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Anforderungen an Notduschen

Sicherheitsnotduschen in Laboren – was Sie wissen sollten

| Autor / Redakteur: Dr. Thomas Brock*, Egbert Dittrich** & Dr. Peter Neurieder*** / Dr. Ilka Ottleben

Ein grundsätzliches Problem stellt der nur seltene Gebrauch der Notduschen dar. Im Zulauf stehendes Wasser birgt ein hygienisches Risiko, welches für Augenduschen kritischer ist als für Körperduschen. Durch häufigeren Wasserwechsel werden solche Verunreinigungen und Verkeimungen vermieden. Bei Augenduschen hat sich deshalb als gute Praxis ein tägliches, vom Laborpersonal durchgeführtes Durchspülen (eine halbe bis eine Minute) bewährt.

Ausführung – worauf ist zu achten

Die Performanz einer Körpernotdusche ist mit der DIN EN 15154 technisch genau beschrieben. Im Klartext für diejenigen, die mit den dort angegebenen Kräften und Drehmomenten wenig anfangen können: Die Absperr­armatur muss leichtgängig, in eindeutiger Weise und in einer Sekunde vollständig zu öffnen sein. Umständliche Haptik und unlogische Platzierung der Absperrarmatur ist nicht normkonform.

Vor dem Hintergrund der Unfähigkeit zur Einigung lässt das Normungsgremium seit Inkrafttreten vor über 20 Jahren nationale Abweichungen bezüglich des Volumenstroms zu, z.B. in Deutschland übliche 30 L/min. In der für Laboratorien üblichen Klasse I muss der Volumenstrom 30 bis 60 L/min betragen. Der Haustechnikplaner muss zwingend bei der Dimensionierung des Wassernetzes für die Notduschen neben Festlegungen der Gleichzeitigkeit (Gefährdungsbeurteilung) auch die Angaben des Herstellers der Brauseköpfe über den Fließdruck berücksichtigen, bei dem der Duschkopf optimal, d.h. normgerecht entsprechend Baumusterprüfung funktioniert. Wie allgemein verständlich kann ein Brausekopf mit einer normgerechten Leistung bei 60 L/min nicht funktionieren, wenn er nur 30 L/min vom Netz bekommt.

In nach wie vor einmaligen Versuchen hat das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT bereits Anfang der 90er Jahre ermittelt, dass vor allem das Strahlbild beim Ablöschen von Bränden entscheidend für die optimierte Wirkung ist. Davon abweichend ergaben weitere Studien von Umsicht für die Verdünnung flüssiger Gefahrstoffe, dass der Benetzungsgrad – die maximale Spülung betroffener Körperpartien – vom Strahlbild wenig beeinflusst wird.

Insgesamt ergab sich die maximale Wirkung der Brandlöschung und Verdünnung durch Brauseköpfe mit geringen Volumenströmen aber maximalem Trefferverhalten. Anders ausgedrückt: Das Wasser muss den Körper der verunfallten Person voll umfänglich treffen und nicht im weiten Abstand nur den Boden. Dann nutzt auch ein hoher Volumenstrom wenig. Die Wasserverteilung wird mit der Baumusterprüfung nachgewiesen. Hinsichtlich des Benetzungsgrads gibt es bisher noch keine relevanten Anforderungen in den Normen.

Grundsätzlich haben die Ergebnisse von Umsicht die häufig von verantwortlichen Kreisen vorgetragene Forderung nach Notduschen mit 60 L/min konterkariert: Solche erweisen sich für eine optimierte Erstversorgung eher als kontraproduktiv.

Die Betrachtung der Nachhaltigkeit von Sicherheitsnotduschen hat zweifelsohne als entscheidende Kriterien im Sinne der ökonomischen und ökologischen Qualität den Materialeinsatz des Netzes und in geringerem Maß den Wasserverbrauch im Focus. Die optimierte Wirkung der Erstversorgungsmaßnahme ist natürlich das alternativlose Eingangskriterium für eine Nachhaltigkeitsbetrachtung als solches. Infolgedessen sind wirkungsoptimierte Notduschen-Köpfe mit kleinen Volumenströmen am nachhaltigsten, d.h. ökologisch, ökonomisch und sicherheitstechnisch in Balance.

Quellen:

[1] DGUV Information 213-850 „Sicheres Arbeiten in Laboratorien“ - 3.1 Vorgehensweise - Beurteilung des Havariefalls

[2] Trinkwasser ist auch nach Führung über einen Rohrtrenner oder freien Auslauf zur Speisung von Notduschen zulässig. (siehe Tabelle 3 aus DIN EN 1717 – Entnahmestelle mit Brause an Waschbecken, Spülbecken, Dusche, Badewanne; Erlaubte Sicherungseinrichtungen)

[3] DIN EN 1717 „Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen und allgemeine Anforderungen an Sicherheitseinrichtungen zur Verhütung von Trinkwasserverunreinigungen durch Rückfließen“

[4] 4.2 Wasserverteilung, Bild 1 aus DIN EN 15154-1:2006 Sicherheitsnotduschen – Teil 1: Körperduschen mit Wasseranschluss für Laboratorien

[5] 4.2 Strahlhöhe, aus DIN EN 15154-2:2006 – Teil 2: Augenduschen mit Wasseranschluss für Laboratorien

* Dr. T. Brock: Vorsitz der Gremien „Laboratorien und Gefahrstoffe“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, 10117 Berlin

* *E. Dittrich: EGNATON e.V, 83684 Tegernsee

* **Dr. P. Neurieder: N&N Büro für Sicherheit GbR, 41334 Nettetal

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