Zeit einzusparen und Fehler zu verringern. Abschließend appellierte der Applikationsexperte an die Kreativität der Labormitarbeiter: „Es gelingt ohne große Investitionen, HPLC-Methoden nachhaltiger zu machen.“

Was steckt in Fruchtgummis?

Zu Abschluss des digitalen Praxistages widmete sich Dr. Christian Dauwe von Applichrom in seinem Vortrag einem besonderem Probenmaterial: einem Fruchtgummi. Bei dieser Probe lassen sich sowohl HPLC wie GPC einsetzen und Dauwe beschrieb entsprechende Analysestrategien. Wichtig war aus seiner Sicht vor allem, eine Probe wie ein Fruchtgummi aus verschiedenen analytischen Winkeln zu betrachten. So lassen sich Farbstoffe oder Flavanoide mit klassischer C18-HPLC untersuchen. Eine Fruchtgummiprobe kann allerdings auch als Biopolymer angesehen werden und so z. B. in Hinblick auf das Kauverhalten mit der SEC analysiert werden.

Praxistag Live am 11. November in Berlin

Trotz der zahlreichen positiven Teilnehmerstimmen zur digitalen Praxistag-Variante bleibt weiterhin der Wunsch vieler HPLC-Anwender nach einem direkten Austausch bestehen. Diesem Wunsch wollen wir am 11. November entsprechen und laden zum 11. Praxistag HPLC nach Berlin ein. Im Hollywood Media Hotel wollen wir dann wieder mit HPLC-Anwendern und Experten über die Flüssigchromatographie diskutieren. Melden Sie sich gleich an und profitieren Sie bis 31. Juli vom Frühbucherrabatt.

* M. Platthaus, Chefredakteur LABORPRAXIS

(ID:47317104)

Über den Autor

Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Chefredakteur, LABORPRAXIS - Mehr Effizienz für Labor & Analytik