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Krebstherapie Tablette statt Spritze

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Krebsmedikamente nicht mehr spritzen sondern als Tablette schlucken oder mit dem Nasenspray einfach einsprühen. Das könnte Wirklichkeit werden, wenn die Forscher des Petra-Projektes Erfolg haben. Woran die Wissenschaftler gerade arbeiten, lesen Sie hier.

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Forschung bei Merck Serono in einem Protein Entwicklungslabor in Genf (Bild: Merck Serono)
Forschung bei Merck Serono in einem Protein Entwicklungslabor in Genf (Bild: Merck Serono)

Tablette oder Sprays sollen künftig in der Krebstherapie die Spritze überflüssig machen. Dieses Ziel verfolgt das interdisziplinäre Forschungsprojekt Petra. Im Kern geht es darum, die Bioverfügbarkeit und die Medikamentierung von Krebsmedikamenten und anderen Biopharmaka zu verbessern. Dazu wollen die Wissenschaftler neue Formulierungen für Sprays und Tabletten entwickeln, u.a. durch Arzneimittelpolymere, in die die Wirkstoffe eingebettet werden können.

Beteiligt an Petra sind die drei Unternehmen und zwei Forschungsinsitute: Evonik Industries, Merck, sowie EMC microcollections, ein Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, Peptide zu maskieren. Außerdem gehören das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) und das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) dem Konsortium an. Daneben sind mit im Boot: die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Universität des Saarlandes, die Universität Nijmegen (Niederlande), das Universitätsklinikum Bonn, die Charité Berlin, die Universität Kiel und die Universität Würzburg.

Darum sind Biomedikamente auf dem Vormarsch

Biotherapeutika sind in der modernen Arzneimitteltherapie seit Jahren auf dem Vormarsch. Es handelt sich dabei um Peptide, Proteine und Antikörper, Nukleinsäuren sowie Blutkomponenten, die als vielversprechende Basis für neue Wirkstoffe und für Krebs-Immuntherapien dienen. Viele dieser sehr erfolgreichen Arzneimittel verbessern die Lebensqualität der Patienten und besitzen ein großes technologisches Potenzial für die Pharmaindustrie.

Derzeit müssen Biopharmazeutika allerdings meistens per Spritze verabreicht werden, da es kein effizientes oder breit anwendbares System für die Darreichung dieser Wirkstoffe über den Mund (peroral) oder über die Atemwege (inhalativ) gibt.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum Einen werden sie nur schlecht über die Schleimhaut im Verdauungstrakt und in den Atemwegen in den Körper aufgenommen, zum Anderen können sie im Magen abgebaut werden, bevor sie ihre Wirkung entfalten. Diese Hindernisse wollen die Forschungspartner überwinden, indem die hochempfindlichen Biotherapeutika in Nano- und Mikropartikel verpackt werden, die sie unbeschadet durch die Schleimhaut transportieren und vor Zersetzung im Magen schützen.

„Tabletten und Sprays sind für den Patienten bequemer, insbesondere bei Langzeittherapien, wenn ein Medikament über viele Wochen und Monate verabreicht werden muss“, beschreibt Dr. Rosario Lizio die Motivation der Forschungspartner. Lizio koordiniert Petra und leitet im Geschäftsgebiet Health Care von Evonik die Abteilung Discovery and Development der Produktlinie Pharma Polymers, die auf Wirkstofffreigabe-systeme spezialisiert ist.

Petra steht für „Plattform für effizienten epithelialen Transport für pharmazeutische Applikationen durch innovative partikuläre Trägersysteme“ (Evonik-Förderkennzeichen: 13N11454) und ist Teil der BMBF-Fördermaßnahme „Effizienter Wirkstofftransport in biologischen Systemen – BioMatVital: Biotransporter“.

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