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Arbeitssicherheit Sicherheit in Person – Arbeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit stärken

Autor / Redakteur: Jörg Feldmann* / Dr. Ilka Ottleben

Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) sollten Organisation, Führungskräfte und Mitarbeiter eines Unternehmens in allen Fragen der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes und der menschengerechten Arbeitsgestaltung unterstützen. Die Realität zeigt derzeit – es ist noch Luft nach oben.

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Abb. 1: Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) unterstützen die Organisation, die Führungskräfte und die Mitarbeiter eines Unternehmens in allen Fragen der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes und der menschengerechten Arbeitsgestaltung.
Abb. 1: Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) unterstützen die Organisation, die Führungskräfte und die Mitarbeiter eines Unternehmens in allen Fragen der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes und der menschengerechten Arbeitsgestaltung.
(Bild: michaeljung@163.com - Fotolia)

Seit 1973 gibt es das Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit – kurz Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) genannt. Es regelt die Pflichten der Arbeitgeber zur Bestellung von Betriebsärzten, Sicherheitsingenieuren und anderen Fachkräften für Arbeitssicherheit. Unter anderem definiert es deren Aufgaben und betriebliche Position. Die Unfallverhütungsvorschrift der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV Vorschrift 2) konkretisiert die Anforderungen zur arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Betreuung.

Fachkraft für Arbeitssicherheit – welche Aufgaben hat sie?

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat ein Gutachten veröffentlicht, das Erfolgsfaktoren für die Arbeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit und einen wirksamen Arbeitsschutz in Betrieben und Organisationen von Betrieben untersucht hat.

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Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) unterstützen die Organisation, die Führungskräfte und die Mitarbeiter eines Unternehmens in allen Fragen der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes und der menschengerechten Arbeitsgestaltung. Sie sollen eine fachkundige Beratung der Arbeitgeber sicherstellen, auch damit Maßnahmen, die dem Arbeitsschutz und der Unfallverhütung dienen, einen möglichst hohen Wirkungsgrad erreichen. Konkret unterstützt die Sifa bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung, zu der das Arbeitsschutzgesetz den Arbeitgeber verpflichtet. Zu den weiteren Tätigkeitsfeldern gehören unter anderem Betriebsbegehungen und die Entwicklung von Veränderungsvorschlägen, die Unterweisung von Beschäftigten und Information und Schulung von Führungskräften oder Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Vor diesem Hintergrund untersuchte das Gutachten der BAuA anhand der Sifa-Langzeitstudie und der GDA-Betriebsbefragung 2011 die betrieblichen und überbetrieblichen Einflussgrößen auf die Tätigkeit und Wirksamkeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit (s. Abb. 2).

Die Zusammenfassung der Befunde zeigt, dass die Sicherheits- und Gesundheitskultur eines Betriebes sowie die betriebliche Regelung des Arbeitsschutzes die Handlungsbedingungen der Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen beeinflussen. So bestehen bei den Betrieben in den unterschiedlichen Betreuungsmodellen nach DGUV Vorschrift 2 erhebliche Unterschiede im Hinblick auf die tatsächliche Betreuungssituation durch Sifa und Betriebsarzt, die Ausprägung der Sicherheits- und Gesundheitskultur, der formalen betrieblichen Regelung des Arbeitsschutzes und den Aktivitäten im betrieblichen Arbeitsschutz.

Arbeitssicherheit – Betriebe sollten vollständige Unterstützung erhalten

Das Gutachten zeigt einen Zusammenhang zwischen den Aktivitäten des betrieblichen Arbeitsschutzes und der Sicherheits- und Gesundheitskultur, dem Kenntnisstand des Regelwerks bei den betrieblich Verantwortlichen sowie der Schulung von Führungskräften und der Betreuungssituation auf. Förderlich wirkt es sich aus, wenn eine Sifa oder ein Betriebsarzt im Betrieb vorhanden sind oder zur Unterstützung herangezogen werden. Kooperieren beide miteinander hat das ebenso positive Auswirkungen für den betrieblichen Arbeitsschutz wie ein informierter und motivierter Unternehmer. Wenn eine vollständige sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung verankert ist, führt dies zu positiven Effekten. Deshalb sollten möglichst alle Betriebe eine vollständige Unterstützung erhalten.

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Die Unternehmensleitung und Führungskräfte haben einen großen Einfluss auf die erfolgreiche Arbeit der Sifa. Je besser der Zugang zu den Entscheidern ist, desto erfolgstreibender ist die Wirksamkeit der eingesetzten Fachkräfte. Spielen die Führungskräfte oder der Unternehmer nicht mit, lassen sich Arbeitsschutzmaßnahmen weder dauerhaft noch wirksam umsetzen. Darum ist die Information der Entscheider über arbeitswissenschaftliche und rechtliche Grundlagen ein wichtiger Ansatz, um den betrieblichen Arbeitsschutz voranzutreiben. Gleiches gilt für die Motivation des Unternehmers. Betriebe mit einer Unternehmenskultur, die die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit als Ziel verfolgt, führen beispielsweise deutlich häufiger eine Gefährdungsbeurteilung durch.

Anknüpfungspunkte für Verbesserungen

Strategien, Ziele, Kommunikation und Engagement im Arbeitsschutz als Ausdruck der Sicherheits- und Gesundheitskultur spiegeln sich im Angebot von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung wider. Wird der Kenntnisstand sehr hoch eingeschätzt, werden häufiger zwei und mehr Maßnahmen angeboten. Betriebe, die ihre Führungskräfte in Fragen des Arbeitsschutzes schulen, machen häufiger ein oder mehrere Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Ebenfalls haben Systeme des Arbeitsschutz- und Gesundheitsmanagements einen positiven Einfluss auf die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Solche Systeme legen Abläufe und Zuständigkeiten fest und sichern die Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen. Insgesamt zeigt sich, dass eine betriebliche Organisation des Arbeitsschutzes beispielsweise wenn ein Ausschuss für Arbeitsschutz vorhanden ist, die Arbeit der Sifa erleichtert. Die im Gutachten analysierten formalen und kulturellen betrieblichen Aspekte bieten erste beziehungsweise pragmatische Anknüpfungspunkte unter anderem für das Aufsichtspersonal, um die Handlungsbedingungen des betrieblichen Arbeitsschutzes zu verbessern. Dazu gehört beispielsweise die Schulung von Führungskräften, die als Element der betrieblichen Arbeitsschutzorganisation eingefordert werden sollte. Auch sollten die Themen Arbeits- und Gesundheitsschutzes in die vorhandenen betrieblichen Kommunikationsstrukturen integriert werden. Nur wenn eine Kultur der Sicherheit und Gesundheit im Unternehmen gelebt und diskutiert wird, lässt sich die Arbeit im Betrieb nachhaltig sicher, gesund und menschengerecht gestalten.

Literatur:

[1] Betriebliche und überbetriebliche Einflussgrößen auf die Tätigkeit und Wirksamkeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit, 2015, BAuA-Bericht

* J. Feldmann: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 44149 Dortmund

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