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Studie Spuren von Arzneimitteln auch im Trinkwasser

| Redakteur: Jörg Kempf

Die September-Ausgabe der Zeitschrift Öko-Test dürfte viele Verbraucher verunsichert haben: „Trinkwasser: Arzneimittel aus dem Wasserhahn“ lautete die Titelstory. Wie kritisch ist die Situation? Eine UBA-Studie klärt auf.

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So gelangen Arzneimittel ins Trinkwasser.
So gelangen Arzneimittel ins Trinkwasser.
(Quelle: UBA, Grafik PROCESS)

Arzneimittelrückstände werden im Rahmen der Gewässerüberwachung der Bundesländer regelmäßig gemessen und sind nahezu flächendeckend in Oberflächengewässern zu finden. Schon mehr als 150 Wirkstoffe wurden in den verschiedenen Umweltmedien gefunden, besonders häufig sind das jodierte Röntgenkontrastmittel, Antiepileptika, Analgetika, Antibiotika, Lipidsenker, Beta-Blocker und synthetische Hormone. Die gute Nachricht: Generell nehmen die gemessenen Konzentrationen der Wirkstoffe in der Reihenfolge Kläranlagenabfluss, Oberflächengewässer, Grundwasser, Trinkwasser ab. Die weniger gute Nachricht: Immer mehr Arzneimittel kommen übers Trinkwasser zum Menschen zurück.

Kernaussagen der UBA-Studie

  • Arzneimittelrückstände belasten unsere Gewässer und Böden. Sie werden in Spuren im Grundwasser nachgewiesen – manchmal auch im Trinkwasser. Für einige pharmazeutische Wirkstoffe sind bereits Umweltrisiken ermittelt worden. Ein Risiko für die menschliche Gesundheit besteht nach heutigem Wissenstand jedoch nicht. Um Gewässer und Böden langfristig zu schützen, aber auch aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes, müssen Arzneimitteleinträge reduziert werden.
  • Seit über zehn Jahren bewertet das Umweltbundesamt die Umweltrisiken von neuen Human- und Tierarzneimitteln vor der Marktzulassung. Für viele Arzneimittel mit Wirkstoffen, die bereits lange auf dem Markt sind, gibt es aber keine Daten, die eine Bewertung der Umweltrisiken erlauben. Eine effektive Reduzierung des Eintrags von Arzneimitteln in die Umwelt kann nur durch eine Kombination von Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen (Patient, Arzt, Apotheker, Wasserwirtschaft, Pharmaindustrie) erreicht werden. Minderungsmaßnahmen, die im Rahmen der Zulassung beauflagt werden, reichen allein nicht aus.
  • Neben einer optimierten Abwasseraufbereitung und der Entwicklung umweltfreundlicherer Wirkstoffe spielen der bewusste Umgang mit Arzneimitteln und die richtige Entsorgung von Arzneimittelresten eine Schlüsselrolle.
  • Die Ableitung von Umweltqualitätsnormen für Arzneimittelwirkstoffe, vor allem für solche, die in wirkungsrelevanten Konzentrationen in der Umwelt auftreten, ist eine effektive Maßnahme, um Handlungsbedarf zur Minderung der Gewässereinträge zu erkennen und ein wichtiger Beitrag für den Gewässerschutz auf nationaler und europäischer Ebene.

Kläranlagen können mit drei Reinigungsstufen nicht alle Arzneimittelrückstände vollständig aus dem Abwasser entfernen. Eine relativ teure, aber sehr effektive Methode, auch Spuren von Arzneimitteln und deren Abbauprodukte zu eliminieren, ist die Ausstattung von Kläranlagen mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe.

Solche zusätzlichen Reinigungsschritte sind vor allem eine Ozonbehandlung des Abwassers oder die Aktivkohlefilterung. Eine entsprechende Ausrüstung der Kläranlagen der größten Größenklasse, die bereits eine Behandlung von 50 % der Abwassermenge sicherstellen würde, wäre dabei kosteneffizient und hätte zur Folge, dass viele Wirkstoffe zurückgehalten würden, die derzeit noch die Kläranlagen passieren. Nicht nur die Arzneimittelbelastung der Gewässer könnte so deutlich reduziert werden, auch viele andere gewässerbelastende Chemikalien würden entfernt.

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