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Stereomikroskopie Unter Kontrolle – Stereomikroskope in der EU-Pflanzenbeschau

Autor / Redakteur: Claudia Moch* / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Der globale Warenverkehr kann auch ungebetene Gäste mit sich bringen: Pflanzenschädlinge, Pilze oder Viren, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Um dem vorzubeugen, unterliegen Pflanzen bei der Einfuhr in die EU strikten Kontrollen, die u.a. mit Stereomikroskopen durchgeführt werden.

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Abb.1: Roswitha Reinhardt begutachtet eine Probe unter dem Leica-MZ16-Stereomikroskop. Trägt die Pflanze einen Schädling, erstellt die Landwirtschaftlich-Technische Assistentin vom Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen Fotos und übermittelt den Befund an den zuständigen Pflanzenschutzdienst, der den Abnehmer entsprechend berät.
Abb.1: Roswitha Reinhardt begutachtet eine Probe unter dem Leica-MZ16-Stereomikroskop. Trägt die Pflanze einen Schädling, erstellt die Landwirtschaftlich-Technische Assistentin vom Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen Fotos und übermittelt den Befund an den zuständigen Pflanzenschutzdienst, der den Abnehmer entsprechend berät.
(Bild: Claudia Moch)

Schnell muss es gehen bei der Pflanzenbeschau im Perishable Center Frankfurt (PCF) – schließlich handelt es sich um verderbliche Ware, die so schnell wie möglich nach Verlassen des Flugzeugs auf Lkws verladen und zum Großhandel innerhalb Deutschlands, aber auch in viele weitere Länder Europas befördert werden soll: „Für die Prüfung sind dreieinhalb, maximal vier Stunden vorgesehen, bis wir die Freigabe erteilt oder beanstandete Ware aus dem Verkehr gezogen haben müssen“, erklärt Hans-Jürgen Hess. Er leitet die 18 Mitarbeiter starke Außenstelle Pflanzenschutz des Regierungspräsidiums Gießen im Frachtbereich des Flughafens Frankfurt International.

Drehkreuz Flughafen Frankfurt International

Über zwei Millionen Tonnen Luftfrachtaufkommen pro Jahr machen den Flughafen Frankfurt International zum Drehkreuz für Luftfracht in ganz Europa. Zehn Prozent davon entfallen auf die im PCF zwischengelagerte Ware. Mit einer Fläche von 13 000 Quadratmetern ist das Perishable Center in Frankfurt das größte in Europa. Als „Port of First Entry“ ist es nach den EU-Einfuhrregeln berechtigt, temperaturempfindliche Güter aus Drittländern in die EU zu importieren, zu kontrollieren, sie zu lagern und zu verarbeiten. Das PCF verfügt über 20 bedarfsgerechte Klimazonen, beispielsweise für Frischfisch und -fleisch. Sieben bis acht Grad Celsius sind es im Bereich für Obst und Gemüse, wo die Prüfer des Pflanzenschutzdienstes im Auftrag des Landes Hessen im Einsatz sind – jeden Tag im Jahr von sechs bis 22 Uhr. Auch am Sonntag, denn dann bringen die Frachtflugzeuge die frische Ware, die bereits am Montag in den Großmärkten erhältlich ist.

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Erheblicher Sachschaden in der Europäischen Union

Durch eingeschleppte Schaderreger kann in der EU ein hoher Sachschaden entstehen. In der Pflanzenbeschaurichtlinie 2000/29/EG fordert die EU für bestimmte Produkte ein Pflanzengesundheitszeugnis. Dafür muss der Importeur nachweisen, dass die Pflanze einwandfrei ist. Geprüft werden alle beschaupflichtigen Produkte, die zumeist aus Asien, Südamerika und Afrika eingeflogen werden: Passionsfrüchte aus Costa Rica, Auberginen aus Ägypten, Mangos und Basilikum aus Thailand – daneben allerlei farbenprächtige Schnittblumen und Blüten, die nicht nur zu Dekorationszwecken, sondern immer mehr auch zum Verzehr angeboten werden. Was ihrem geschulten Auge schon beim Blick durch die Lupe verdächtig erscheint, nehmen die Prüfer zur weiteren Abklärung mit ins Labor des Pflanzenschutzdienstes, direkt im Nachbargebäude. Auch die Verpackung wird untersucht, vor allem, wenn sie aus Holz bestimmten Ursprungs ist, in dem sich manche Schädlingsart bevorzugt einnistet.

Blick durchs Mikroskop bringt Gewissheit

Im Labor begutachten Roswitha Reinhardt, Landwirtschaftlich-Technische Assistentin (LTA) beim Pflanzenschutzdienst, und ihre Kolleginnen die Proben unter dem Mikroskop. Seit vielen Jahren vertrauen die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Gießen der Qualität von Leica Microsystems. Für ihre Arbeit am Flughafen stehen ihnen die Leica-Stereomikroskope zur Verfügung, erweitert um eine digitale Farbkamera von Leica Microsystems, die eine wichtige Rolle in der Beweissicherung und der Dokumentation des Befundes spielt. Auch die gut miteinander vernetzten Dienststellen des Pflanzenschutzdienstes nutzen die mit der Kamera aufgenommenen Bilder zur interaktiven Diskussion und Information. Erst in der Vergrößerung können etwa Fruchtfliegenlarven im Mangofleisch oder Schildläuse außen an der Frucht nachweislich sichtbar gemacht werden. In frischen Kräutern, wie dem in der asiatischen Küche beliebten Koriander, halten sich gerne die winzig kleinen Larven der Minierfliege (Agromyzidae) auf.

Bei manchen Schädlingen kennt Roswitha Reinhardt kein Pardon: Wird etwa der Thrips palmi nachgewiesen, der zum Beispiel in Auberginen gefunden werden kann, muss sie veranlassen, dass die gesamte Sendung zurückgewiesen und vernichtet wird: „Thrips palmi ist ein Quarantäneschadorganismus, dessen Einschleppung und Ausbreitung in die bzw. in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union verboten ist“, erklärt Reinhardt. Von Thrips palmi können viele verschiedene Pflanzen aus der Familie der Kürbisgewächse, Nachtschattengewächse, Schmetterlingsblütler, Korbblütler und auch Orchideen befallen sein. Die Länder der Europäischen Union gelten als befallsfrei, in Asien und Mittelamerika aber ist das nur einen Millimeter lange Insekt teilweise verbreitet. Einzelne Thripse sind kaum schädlich, bei massivem Befall könnte es zu Problemen kommen, insbesondere, da diese Schädlingsart gegenüber Pflanzenschutzmitteln Resistenzen entwickeln kann. Ist Thrips palmi erst einmal eingeschleppt, besteht die Gefahr der unkontrollierten Ausbreitung in hiesigen Gewächshäusern.

Im Sommer Weihnachtssterne, im Winter Geranien

Mehrere Ernten im Jahr in den Herkunftsländern garantieren, dass exotisches Obst und Gemüse zu jeder Jahreszeit auf unserem Markt angeboten werden kann. Fast alle Garten- und Balkonpflanzen sind dagegen saisonabhängig. Bereits im Mai werden beispielsweise die Stecklinge des in der Adventszeit besonders beliebten Weihnachtssterns – Euphorbia pulcherrima – aus den Anbauregionen in Süd- und Mittelamerika, Asien sowie Afrika nach Europa eingeflogen und von den Frankfurter Pflanzenschützern überprüft: „Schädlinge aus diesen Regionen haben bei uns oft keine natürlichen Feinde und können sich, einmal hier etabliert, ungehindert ausbreiten“, erklärt Wolfgang Willig vom Pflanzenschutzdezernat des Regierungspräsidiums Gießen. Doch wie alle kontrollpflichtigen Pflanzen müssen auch die Weihnachtssterne die amtliche Pflanzenbeschau passieren – bevor die Weiterreise in die Anzuchtbetriebe genehmigt werden kann.

* C. Moch: Leica Microsytems GmbH, 35578 Wetzlar

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