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PCBs

Ultraspurennachweis von PCBs im ewigen Eis des Hochgebirges

| Autor/ Redakteur: Guido Deussing* / Marc Platthaus

Ein Expertenteam, darunter Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, hat im Schnee der Anden in 6200 Meter Höhe polychlorierte Biphenyle (PCBs) nachgewiesen. Dabei stellte sich die Stir Bar Sorptive Extraction (SBSE) als geeignete Extraktionsmethode heraus, um auch mit vergleichsweise geringen Probenvolumina die Nachweisgrenze zu erreichen.

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Abb. 1: Der Nachweis von PCBs auf dem Cerro Aconcagua – dem höchsten Berg der Anden – belegt den atmosphärischen Transport und die Ablagerungsprozesse persistenter Schadstoffe auf der südlichen Hemisphäre.
Abb. 1: Der Nachweis von PCBs auf dem Cerro Aconcagua – dem höchsten Berg der Anden – belegt den atmosphärischen Transport und die Ablagerungsprozesse persistenter Schadstoffe auf der südlichen Hemisphäre.
( Bild: www.adampease.org )

Schnee ist ein faszinierender Stoff. Nicht nur in den Augen eines Kindes, das mit seinem Schlitten zum Rodeln an den Hang drängt. Auch Wissenschaftler, die sich für den Verbleib persistenter organischer Verbindungen (POPs) in der Umwelt interessieren, können offenkundig eine Schwäche für Schnee entwickeln: Spanische, chilenische und deutsche Wissenschaftler, darunter Experten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig, unternahmen eine Expedition nach Südamerika in die Anden, genauer gesagt ins ewige Eis des Cerro Aconcagua, den mit 6962 Metern höchsten Berg Nord-und Südamerikas. Ziel der Expedition war es, anhand der Analyse von Schnee tiefergehende Auskünfte über Vorkommen und Verbleib polychlorierter Biphenyle (PCBs) auf der südlichen Erdhalbkugel zu erhalten.

PCBs in den Anden

Polychlorierte Biphenyle zählen wie einige Pflanzenschutzmittel und Industriechemikalien sowie bestimmte Nebenprodukte von Verbrennungsprozessen zu den zwölf als „dreckiges Dutzend“ bezeichneten organischen Giftstoffen, deren Verwendung beziehungsweise Eintrag in die Umwelt am 22. Mai 2001 durch die Stockholmer Konvention weltweit verboten wurde. PCBs kamen bis in die 1980er Jahre vor allem zur Kühlung von Transformatoren und Kondensatoren sowie als Hydraulikflüssigkeit und Weichmacher zum Einsatz. Hauptgründe für das strikte Verbot sind ihre Persistenz sowie ihre gesundheitsschädliche und erbgutschädigende Wirkung. PCBs reichern sich im Fettgewebe an und gelangen über die Nahrungskette in den menschlichen Organismus. Um die Belastung der Umwelt mit PCBs einschätzen und beurteilen zu können, bedarf es der chemischen Analyse von Umweltproben. Sie kann Anhaltspunkte liefern, ob und inwieweit die Auflagen der internationalen Gemeinschaft greifen und eingehalten wurden.

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Aufgrund der hohen Porosität und der damit verbundenen großen spezifischen Oberfläche von Eiskristallen waschen Schneeflocken Schadstoffe besser aus der Luft als Regentropfen. Vorausgesetzt, die Umgebungstemperatur garantiert dauerhaft gute Schneeverhältnisse, was 6000 Meter über dem Meeresspiegel der Fall ist, kann eine Analyse des eisigen Niederschlags zuverlässig Auskunft über Art, Menge und Verbleib luftgetragener POPs in der Atmosphäre geben, spekulieren Wissenschaftler.

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