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Bisphenol A Streitfrage über Bisphenol A

Redakteur: Olaf Spörkel

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat definiert, dass Bisphenol A in Baby- und Getränkeflaschen keine Bedrohung darstellt. Der Würzburger Toxikologe Professor Gilbert Schönfelder kritisiert diese Entscheidung.

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Würzburg – Bisphenol A (BPA) ist in Babyflaschen, in harten Kunststoff-Getränkeflaschen und in der Innenbeschichtung von Konservendosen enthalten. Seit Jahren wird diskutiert, ob von dem Plastikgrundstoff, der in geringen Mengen in die Nahrung übergehen kann, eine gesundheitsschädigende Wirkung ausgeht. Der Toxikologe Professor Gilbert Schönfelder von der Universität Würzburg reagiert bestürzt auf die jüngste Einschätzung der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA. Diese hatte festgestellt, dass von Bisphenol A keine Bedrohung für den Menschen ausgehe. In der Konsequenz bedeute dies auch, dass die geltenden Grenzwerte gelockert werden könnten, sagt Schönfelder.

Schönfelder stellt bereits die Grundannahme für die Entscheidung der Behörde in Frage. Diese gehe davon aus, dass ungeborene Kinder durch die Mutter vor BPA geschützt seien, beziehungsweise selbst ausreichend in der Lage seien, BPA im Körper abzubauen. Die Auffassung stehe jedoch in deutlichem Widerspruch zu den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen: Vorliegende Studien würden vielmehr zeigen, dass Frauen während der Schwangerschaft BPA im Körper einlagern. Schönfelder selbst hat 2001 nachgewiesen, dass Bisphenol A von der Schwangeren an ihr Kind weitergegeben wird.

Weitergabe von Bisphenol A

Außerdem, berichtet Schönfelder, hätten US-Forscher in 92 Prozent der Urinproben von 2 500 Personen messbare Mengen von BPA gefunden. Die Konzentration sei deutlich höher gewesen als jene, „die in Tierversuchen bereits zu Krankheiten und Geburtsschäden geführt hatte“, so Schönfelder weiter.

In einer Stellungnahme haben sich der Toxikologe und seine Kollegen Andreas Gies vom Umweltbundesamt und der Toxikologe Professor Ibrahim Chahoud von der Berliner Charité an die Direktorin der EFSA, Catherine Geslaine-Lanèelle, gewandt. Darin bringen sie ihre Betroffenheit zum Ausdruck, dass die Behörde auf der Grundlage von nicht zutreffenden Argumenten entscheide und bitten darum, die gegenwärtige Einschätzung neu zu überdenken.

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