Suchen

Chemie-Tarifrunde

Tarifverhandlungen in der Chemie- und Pharmabranche unter schwierigen Vorzeichen

| Redakteur: Alexander Stark

In den bevorstehenden Tarifverhandlungen will die Gewerkschaft IG BCE weitreichende Verbesserungen für die 580.000 Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie durchsetzen. Die Arbeitgeberseite verweist auf die schwächelnde Konjunktur, die kein Lohnplus erlaube.

Firmen zum Thema

Die Bundestarifkommission der IG BCE beschließt einstimmig den Forderungsbeschluss für die aktuelle Tarifrunde.
Die Bundestarifkommission der IG BCE beschließt einstimmig den Forderungsbeschluss für die aktuelle Tarifrunde.
(Bild: IG BCE)

Berlin – Die IG BCE will spürbare Verbesserungen bei Themen wie Arbeitsbelastung, Sicherheit im Alter und Qualifizierung für die Angestellten in der Chemie- und Pharmabranche erreichen. Ein entsprechendes Forderungspaket hat die Bundestarifkommission am Donnerstag in Gelsenkirchen beschlossen. Die Gewerkschaft will nach den Worten von Verhandlungsführer Ralf Sikorski in dieser Tarifrunde frische Antworten auf die großen Herausforderungen der Branche formulieren. Zu dem Forderungskatalog gehört die Einrichtung eines tariflich abgesicherten, persönlichen Zukunftskontos in Höhe von jährlich 1000 Euro, über das alle Beschäftigten, einschließlich der Auszubildenden, individuell verfügen können.

Der Verhandlungsführer der Chemie Arbeitgeber Georg Müller reagierte darauf mit Unverständnis. Die Industrie stecke mitten in der Rezession – aber die IG BCE fordere munter weiter, als sei nichts passiert, so Müller. Die Gewerkschaft müsse endlich den Schalter umlegen und ihre Ansprüche herunterschrauben. Die Nachfrage sinkt ihm zufolge in vielen Bereichen. Ungelöste Handelskonflikte und verstärkte Brexit-Sorgen belasteten die Märkte. Für 2019 erwartet die Branche Verluste bei Produktion und Umsatz von 5 bis 6 %. Wenn die Branche schrumpfe, könnten die Löhne nicht steigen, argumentiert Müller.

Die Forderungen seien auch in der aktuellen wirtschaftlichen Lage finanzier- und umsetzbar, widerspricht der IG-BCE-Verhandlungsführer. Die Arbeitgeber sollten aus einem leichten Abschwung keine Krise machen – zumal die Konjunktur von einem Allzeithoch komme. Viel wichtiger sei, dass die Branche angesichts eines wachsenden Fachkräftemangels an ihrer Attraktivität arbeite.

Am 30. September starten die Gespräche zwischen IG BCE und Arbeitgebern in den regionalen Tarifbezirken. Am 21. Oktober wechseln beide Seiten zu zentralen Verhandlungen auf die Bundesebene.

Die Gewerkschaftsforderungen im Einzelnen:

  • Die Einrichtung eines tariflich abgesicherten, persönlichen Zukunftskontos in Höhe von jährlich 1000 Euro, über das alle Beschäftigten, einschließlich der Auszubildenden, individuell verfügen können. Damit gestalten wir moderne Arbeitsbedingungen, insbesondere zur Umwandlung in lebensphasenorientierte Zeitentlastung. Der Betrag ist tarifdynamisch zu gestalten.
  • Eine spürbare und reale Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen.
  • Die Einführung der bundesweit ersten tariflichen Pflegezusatzversicherung. Sie wird durch die Arbeitgeber finanziert und schließt bei Eintritt des Pflegefalls die Finanzierungslücke zur gesetzlichen Vorsorge.
  • Die Entwicklung einer Qualifizierungsoffensive zur Begleitung des digitalen Wandels.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46148904)