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Anforderungen an Notduschen

Sicherheitsnotduschen in Laboren – was Sie wissen sollten

| Autor / Redakteur: Dr. Thomas Brock*, Egbert Dittrich** & Dr. Peter Neurieder*** / Dr. Ilka Ottleben

Die acht ausgewählten Szenarien stellen häufig auftretende Fallsituationen dar, wie sie sowohl in der Planung neuer als auch im Betrieb bestehender Laborgebäude auftreten können. Dabei arbeiten die Szenarien C und E mit vergleichsweise normalen Bedingungen und zeigen bereits für mittelgroße Laboratorien mit maximalen Abständen zur Notdusche von ca. 10 m, dass die Fünf-Sekunden-Regel selbst bei schnellem Geh-Tempo nicht einzuhalten ist.

Gleiches gilt, wenn eine Teilstrecke bis zur Notdusche z.B. als Folge eines Unfalls nur sehr langsam durchlaufen werden kann (Szenarien G und H). Offensichtlich sind alle Szenarien mit Notduschen auf dem Flur (in Abb. 2 gepunktet ohne Markierungszeichen) wegen des Wegverlusts durch Türverzögerung bei der Erfüllung der Fünf-Sekunden-Regel bereits bei mittelgroßen Laboratorien im Nachteil.

Um den entsprechenden Effekt der korrespondierenden Szenarien D und C zu kompensieren, müsste sich z.B. die Person, welche die Notdusche in Szenario C in 10 m Entfernung im Labor mit einem Geh-Tempo von 8 km/h innerhalb von 5 s erreicht, in Szenario D mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h bewegen, damit sie die Notdusche auf dem Flur vor dem Labor in fünf Sekunden erreicht.

Wie aus Abbildung 2 für Bewegungsgeschwindigkeiten kleiner als 5 km/h erkennbar wird, haben betroffene Personen in solchen Fällen in Großraumlaboratorien faktisch keine Chance, innerhalb von fünf Sekunden eine Notdusche zu erreichen, es sei denn, derartige Situationen würden durch eine Gefährdungsbeurteilung rechtzeitig erkannt. Bedarfsweise müssten dann Notduschen nicht nur an Laborausgängen vorgesehen werden. Dabei sollten auch weitere relevante Orte bedacht werden, z.B. Übergänge zwischen experimentellen Laborbereichen und Labordokumentationszonen oder die Nähe zu eventuell vorhandenen zweiten Fluchtwegen.

Die Forderung, dass Notduschen von jedem Ort im Labor aus in höchstens fünf Sekunden erreichbar sein müssen, stellt aus Sicht der Autoren eine sowohl bei der Laborplanung als auch in der betrieblichen Praxis weit unterschätzte Anforderung dar, was immer öfter auch einer wirklich nachhaltigen Laborausstattung entgegensteht.

Darüber hinaus muss jeder Laborbetreiber und jeder Arbeitgeber dafür sorgen, dass wiederkehrende Prüfungen der Notduschen durchgeführt und dokumentiert werden. Die mit der Prüfung beauftragte Person muss dazu befähigt sein. Die Prüfung besteht aus einer Funktionskontrolle, einer mechanischen Prüfung sowie aus einer Messung und muss mindestens einmal pro Monat durchgeführt werden:

  • Gemessen wird der gesicherte Volumenstrom 30 Liter/Minute für Körperduschen und 6 Liter/Minute für Augenduschen für mindestens 15 Minuten.
  • Die Funktion der Körpernotdusche wird durch Inaugenscheinnahme der Wasserverteilung des Duschkopfes geprüft [4]. Die Funktion der Augendusche wird bei nach oben gehaltener Austrittsöffnung durch die Strahlhöhe [5] geprüft, die zwischen 10 und 30 cm betragen sollte.
  • Die Wasserqualität in beiden Fällen wird auf Klarheit, Färbung oder Trübung, Anzeichen von Verkeimung etc. geprüft.
  • Bei der mechanischen Prüfung werden die Betätigungsventile auf Leichtgängigkeit und die Duschköpfe auf Durchgängigkeit geprüft. Außerdem wird sichergestellt, dass sich das Ventil nicht nach einmaliger Betätigung wieder automatisch schließt.
  • Ein fester Bestandteil einer jeden Prüfung ist deren Dokumentation. In der Regel wird eine Notduschen-Prüfung zusammen mit dem nächsten Prüftermin direkt im Kataster prüfpflichtiger Arbeitsmittel dokumentiert.

Im Spritzbereich der Notduschen müssen Schalter und Steckdosen durch Ausführung in der Mindestschutzklasse IP 44 spritzwassergeschützt sein. Fußböden oder deren Beläge sowie hindurchgehende Leitungsdurchführungen müssen im gesamten Laboratorium wasserdicht sein; unter der Körpernotdusche ist ein rutschhemmender Belag nach R10 (Bewertungsgruppe der Rutschgefahr) sinnvoll.

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