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Studie: Pharma-Daten 2014 Sparpolitik bedroht Arzneimittelvielfalt in Deutschland

| Redakteur: Tobias Hüser

Die Politik der Kostendämpfung belastet pharmazeutische Unternehmen in Deutschland unvermindert stark. Das zeigen auch die Pharma-Daten 2014, die der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) veröffentlicht hat. Allein die Zwangsabschläge an die Gesetzliche Krankenversicherung summieren sich seit 2010 auf rund 11 Milliarden Euro.

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„Aktuell stecken wir rund ein Achtel des Branchenumsatzes in Forschung und Entwicklung, das ist prozentual doppelt so viel wie die Autobauer“, sagt BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp.
„Aktuell stecken wir rund ein Achtel des Branchenumsatzes in Forschung und Entwicklung, das ist prozentual doppelt so viel wie die Autobauer“, sagt BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp.
(Bild: BPI)

Berlin – Zwar wurde der Zwangsabschlag kürzlich herabgesetzt, trifft jetzt aber insgesamt mehr Produkte und einige härter als zuvor. Über die Maßen belastet werden insbesondere standortgebundene mittelständische Hersteller, die in Deutschland zusammen rund 95 % der Branche ausmachen: „Viele dieser Firmen haben kaum noch Handlungsspielräume“, sagt BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp.

„Neben Zwangsabgaben setzen ihnen Festbeträge, Rabattverträge, niedrige Erstattungsbeträge nach der frühen Nutzenbewertung und vor allem das unendliche Preismoratorium zu. Dadurch haben wir dauerhaft Arzneimittelpreise auf dem Niveau von 2009 und es gibt keinerlei Möglichkeit zum Inflationsausgleich. Der wäre aber dringend nötig, denn Energie- und Rohstoffpreise sowie Personalkosten steigen seit Jahren.“ Zudem koste die Erfüllung staatlicher Auflagen, zum Beispiel im Bereich der Arzneimittelsicherheit, immer mehr Geld und die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) sitze nach wie vor auf Milliardenüberschüssen, so Fahrenkamp.

Link zur Studie Die komplette Studie „Pharma-Daten 2014“ können Sie auf der Seite von BPI herunterladen. Weitere interessante Studien und Positionspapiere aus Bereichen wie beispielsweise Gehalt, Personal, Industrie, Pharma, Produktion oder auch Biotechnologie finden Sie auf unser Übersichtsseite.

Zur Erinnerung: Die Zwangsmaßnahmen gegen die Pharmaindustrie wurden in wirtschaftlichen Krisenzeiten eingeführt und waren eigentlich nicht auf Dauer angelegt. Die pharmazeutische Industrie sollte ihren Beitrag zur Stabilisierung des Gesundheitssystems leisten. Die gesamtwirtschaftliche Lage hat sich laut BPI bereits vor Jahren zum Positiven entwickelt und auf einem hohen Niveau eingependelt.

Doppelt so hohe F&E-Ausgaben wie im Autobau

Trotzdem werden die Zwangsmaßnahmen gegen die Pharmaindustrie im Wesentlichen unverändert aufrechterhalten und schaden einem der wirtschaftlichen Zugpferde und Innovationsgaranten am Standort Deutschland: „Noch sind wir die forschungsintensivste Branche und liegen vor IT, Luft- und Raumfahrt und der Autoindustrie“, sagt Fahrenkamp. „Aktuell stecken wir rund ein Achtel des Branchenumsatzes in Forschung und Entwicklung, das ist prozentual doppelt so viel wie die Autobauer. Trotzdem entstehen Arzneimittelinnovationen nicht wie am Fließband, sondern meistens Schritt für Schritt und langfristig.“

Hin und wieder stößt man immer noch auf die Aussage, die von der GKV erstatteten Medikamente seien Kostentreiber. Die angeblich durch Arzneimittel verursachte Kostenexplosion im Gesundheitswesen lässt sich aber anhand von Daten des Statistischen Bundesamtes widerlegen: „Arzneimittel lassen die Gesundheitsausgaben nicht explodieren“, erklärt Fahrenkamp. „Vielmehr liegen die Ausgaben für Arzneimittel seit zehn Jahren konstant bei etwa ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Natürlich sind die Ausgaben in absoluten Zahlen gestiegen, das sind die Löhne, Gehälter und Mieten aber auch. Auch die Einnahmen der GKV sind in gleichem Maße gestiegen.“

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