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VCI-Halbjahresbilanz 2016 Schwierige Zeiten für die Chemie: Produktion stagniert und Umsatz sinkt

Redakteur: Manja Wühr

Hatte der VCI Ende vergangenen Jahres noch mit einem Produktionsanstieg von 1,5 Prozent gerechnet, stellt sich heute Ernüchterung ein. Die Chemie muss ihre Erwartungen erneut nach unten schrauben. Für VCI-Präsident Marijn Dekkers steht vorm allem die Politik in der Pflicht den Chemiestandort Deutschland zu stärken.

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VCI-Präsident Marijn Dekkers zur Halbjahresbilanz der chemischen Industrie in Deutschland: "Der Chemie fehlen positive Impulse - wirtschaftlich wie politisch."
VCI-Präsident Marijn Dekkers zur Halbjahresbilanz der chemischen Industrie in Deutschland: "Der Chemie fehlen positive Impulse - wirtschaftlich wie politisch."
(Bild: VCI/René Spalek)

Frankfurt – Schon das erste Quartal 2016 hatte keine großen Sprünge erwarten lassen. Nun zeigt sich, dass in den ersten sechs Monaten des Jahres die Produktion in der chemisch-pharmazeutischen Industrie stagnierte. Auch der Umsatz ging auf 90,4 Milliarden Euro zurück. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 3,5 Prozent. Als Ursachen benennt der Branchenverband den erneuten Rückgang der Erzeugerpreise – sowohl im Inlands- als auch im Auslandsgeschäft.

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VCI-Präsident Marijn Dekkers konstatiert anlässlich der Halbjahresbilanz der chemischen Industrie in Deutschland: „Der Chemie fehlen positive Impulse – wirtschaftlich wie politisch. Gleichzeitig mehren sich die negativen Faktoren wie die Wachstumsschwäche in den Schwellenländern, eine geringe Dynamik des gesamten Welthandels und das Ende des globalen Investitionsbooms.“ Für das Gesamtjahr 2016 rechnet der VCI daher nur mit einem Produktionsplus von 0,5 Prozent für die chemisch-pharmazeutische Industrie. Bei weiter sinkenden Erzeugerpreisen dürfte der Branchenumsatz um 1,5 Prozent auf 186 Milliarden Euro zurückgehen, so die Prognose des Verbandes. Hinzu kommt, dass begünstigende Faktoren wie der niedrige Ölpreis und der schwache Euro in ihrer positiven Wirkung nachließen. „Zudem sind der Brexit sowie große Schwankungen bei Rohstoffpreisen und Wechselkursen schlechte Rahmenbedingungen für ein solides Wachstum unserer Branche“, erklärte Dekkers.

Wertschöpfungsketten in Deutschland erhalten

Eine große Gefahr sieht der VCI für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland. Vor allem die strukturellen Veränderungen in den USA, China und Saudi-Arabien, die dort zu niedrigen Energie- und Rohstoffkosten sowie einem massiven Aufbau von Produktionskapazitäten geführt haben, machen der deutschen Chemieindustrie immer mehr zu schaffen. „Ein Blick auf die verschiedenen Sparten zeigt, wie akut das Problem in unserer Branche bereits ist“, betonte Dekkers. Rechnet man das Pharmageschäft heraus, ist der Außenhandelsüberschuss der deutschen Chemie inzwischen rückläufig. In der Sparte Petrochemie gab es 2015 sogar ein Außenhandelsdefizit. Auch beim Geschäft mit Kunststoffen (Polymeren) droht sich die Handelsbilanz zu verschlechtern. Die Produktion von Polymeren in Deutschland ist seit 2011 um 500 000 Tonnen gesunken.

Diese Entwicklung kann sich auch auf nachgelagerte Produktionsstufen auswirken, warnt Dekkers. „Wir müssen unbedingt vermeiden, dass die chemischen Wertschöpfungsketten in einzelnen Segmenten reißen. Es liegt im Interesse nachgelagerter Industriezweige wie Fahrzeugbau und Elektro und der gesamten Wirtschaft, dass wir diese Ketten als zentrales Element des Chemiestandortes Deutschland erhalten.“ Auch die Menge der entsprechenden Vorprodukte (Petrochemikalien) ist seit 2011 um 4 Millionen Tonnen geschrumpft (-6 Prozent).

Obwohl die Finanzierungsbedingungen so günstig sind wie seit Jahrzehnten nicht mehr, investieren die Unternehmen im Inland eher zurückhaltend in neue Produktionsanlagen. Investitionen im Ausland scheinen hingegen attraktiver. Für diesen Trend macht der VCI-Präsident verschiedenen Faktoren verantwortlich: hohe Energiekosten, fehlende Planungssicherheit in der Energiepolitik, vernachlässigte Infrastruktur und eine industriekritische Verwaltungspraxis. „Die chemische Industrie braucht unbedingt bessere Rahmenbedingungen für Investitionen. Das heißt: verlässliche politische Vorgaben und konkurrenzfähige Kosten“, betonte Dekkers.

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Trotz vieler Einzelprobleme liegt der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit aus Sicht des VCI in der Verbesserung der Innovationsfähigkeit. „Wir brauchen mehr Innovationen, um Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung dauerhaft zu sichern – in Deutschland, aber auch in ganz Europa.“ Der zunehmende Wettbewerb erfordere dabei nicht nur Investitionen in moderne Sachanlagen, sondern auch immer mehr innovative Produkte und Produktionsverfahren sowie neue Geschäftsmodelle. Dem stünden noch zu viele Hürden in den Unternehmen im Weg, um Ideen aus dem Labor schnell und erfolgreich auf den Markt zu bringen.

Bürokratieabbau und klare Regeln

Gleichzeitig bremsten externe Hemmnisse im Verantwortungsbereich von Politik und Behörden, wie etwa zu viel Bürokratie und Regulierung oder die fehlende steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung, die Innovationsfähigkeit aus. Auf nationaler Ebene plädierte der VCI-Präsident daher für einen „Innovations-Check“, mit dem vor der Verabschiedung eines Gesetzes geprüft werden könne, ob die Regulierung innovations- und verbraucherfreundlich ausfalle. Hinsichtlich der europäischen Gesetzgebung sprach sich Dekkers für die Einführung eines Innovationsprinzips aus.

Dekkers‘ Fazit: „Aus eigener Kraft kann die Wirtschaft Deutschland nicht zum Innovationsweltmeister machen. Wir brauchen die Unterstützung durch die Politik. Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen und auch für ein gutes gesellschaftliches Umfeld sorgen: für eine Innovationskultur, die Offenheit und Neugier mit Mut und Zuversicht verbindet, damit Ideen auch tatsächlich zu Innovationen werden.“

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