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Medizin-Nobelpreis für Fortschritt in Immuntherapie

Selbstverteidigung gegen Krebs

| Autor / Redakteur: Dr. Rolf Hömke / Christian Lüttmann

Lymphozyten greifen eine Krebszelle an (Symbolbild).
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Lymphozyten greifen eine Krebszelle an (Symbolbild). (Bild: ©Juan Gärtner - stock.adobe.com)

Dank der modernen Medizin ist die Lebenserwartung in den Industrienationen höher denn je. Doch längst nicht jede Krankheit kann geheilt werden. So gibt es viele Krebserkrankungen, deren Betroffene wenig Hoffnung haben. Mit ihren Arbeiten zur Immuntherapie von Krebs haben zwei Forscher den Weg für neue Behandlungsformen bereitet – und dafür im Oktober 2018 den Medizin-Nobelpreis erhalten.

Berlin, Stockholm/Schweden – Die Krebsforscher Dr. James Allison und Prof. Dr. Tasuko Honjo sind 2018 die Nobelpreisträger für Medizin, das wurde am 1. Oktober in Stockholm verkündet. „Ihre Arbeiten haben vielen Krebspatienten zu wesentlich besseren Überlebenschancen verholfen. Forschende Pharma-Unternehmen konnten auf dieser Grundlage etliche neuartige Medikamente entwickeln und gegen unterschiedliche Krebsarten einsetzbar machen. Weitere dürften in den nächsten Jahren folgen. Damit steht vielen Krebspatienten eine weitere Therapieoption zur Verfügung“, kommentiert Dr. Siegfried Throm, Geschäftsführer Forschung des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen. Bisher fanden vor allem Operationen, Strahlentherapie, Chemotherapie Einsatz.

Was haben die diesjährigen Nobelpreisträger erforscht?

Gegen die meisten Krankheiten ist unser Körper gut gewappnet. Dank unseres Immunsystems werden Erreger in der Regel abgewehrt, ohne dass wir überhaupt etwas davon mitbekommen. Doch in manchen Fällen versagt dieser Schutzmechanismus. So schaffen es Krebszellen, das Immunsystem durch „einschläfernde“ Proteine auszubremsen und ungestört zu wachsen.

Allison und Honjo fanden unabhängig voneinander verschiedene solcher Bremser-Proteine. Bereits in den 1990er Jahren entwickelten sie darauf basierend erste Therapieansätze mit so genannten Checkpoint-Inhibitoren. Sie sorgen dafür, dass Immunzellen des Patienten an der Bekämpfung des Tumors im Körper mitwirken. Konkret verhindern sie, dass die Immunzellen durch Botenstoffe der Tumorzellen eingeschläfert werden.

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2011 kam beispielsweise ein Mittel gegen schwarzen Hautkrebs auf den Markt, was die Lebenserwartung der Patienten von wenigen Monaten auf einige Jahre verlängern konnte. Durch Kombination der verschiedenen Ansätze von Allison und Honju ließ sich die Wirkung sogar noch deutlich verbessern. Die Wissensgrundlage zur Entwicklung solcher Checkpoint-Inhibitoren brachte den beiden Forschern schließlich den Medizin-Nobelpreis.

Wenn die Selbstverteidigung zur Selbstverletzung wird

Mittlerweile kann die Immuntherapie auch gegen fortgeschrittenen Lungen- und Nierenkrebs eingesetzt werden. Allerdings ist auch diese Therapieform nicht ohne Risiko: Manche Patienten sprechen nicht auf die Behandlung an oder zeigen sogar zum Teil gravierende Nebenwirkungen, zum Beispiel wenn das Immunsystem nicht nur gegen die Krebszellen aktiv wird, sondern auch gesundes Gewebe angreift.

So ist die Forschung von Allison und Honjo zwar richtungsweisend und stellt einen wichtigen medizinischen Fortschritt dar. Aber dennoch ist sie nur ein Teilerfolg auf der Suche nach einer Heilung von Krebserkrankungen.

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* Dr. R. Hömke, Verband Forschender Arzneimittelhersteller, 10117 Berlin

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