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Podiumsdiskussion Nanotechnologie Sicherheitsforschung Nanotechnologie – Den Tiger hinter Gittern lassen

| Redakteur: Dr. Ilka Ottleben

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion am vierten Messetag der Achema befassten sich Experten aus Wissenschaft, Industrie, Verbraucherschutz und Regulierung mit der Sicherheitsforschung in der Nanotechnologie.

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Abb. 1: Gaby Fleur Böl (BfR): „Wir sollten bei der Nanotechnologie nicht diesselben Fehler machen, wie vor Jahren bei der Gentechnik.“
Abb. 1: Gaby Fleur Böl (BfR): „Wir sollten bei der Nanotechnologie nicht diesselben Fehler machen, wie vor Jahren bei der Gentechnik.“
(Bild: Ottleben )

Es liegt in der Natur des Menschen, dass der Begriff „Risiko“ sehr individuell geprägt ist. Geht es aber um die Bewertung des Risikopotenzials neuer Technologien und Materialien muss Einheit her, das heißt der Risikobegriff muss definiert werden. Das war eine der Kernaussagen einer Podiumsdiskussion, anlässlich derer sich Experten aus Wissenschaft, Industrie, Verbraucherschutz und Regulierung mit der Sicherheitsforschung in der Nanotechnologie befassten.

Was ist bislang über humantoxische Wirkungen von Nanopartikeln bekannt, was muss noch erforscht werden, wie sicher sind bereits am Markt befindliche Produkte und wie ist es um die Akzeptanz von Nanomaterialien in der Bevölkerung bestellt? Das enorme Potenzial der Technologie war indes unbestritten, gleichwohl warnte Gaby Fleur Böl vom Bundesinstitut für Risikoberwertung (BfR) davor, „dieselben Fehler wie vor Jahren bei der Gentechnik zu machen“. Sie warb ebenso wie Verbraucherschützer Rolf Buschmann für Transparenz, Dialog und Forschung, um mögliche Ängste der Menschen von Beginn an zu adressieren.

Toxikologische und Expositionsforschung sind gleichermaßen wichtig

„Es kann nicht darum gehen ein „Null-Risiko“ zu erzeugen, sondern es muss mit möglichen Risiken verantwortungsvoll umgegangen werden“ betonte Armin Grunwald vom KIT, Karlsruher Institut für Technologie. Dabei sei es enorm wichtig, neben der Erforschung der tatsächlich möglichen toxikologischen Wirkungen von Nanopartikeln auch die Wahrscheinlichkeit und die Art einer Exposition bei einer Risikobewertung zu berücksichtigen, ergänzte Harald Krug von der Schweizer Empa. „Der Tiger ist nur gefährlich, wenn er nicht hinter Gittern ist“, veranschaulichte Thomas Epprecht von Zumikon und forderte eine Priorisierung der Expositionsforschung.

Die derzeit am Markt befindlichen „Nano-Produkte“ seien, bei verantwortungsvollem Umgang, toxikologisch unbedenklich, konstatiert Toxikologe Krug, kritisiert aber die Flut von z.T. nicht nach toxikologischen Standards durchgeführten Studien, die zur Verunsicherung der Bevölkerung beitrügen. Hier fordert er Transparenz und Harmonisierung in der Wissenschaft sowie einen Paradigmenwechsel in der wissenschaftlichen Publikationslandschaft: „Bei Nanomaterialien muss es auch möglich sein, Nicht-Effekt-Studien zu veröffentlichen“.

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