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Nocebo-Effekt Schon allein die Berichterstattung kann krank machen

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Die Erwartung einer Schädigung kann bei manchen Menschen auch schon zu ersten Symptomen führen. Wissenschaftler der Uni Mainz haben gemeinsam mit britischen Kollegen festgestellt, dass die elektromagnetische Hypersensitivität bereits durch das bloße Konsumieren von Informationen um dieses Krankheitsbild ausgelöst werden kann.

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Bei der elektromagnetischen Hypersensitivät, die vermeintlich Beschwerden durch z.B. Handystrahlung erzeugt, soll es sich laut einer aktuellen Studie um einen so genannten Nocebo-Effekt handeln.
Bei der elektromagnetischen Hypersensitivät, die vermeintlich Beschwerden durch z.B. Handystrahlung erzeugt, soll es sich laut einer aktuellen Studie um einen so genannten Nocebo-Effekt handeln.
(Bild: Thomas Hartmann)

Mainz – Medienberichte über vermeintlich gesundheitsgefährdende Substanzen können dazu führen, dass empfindliche Menschen Krankheitssymptome entwickeln, obwohl es objektiv keinen Anlass dafür gibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die sich mit dem Phänomen der elektromagnetischen Hypersensitivität befasst hat. Bei dieser Symptomatik reagieren die Betroffenen nach eigenen Angaben auf elektromagnetische Wellen wie Handy-Strahlung mit Beschwerden. Sie zeigen körperliche Reaktionen. Mithilfe der Kernspintomographie ist zu sehen, dass schmerzverarbeitende Hirnregionen aktiviert sind.

„Es spricht allerdings vieles dafür, dass es sich bei der elektromagnetischen Hypersensitivität um einen sog. Nocebo-Effekt handelt“, erklärt Dr. Michael Witthöft von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). „Allein die Erwartung einer Schädigung kann tatsächlich Schmerzen oder Beschwerden auslösen, wie wir es umgekehrt im Bereich schmerzlindernder Wirkungen auch von Placebo-Effekten kennen.“ Wie die neue Studie zeigt, können Medienberichte, die vor Gesundheitsrisiken warnen, bei manchen Personen Nocebo-Effekte hervorrufen oder verstärken.

Erzeugen elektromagnetische Felder durch Handys Unwohlsein?

Immer wieder berichten Medien über Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Felder (EMF), die von Handys, Mobilfunk-Sendemasten, Hochspannungsleitungen und dem WLAN ausgehen. Menschen, die nach eigener Einschätzung auf elektromagnetische Felder sensibel reagieren, leiden unter Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel, brennender Haut oder einem Kribbeln, die sie auf diese Emissionen zurückführen.

Es gibt Betroffene, die sich wegen ihrer elektromagnetischen Hypersensitivität von der Arbeit und ihrem sozialen Umfeld zurückziehen und in extremen Fällen sogar in abgeschiedene Regionen umziehen, um elektrische Anlagen ganz zu meiden. „Tests haben allerdings gezeigt, dass Betroffene nicht unterscheiden konnten, ob sie tatsächlich elektromagnetischen Feldern ausgesetzt sind und dass ihre Symptome genauso von einer Scheinexposition ausgelöst werden können wie von realer Strahlung“, kommentiert Witthöft die Ergebnisse. Das als Nocebo-Effekt bekannte Phänomen wurde zunächst bei Arzneimittelstudien festgestellt. Probanden zeigten Nebenwirkungen, obwohl sie gar kein Medikament, sondern ein Placebo erhalten hatten.

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