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Produktsicherheit Reinraumlabore für Zytostatika und Infusionsnahrung unter einem Dach

Autor / Redakteur: Iris Dörffeldt / Anke Geipel-Kern

Die Herstellung von Zytostatika stellt nicht nur höchste Anforderungen an die Produktsicherheit, sondern auch an den Arbeitsschutz. Dagegen ist die Produktion von Produkten für die parenterale Ernährung etwas leichter. Um beide Vorgaben in einem Gebäude unter einen Hut zu bringen, entschied sich der Hersteller für getrennte Reinräume.

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Bei der Herstellung von Zytostatika werden höchste Anforderungen an den Arbeitsschutz gestellt.
Bei der Herstellung von Zytostatika werden höchste Anforderungen an den Arbeitsschutz gestellt.
(Bild: Schilling Engineering)

Wie man zwei Herstellprozesse mit unterschiedlichen Reinraumbedingungen in einem Gebäude unterbringt, zeigt der pharmazeutische Hersteller Eurozyto in Königstein. Dieser investierte in zwei getrennt voneinander angelegte Reinraumlabore zur Herstellung von parenteraler Ernährung und Zytostatika. Nach einer mehrmonatigen Planungs- und Aufbauphase geht die Herstellung der Arzneimittel jetzt in Produktion. Die anwendungsfertig hergestellten Infusionslösungen werden in enger Zusammenarbeit mit Apotheken, Ärzten und Kliniken erstellt. Der Herstellungsprozess dieser Infusionen unterliegt der Herstellungserlaubnis nach § 13 des Arzneimittelgesetz. Dies bedingt unter anderem den Einsatz von GMP-gerechten Reinraumlaboren der Klasse B.

Bei der Produktion der toxischen Zytostatikalösungen zur Krebstherapie muss neben absoluter Keimfreiheit zum Schutz des Patienten zudem ein lückenloser Arbeitsschutz gewährleistet werden. Die Mitarbeiter müssen beim Umgang mit den toxischen Substanzen vor jeglicher Kontamination geschützt werden, ferner muss die Verschleppung einzelner Partikel ausgeschlossen werden. Der Herstellungsprozess von parenteralen Infusionslösungen stellt daher eine hohe Herausforderung an die Kontrolle der Arbeitsabläufe und der Reinheit der Räume dar.

Strikte Trennung schliesst Cross-Contamination aus

Zur Gewährleistung der höchsten Sicherheit hat Eurozyto zwei getrennte Labore der Reinraumklasse GMP A in B installiert. Der Apotheker und Geschäftsführer Uwe-Bernd Rose erläutert: „Wir wollen höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards erreichen und sind bei der Investition in die technische Ausstattung der Labore keinerlei Kompromisse eingegangen. Durch die Trennung der Herstellung in den Bereich toxisch und non-toxisch wird eine Cross-Contamination ausgeschlossen. Für die Einrichtung der Reinraumtechnik haben wir nach einem Experten gesucht, der über Erfahrung in der Herstellung von Reinraumlaboren verfügt und einen funktionalen und vor allem konstant sicheren Ablauf gewährleistet.“

Die Wahl fiel auf den Reinraumspezialisten Schilling Engineering. Das baden-württembergische Unternehmen bietet mit dem selbst entwickelten Reinraumsystem Clean Stericell eine speziell für Labore ausgerichtete Reinraumtechnik an, die alle GMP-Anforderungen erfüllt und für höchste Arzneimittelsicherheit sorgt.

Die neuen Reinraumlabore verfügen mit Schleusen- und Arbeitsvorbereitungsräumen über jeweils rund 100 m2 Reinraumfläche. Jedes Labor wird über ein mehrstufiges Personen- und Materialschleusensystem erreicht, das für strukturierte Arbeitsabläufe und zusätzliche Sicherheit sorgt. In je drei hintereinander angelegten Personenschleusen mit angeschlossenen Arbeitsvorbereitungsräumen wird die Reinraumklasse durch abfallende Druckdifferenzen und erhöhte Luftwechselraten bis auf GMP B erhöht. Zytostatika-Werkbänke sorgen für absolute Keimfreiheit und uneingeschränkten Personenschutz während des Herstellungsprozesses der Krebsmittel.

Das zweite Reinraumlabor für parenterale Ernährung wurde mit Laminarflow-Arbeitsbänken ausgestattet. Flächenbündig integrierte Laminarflow-Einheiten mit ULPA-Hochleistungsfiltern stellen die Versorgung der reinen Bereiche und Arbeitsplätze mit Reinstluft nach dem Prinzip der turbulenzarmen Verdrängungsströmung sicher. Die Umluft- und Rückluftführung ist in den Reinraumwänden integriert. Durch ein von Schilling Engineering entwickeltes Verfahren des Umluftbetriebes der klimatisierten Luft kann die Anlage energieefizienter als vergleichbare Systeme betrieben werden.

Die Herstellung von parenteraler Ernährung findet in einem separaten Reinraumlabor statt.
Die Herstellung von parenteraler Ernährung findet in einem separaten Reinraumlabor statt.
(Bild: Schilling Engineering)
Ein GMP-konformes Überwachungssystem sorgt für lückenlose Kontrolle und eine genaue Abstimmung der erforderlichen Reinraum Parameter. Eine Besonderheit des innovativen Reinraumsystems stellen die Wandverbindungen dar, die mit einem silikonfreien GMP-Dicht-Clip-System montiert werden. Die Verbindungen unterliegen keinem Verschleißprozess und können problemlos für mögliche Erweiterungen oder Umbauten demontiert werden.

Lückenlose Überwachung der Reinraum-Parameter

Das GMP-konforme Kontroll- und Steuerungssystem CR Control sorgt für eine lückenlose Überwachung und eine genaue Abstimmung der erforderlichen Reinraum-Parameter. Sämtliche Funktionen des Reinraums werden über einen in der Reinraumwand integrierten Touchscreen zentral angesteuert, überwacht und bei Bedarf reguliert. Über angeschlossene Fühler werden Druck, Feuchte und Temperatur der einzelnen Reinraumelemente gemessen und für das Monitoring aufgezeichnet.

Das Kontrollsystem prüft zudem den Verschmutzungsgrad aller Filter und zeigt Wartungsempfehlungen an. Funktionsstörungen, wie beispielsweise eine nicht richtig geschlossene Tür, werden mit einem Warnton verdeutlicht. Auch weitere Komponenten, wie Lichtfunktionen und Klimamodule können einzeln angesteuert werden. Die Installation dieses übersichtlichen Kontrollsystems sorgt für hohe Sicherheit und Effizienz der Reinraumtechnik.

Reinräume in Rekordzeit

Die Reinraumlabore wurden innerhalb von 16 Wochen konzipiert, aufgebaut und betriebsbereit übergeben. Uwe-Bernd Rose zeigt sich vom Aufbau der Reinraumsysteme beeindruckt: „Die Reinraumtechnik wurde in Rekordzeit aufgebaut. Die Arbeit der Servicetechniker von Schilling Engineering war wirklich bemerkenswert. Sie sind schnell, kommunikativ und haben Ahnung von dem, was sie tun. Wir freuen uns jetzt auf die zukünftigen Aufgaben und sind sicher, mit unseren Reinraumlaboren ein Stück zur sicheren Versorgung der Patienten unserer Gegend beizutragen.“

* Die Autorin ist Mitarbeiterin bei Schilling Engineering. Kontakt: i.doerffeldt@schillingengineering.de

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