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Der Brexit und die Chemie Schwerer politischer und wirtschaftlicher Schaden

| Autor / Redakteur: Gerd Kielburger / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Kopfschütteln und Ratlosigkeit bei vielen Wirtschaftsführern in Europa nach dem historischen EU-Referendum in Großbritannien. Der Brexit ist zur Wirklichkeit geworden. 52 Prozent der Briten haben für den Ausstieg aus der EU gestimmt. Die politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen sind noch nicht absehbar. VCI und CEFIC melden sich zu Wort.

„Weniger Wirtschaftswachstum in den EU-Staaten und ein schwächeres Exportgeschäft werden die Konsequenzen sein“ so der Präsident des VCI Marijn Dekkers zum Brexit.
„Weniger Wirtschaftswachstum in den EU-Staaten und ein schwächeres Exportgeschäft werden die Konsequenzen sein“ so der Präsident des VCI Marijn Dekkers zum Brexit.
(Bild: VCI/René Spalek )

Frankfurt / Brüssel – In einer ersten Reaktion sprechen die Branchenvertreter der deutschen und europäischen Chemie (VCI und CEFIC) zwar von Respekt gegenüber der autonomen Entscheidung der britischen Bevölkerung, lassen aber klar durchblicken, dass der wirtschaftliche und politische Schaden schwer wiegt.

Marijn Dekkers, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI): „Die deutsche chemische Industrie hat sich stets zur politischen und wirtschaftlichen Einheit der Europäischen Union bekannt. Daher bedauere ich es sehr, dass die Briten gestern für einen Ausstieg aus der EU gestimmt haben. Gerade jetzt, wo sich die Konjunktur in Europa zaghaft erholt, ist der Austritt ein schlechtes Signal für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Weniger Wirtschaftswachstum in den EU-Staaten und ein schwächeres Exportgeschäft werden die Konsequenzen sein. Genauso schwer wiegt aber der politische Schaden. Nach den Differenzen über die richtige Flüchtlingspolitik ist das EU-Referendum in Großbritannien der zweite Rückschlag in diesem Jahr für das historische Projekt der europäischen Einigung. Wir alle brauchen ein politisch geeintes und wirtschaftlich starkes Europa.“

Wie die Statistiken der CEFIC zeigen, betrug der EU Handelsüberschuss mit Großbritannien im Durchschnitt von 2007 bis 2014 rund 2 Milliarden Euro. Großbritannien ist ein enorm wichtiger Handelspartner für die europäischen Chemieunternehmen, und trägt mit rund 9 Prozent ( 46,3 Milliarden Euro) des gesamten Chemieumsatzes in der Europäischen Union in Höhe von 531 Milliarden Euro bei. Petrochemische Produkte und andere Chemieprodukte machen 41 Prozent aller in Großbritannien erzeugten Chemieumsätze aus. Alle anderen europäischen Chemieunternehmen exportieren Chemikalien im Wert von 22,3 Milliarden nach Großbritannien, den größte Anteil daran machen Petrochemieprodukte mit 28 Prozent aus. Die in der EU befindlichen Chemieunternehmen importieren dagegen Chemieprodukte im Wert von rund 20,3 Milliarden Euro.

Bei der CEFIC forderte man heute alle beteiligten Parlamente und Regierungen auf, schnellstmöglich an den Rahmenbedingungen einer zukünftigen Zusammenarbeit zwischen EU und Großbritannien zu arbeiten, um wirtschaftliches Wachstum ermöglichen.

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