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Gezielter Austausch über Branchennetzwerke Social ist mehr als Facebook

| Autor / Redakteur: Natalie Weirich / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Ein Post auf Facebook, ein Hinweis auf Xing – soziale Netzwerke sind ein fester Bestandteil im Alltag vieler Marketeers. Doch kennen Sie auch Branchennetzwerke wie Spiceworks, ResearchGate oder GrabCAD?

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Sich gezielt über Projekte zu informieren und auszutauschen steht bei Branchennetzwerken wie Spiceworks im Vordergrund. Die persönlichen Vorlieben oder Kontakte der einzelnen Personen rücken in diesen Social Media – im Gegensatz zu Facebook – eher in den Hintergrund.
Sich gezielt über Projekte zu informieren und auszutauschen steht bei Branchennetzwerken wie Spiceworks im Vordergrund. Die persönlichen Vorlieben oder Kontakte der einzelnen Personen rücken in diesen Social Media – im Gegensatz zu Facebook – eher in den Hintergrund.
(Bildquelle: Spiceworks)

Diese Social Media haben nicht den Anspruch, für alle Internetnutzer, deren Freunde und Familien interessant zu sein. Stattdessen versuchen sie gezielt, einzelne Branchen zu besetzen und dort eine Vormachtstellung als Plattform für eine Zusammenarbeit und einen inhaltlichen Austausch zu gewinnen: So tauschen sich mittlerweile über 5 Millionen IT-Profis bei Spiceworks aus; 1,4 Millionen Techniker und Tüftler haben sich bei GrabCAD versammelt.

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In der Forschung hat sich das Berliner Wissenschaftsnetzwerk ResearchGate durchgesetzt. Während diese Netzwerke in den USA bereits etabliert sind, erleben sie in Deutschland meist noch ein Nischendasein. Doch woran liegt das? Barbara Walter, die Leiterin „Marketing Communications und Events in Europa“ von Spiceworks, ging mit uns dieser Frage nach.

Facebook kennt in Deutschland jeder. Xing ist als berufliches Netzwerk auch sehr verbreitet. Netzwerke, die sich auf eine Branche fokussieren, sind in Deutschland jedoch kaum bekannt – in Amerika hingegen schon. Warum?

Der offensichtlichste Grund ist, dass die meisten dieser Netzwerke aus den USA stammen. Das Lehrernetzwerk Edmodo, die Tüftler-Community GrabCAD und auch unser ITler-Netzwerk Spiceworks wurden hier gegründet, sodass sie erst einmal hauptsächlich amerikanische Nutzer anziehen. Allerdings ändert sich das mit der Zeit. Je mehr Tools wachsen, desto mehr weitet sich auch die User-Base aus, beispielsweise nach Europa. Man schaut sich immer an, wo eine kritische Masse an Nutzern liegt. Bei uns ist es so, dass wir auf das Wachstumspotenzial Europas heute einen besonderen Fokus legen. In Deutschland zum Beispiel haben wir bereits über 100.000 Mitglieder.

Werden soziale Netzwerke in Amerika anders genutzt? Gibt es ein anderes Nutzerverhalten als in Deutschland (hier sind Facebook und Xing ja doch sehr präsent)?

Ich glaube, Nutzer in Nordamerika – und auch in Großbritannien – sind offener dafür, sich über soziale Netze nicht nur mit Freunden und Familie zu vernetzen, sondern sich auch beruflich und fachlich auszutauschen. Viele Deutsche haben noch immer Hemmungen, soziale Netzwerke beruflich zu nutzen – insbesondere Facebook gilt noch als privates Terrain. Laut dem Branchenverband Bitkom würden die meisten eine „Freundschaftsanfrage“ ihres Chefs in sozialen Netzen geradeheraus ablehnen, nur fünf Prozent haben sich mit Vorgesetzten bisher online vernetzt.

In den Vereinigten Staaten ist man da weniger strikt, vernetzt sich mit Arbeitskollegen nicht nur auf LinkedIn, sondern auch auf Twitter und Facebook. Aufgrund dieser Mentalität erkennen amerikanische User spezialisierte Netzwerke wie Spiceworks vielleicht eher als Chance, um Erfahrungen auszutauschen und professionelle Ratschläge einzuholen.

Welche Möglichkeiten bieten sich für Marketing- und Kommunikationsverantwortliche innerhalb dieser Netzwerke?

In der Vergangenheit haben sich Kommunikations- und Marketingabteilungen auf Journalisten und die Medien verlassen, um ihre Botschaft zu verbreiten. Es gab ja überhaupt keine Alternative. Heute aber können sie selbst loslegen und direkt auf Ihre Zielgruppe zugehen. Das macht die Ansprache viel zielgerichteter als bisher. Spiceworks beispielsweise finanziert seine Software und Community heute über ein breites Angebot für Marketeers, von Werbebannern über E-Mail-Kampagnen bis zu Webinaren. Außerdem beraten wir Firmen in Sachen Content-Marketing – denn Strategien aus anderen Netzwerken mögen nicht immer auch in unserer Community funktionieren.

Zwar vermarkten die meisten anderen Netzwerke sich bislang noch nicht so professionell und bieten daher auch selten kostenpflichtige Ansätze für PR und Marketing. Doch bleibt den Firmen ja immer noch die kostenlose Option: Experten aus den Unternehmen können sich in Diskussionen einschalten, den Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite stehen, ihren Support bei den eigenen und fremden Produkten anbieten. Niemand in diesen Communities will bloße Marketingfloskeln lesen. Aber authentische, konstruktive Antworten einzelner Personen können häufig mehr für eine Marke leisten als große Plakate oder Whitepaper.

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