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Lebensmittelsicherheit Schadstoffe per Smartphone erschnüffeln

| Redakteur: Dana Hoffmann

Ein EU-gefördertes Projekt hat sich nicht weniger als eine Revolution Lebensmitteltestung vorgenommen: In einigen Jahren soll jeder Besitzer eines Smartphones Lebensmittel und Wasser auf unerwünschte Stoffe testen können – auf lange Sicht sogar direkt im Supermarkt. Die Entwicklung verhindert wahrscheinlich keine Lebensmittelskandale, vielleicht deckt sie sie aber zuverlässig auf, bevor tausende Menschen an ihren Folgen erkranken, und schreckt Verursacher ab.

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Immer mehr Essen im Supermarkt: Was ist wirklich gut?
Immer mehr Essen im Supermarkt: Was ist wirklich gut?
(Foto: wikimedia commons/Diako1971)

Wenn Spock oder Data ihren Tricorder zückten, ging immer alles ganz schnell. Kaum haben sie die spacige Sensoreinheit ihres Hightech-Gadgets auf ein Ziel oder einfach in die Luft gehalten, können sie auf dem Display lesen, um welche Substanz oder gar Gift es sich in der Luft, Flüssigkeit oder einem Feststoff vor ihnen handelt. Die Filme und Serien aus dem Star-Trek-Universum sind Fiktion, aber einige ausgedachte Entwicklungen aus dieser Welt haben es in die Wirklichkeit geschafft: Automatisch öffnende Türen und die mobile Funkkommunikation sind heute alltäglich. Vielleicht ist es in einigen Jahren auch das mobile Gerät zur Materialanalyse

Konkret und ganz real hat sich ein Zusammenschluss von zehn Unternehmen aus acht europäischen Ländern das Ziel gesetzt, ein System zu entwickeln, das mit Hilfe eines Smartphones Lebensmittel auf schädliche Stoffe zu untersuchen vermag. Federführend bei dem zu Dreivierteln von der EU finanzierten Projekt mit einem Gesamtvolumen von 4 Millionen Euro ist das National Center for Scientific Research IMEL Demokritos in Athen. Das Freiburger Unternehmen Jobst Technologies ist für Deutschland dabei.

Der Supermarkt-Schnüffler

Die umständliche Benennung „FOOD Safety at the point-of-Need via monolithic spectroscopic chip identiFying harmFul substances in frEsh pRoduce” wird dankenswerterweise zum Foodsniffer verkürzt, was man etwa als den Lebensmittel-Erschnüffler übersetzen könnte. Immerhin sind damit der Zweck des im September 2012 gestarteten Projekts und die Funktionsweise der Erfindung im Wesentlichen schon wiedergegeben: Lebensmittelsicherheit soll dadurch erreicht werden, dass ein spektroskopischer Chip am Verbrauchsort gefährliche Substanzen in frischen Produkten nachweist.

Gleich mehrere Innovationen werden im System zusammengebracht: Der Messfühler (Transducer) ist eine optronische Plattform aus Silikon, die auf der Basis von Breitband-Mach-Zehnder-Interferometrie arbeitet und viele Analysen gleichzeitig durchführen kann. Die App steuert den Sensor, verarbeitet die von ihm kommenden Signale und versendet das Ergebnis im Internet.

Schadstoffen auf der Spur

Als zu ermittelnde Substanzen hat man sich vorerst Pestizid-Rückstände, Schimmelpilzgifte und Allergene vorgenommen, die auch in sehr niedrigen Konzentrationen erspürt werden sollen – teilweise besser als dies in der herkömmlichen Laboranalyse gelingt. Mehrere mögliche Gefahren sollen damit erkannt werden: Ursprünglich einwandfreie, aber schon länger lagernde Lebensmittel können auf Unbedenklichkeit überprüft werden. Sind noch keine Schimmelkulturen oder Gifte nachweisbar, können die Produkte noch verzehrt werden, auch wenn sie schon abgelaufen sind.

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