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Schutzausrüstung Sensorkleidung sorgt für doppelten Schutz vor Gefahrstoffen

| Autor / Redakteur: Sabine Trupp* / Dr. Ilka Ottleben

Sicherheit hat im Labor oberste Priorität – denn die Substanzen, mit denen die Mitarbeiter hantieren, schädigen oft schon in geringsten Konzentrationen die Gesundheit. Ein neuer Sensorhandschuh, der bei Kontamination seine Farbe ändert, könnte künftig für noch besseren Arbeitsschutz sorgen.

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Abb. 1: Jeder Sensorfarbstoff ist eine maßgeschneiderte Entwicklung, die einen genau definierten Anwendungsbereich abdeckt.
Abb. 1: Jeder Sensorfarbstoff ist eine maßgeschneiderte Entwicklung, die einen genau definierten Anwendungsbereich abdeckt.
(Bild: Fraunhofer EMFT /Bernd Müller)

Für Mitarbeiter in Industrie- und Forschungslaboren ist der Umgang mit gefährlichen Stoffen oftmals Alltag. Das Tückische daran: Viele der aggressiven Substanzen kann man weder sehen noch riechen. Umso wichtiger sind wirkungsvolle Sicherheitsmaßnahmen, um eine Kontamination der Mitarbeiter zu verhindern. So muss der Arbeitgeber zum einen seinen Mitarbeitern eine geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA) zur Verfügung stellen: Laborkittel, Schutzhandschuhe und Schutzbrille dienen als mechanische Barriere, um einen direkten Haut- und Augenkontakt mit Gefahrstoffen zu vermeiden. Ergänzend dazu sind in den meisten Laboren hochempfindliche Messsysteme installiert, die Gefahrstoffe in der Luft detektieren und ab einem kritischen Schwellenwert Alarm auslösen. Messgeräte, die bereits geringe Spuren von Giftstoffen erkennen, haben allerdings ihren Preis – und in größeren Räumen benötigt man in jedem Fall mehrere Geräte, um einen effektiven Schutz sicherzustellen.

Doch selbst bei einer optimal engmaschigen Mess-Infrastruktur muss sich der Gefahrstoff erst einmal in einem gewissen Radius ausgebreitet haben, bevor die Kontamination detektiert und der Alarm ausgelöst wird – befindet sich ein Mitarbeiter in unmittelbarer Umgebung zur Kontaminationsquelle, ist er den schädlichen Substanzen jedoch schon länger ausgesetzt. Darüber hinaus kann die Giftstoffkonzentration im direkten Umfeld der Kontaminationsquelle schon weitaus höher liegen als die Werte, die das Messgerät detektiert.

Gefahrstoffe an Ort und Stelle detektieren

Das bedeutet im Umkehrschluss: Je näher am Mitarbeiter die Messung erfolgt, desto effektiver ist er geschützt. Ideal wäre es daher, die PSA selbst verfügte über eine „chemische Spürnase“. Die gute Nachricht: Sensorfarbstoffe, die auf bestimmte gefährliche Substanzen wie etwa Kohlenstoffmonoxid mit einer Farbänderung reagieren, ermöglichen genau dies.

Sensorisch aktive Farbstoffe lassen sich in alle möglichen Materialien integrieren, unter anderem in Textilien. Als Prototyp einer solchen Sensorschutzkleidung wurde an der Fraunhofer EMFT bereits ein entsprechender „intelligenter“ Schutzhandschuh entwickelt. Er warnt seinen Träger bei Kontakt mit Gefahrstoffen, indem er sich deutlich sichtbar verfärbt. Neben der kürzeren Zeitspanne zwischen Kontamination und Warnung lässt sich anhand der Farbspuren auch der kontaminierte Bereich sehr eng eingrenzen. Das erleichtert die Suche nach der Ursache und macht unter Umständen eine vollständige Evakuierung des Labors überflüssig. Dennoch sollte eine derartige Sensorschutzkleidung weniger als Konkurrenz, sondern vielmehr als sinnvolle Ergänzung zu konventionellen Messsystemen verstanden werden: Dank Sensorschutzkleidung wird der Mitarbeiter schnell und ortsbezogen gewarnt, während die Messsysteme genaue Werte erfassen und auf diese Weise für eine lückenlose Dokumentation sorgen.

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