Suchen

Aktuelle Zahlen veröffentlicht Tiermedizin: Deutschland setzt weniger Antibiotika ein – aber mitunter die Falschen

| Autor/ Redakteur: Nina Banspach* / Dr. Ilka Ottleben

Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist die Abgabemenge von in der Tiermedizin eingesetzten Antibiotika in Deutschland im Jahr 2017 erneut etwas zurückgegangen. Zugleich ist aber erneut ein moderater Anstieg der Abgabemengen für Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen zu verzeichnen. Hier finden Sie aktuelle Zahlen und die regionale Verteilung der Abgabemengen.

Firmen zum Thema

Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland sank im Jahr 2017 um 1,2 % auf 733 Tonnen. (Symbolbild)
Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland sank im Jahr 2017 um 1,2 % auf 733 Tonnen. (Symbolbild)
(Bild: gemeinfrei)

Berlin – Der massive Einsatz von Antibiotika In der Tiermedizin gilt als ein wesentlicher Faktor, der die Entstehung und Ausbreitung Antibiotika-resistenter Keime fördert. Deutschland gehörte, was die Menge in der Tiermedizin abgegebener Antibiotika angeht, lange Zeit europaweit zu den Spitzenreitern. Im Kampf gegen Antibiotika-resistente Keime ist ein deutlich restriktiverer Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin eine wichtige Strategie. Seit 2011 hat Deutschland die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika daher mehr als halbiert. Für einen restriktiveren Einsatz gilt es aber auch, in der Tiermedizin auf die Verwendung von Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen möglichst zu verzichten. Hierzu zählen beispielsweise wichtige Reserve-Antibiotika.

Menge der abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin sinkt weiter

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) teilt nun mit, dass die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland im Jahr 2017 erneut etwas zurückgegangen ist. Sie sank um neun auf 733 Tonnen (minus 1,2%). Das ergab die Auswertung der inzwischen im siebten Jahr erhobenen Abgabemengendaten für Antibiotika durch das BVL. Zwischen 2011 – dem ersten Jahr der Erfassung – und 2017 ging die Gesamtmenge der abgegebenen Antibiotika von 1706 auf 733 Tonnen zurück (minus 57%). Dem gegenüber steht allerdings für den gleichen Zeitraum ein Anstieg der abgegebenen Menge an Fluorchinolonen. Diese Wirkstoffklasse ist für die Therapie beim Menschen von besonderer Bedeutung.

Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen verzeichnen Anstieg

Im Jahr 2017 wurden 733 Tonnen (t) Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben. Die Hauptabgabemengen bilden wie in den Vorjahren Penicilline mit etwa 269 t und Tetrazykline mit etwa 188 t, gefolgt von Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 74 t und Sulfonamiden (62 t) sowie Makroliden (55 t).

Von den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuften Antibiotikaklassen (Critically Important Antimicrobials for Human Medicine) wurden im Vergleich zum Vorjahr höhere Mengen abgegeben (Zunahme: 0,556 t Fluorchinolone bzw. rund 4,7 t Colistin). Gegenüber dem ersten Erfassungsjahr 2011 hat die Abgabe von Colistin aber um ca. 42% abgenommen, die Abgabe von Fluorchinolonen ist für den gleichen Zeitraum um rund 20% gestiegen.

Die gemeldeten Wirkstoffmengen lassen sich nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45414438)