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Amphibienseuche

Seuche bedroht Amphibien auf Madagaskar

| Autor / Redakteur: Tilo Arnhold* / Marc Platthaus

Ein rotäugiger Baumfrosch aus dem Ranomafana-Nationalpark in Südostmadagaskar. Bei dieser Art mit dem wissenschaftlichen Namen Boophis quasiboehmei wurden Infektionen mit dem Chytrid-Pilz festgestellt.
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Ein rotäugiger Baumfrosch aus dem Ranomafana-Nationalpark in Südostmadagaskar. Bei dieser Art mit dem wissenschaftlichen Namen Boophis quasiboehmei wurden Infektionen mit dem Chytrid-Pilz festgestellt. (Foto: Miguel Vences / TU Braunschweig)

Auf der Insel Madagaskar existieren rund 290 endemische Amphibienarten – Arten, die also nur auf der Insel im indischen Ozean leben. Nun wurde erstmals auf Madagaskar der tödliche Chytridpilz nachgewiesen. Die Seuche, die bisher großen Anteil am Massensterben von Schwanz- und Froschlurchen in den USA, Mittelamerika und Australien hat, erreicht damit diesen Hotspot der Artenvielfalt. Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) schlägt daher nun einen Notfallplan vor.

Leipzig – Die gesamte Gruppe der Amphibien wird zurzeit von einer weltweiten Pandemie heimgesucht, die das Aussterben massiv beschleunigt. Auch wenn der durch den Menschen verursachte Verlust von Lebensräumen weiterhin die Hauptbedrohung für Amphibienpopulationen ist, bietet der Schutz der Lebensräume inzwischen keine Garantie mehr für das Überleben der Amphibien. Eingeschleppte Infektionskrankheiten bedrohen mittlerweile selbst scheinbar abgelegene Lebensräume.

Die verheerendste bekannte Amphibienseuche ist die so genannte Chytridiomykose, die von einem tödlichen Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis, kurz Bd genannt) hervorgerufen wird. Der Pilz befällt die Haut, die für die Amphibien von besonderer Bedeutung ist, da sie über diese atmen. Auf diese Weise sind bereits viele Arten verschwunden – vor allem im tropischen Mittelamerika, wo zwei Drittel der Arten aus der Gattung der farbenfrohen Stummelfußfrösche bereits in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet drastisch dezimiert sind. Bd wurde inzwischen bei über 500 Amphibienarten festgestellt, von denen 200 deutlich zurückgegangen sind. Der Erreger wird daher weltweit als eine der größten Bedrohungen für die Artenvielfalt bezeichnet.

Auftreten auf Madagaskar zeigt Gefahr des Pilzes

Bisher galten jedoch einige Inseln wie Madagaskar als nicht befallen. Bei der letzten Serie an Untersuchungen 2005 bis 2010 konnte der Krankheitserreger nicht festgestellt werden. Die Auswertung der jüngsten Untersuchungsserie zeigte jetzt jedoch, dass der Chytridpilz auch in Madagaskar Amphibien bedroht.

„Das ist eine traurige Nachricht für Amphibienfreunde weltweit“, erläutert Dr. Dirk Schmeller vom UFZ, der an der Auswertung der Proben beteiligt war. „Denn zum einen ist damit eine Insel bedroht, die über besonders viele Amphibienarten verfügt. Mehrere hundert Arten leben nur hier. Und zum anderen bedeutet das auch: Wenn der Erreger selbst bereits auf eine solch abgelegene Insel gelangt ist, dann kann und wird er überall auftreten.“

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