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Endokrine Disruptoren

Umwelthormone im Babybeißring

| Autor / Redakteur: Anke Sauter* / Dr. Ilka Ottleben

Zwei von zehn Beißringen aus Plastik setzten einer aktuellen Studie zufolge im Laborversuch Chemikalien mit einer hormonähnlichen Wirkung – oft als endokrine Disruptoren bezeichnet – frei.
Zwei von zehn Beißringen aus Plastik setzten einer aktuellen Studie zufolge im Laborversuch Chemikalien mit einer hormonähnlichen Wirkung – oft als endokrine Disruptoren bezeichnet – frei. (Bild: Fotolia #70538072/Lichtfisch/Anja Fahrige)

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Zwei von zehn Beißringen aus Plastik, die zahnenden Babys zur Schmerzlinderung gegeben werden, setzten im Laborversuch Chemikalien mit einer hormonähnlichen Wirkung – häufig als endokrine Disruptoren bezeichen – frei. Das berichten Forscherinnen und Forscher in einer aktuellen Studie.

Frankfurt – Zwei von zehn Beißringen aus Plastik, die zahnenden Babys zur Schmerzlinderung gegeben werden, setzten im Laborversuch Chemikalien mit einer hormonähnlichen Wirkung frei. Ein Produkt enthielt die normalerweise als Konservierungsstoff in Kosmetika verwendeten Parabene, das zweite sechs bisher nicht identifizierte Umwelthormone. Das berichten Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität in einer aktuellen Veröffentlichung.

Nachweis von Parabenen ist auffällig

„Die gute Nachricht ist, dass die meisten Beißringe, die wir untersucht haben, keine Umwelthormone enthalten. Auffällig ist aber der Nachweis von Parabenen in einem Produkt, weil diese Zusatzstoffe normalerweise nicht in Plastikspielzeugen verwendet werden“, sagt Dr. Martin Wagner von der Abteilung Aquatische Ökotoxikologie der Goethe-Universität. Die nachgewiesenen Stoffe – Methyl-, Ethyl- und Propylparaben – können im Körper wie natürliches Östrogen wirken und hemmen zudem die Wirkung von Androgenen wie Testosteron. Die EU-Kommission hat Propylparaben unlängst als Konservierungsstoff in Hautcremes für wunde Babypopos verboten, weil sie durch die rissige Haut in den Körper gelangen könnten.

Chemische Belastung durch Plastikspielzeug gründlicher untersuchen

„Unsere Studie zeigt, dass Plastikspielzeug eine Quelle unerwünschter Substanzen sein kann. Hersteller, Aufsichtsbehörden und Wissenschaftler sollten die chemische Belastung durch Plastikspielzeug gründlicher untersuchen“, schließt Wagner aus der Studie. Die Zusatzstoffe seien nur von begrenztem Nutzen für die Qualität des Produktes, könnten aber ein Gesundheitsrisiko darstellen. Das gelte insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder, deren Entwicklung einer fein austarierten hormonellen Kontrolle unterliegt. Zudem ist bei gleicher Dosis die Wirkung von Umwelthormonen bei Babys aufgrund des vergleichsweise geringen Körpergewichtes entsprechend höher als bei Erwachsenen.

Originalpublikation: Elisabeth Berger, Theodoros Potouridis, Astrid Haeger, Wilhelm Püttmann und Martin Wagner: Effect-directed identification of endocrine disruptors in plastic baby teethers, in Journal of Applied Toxicology, 18.5.2015, DOI: 10.1002/jat.3159

* Dr. A. Sauter: Goethe-Universität Frankfurt am Main, 60054 Frankfurt am Main

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