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Marktbarometer VCI-Branchenreport bescheinigt deutscher Chemie guten Start

Redakteur: Olaf Spörkel

Im ersten Quartal 2008 sind die deutschen Chemieunternehmen positiv gestartet. Wie der aktuelle VCI-Branchenreport berichtet, legten Produktion und Umsatz wieder deutlich zu. Dennoch

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Der Gesamtumsatz der chemischen Industrie gestaltet sich seit 2004 positiv. (Quelle: Verband der Chemischen Industrie e.V.)
Der Gesamtumsatz der chemischen Industrie gestaltet sich seit 2004 positiv. (Quelle: Verband der Chemischen Industrie e.V.)
( Archiv: Vogel Business Media )

Im ersten Quartal 2008 sind die deutschen Chemieunternehmen positiv gestartet. Wie der aktuelle VCI-Branchenreport berichtet, legten Produktion und Umsatz wieder deutlich zu. Dennoch rechnet die Branche für das Gesamtjahr mit einem im Vergleich zu den Vorjahren bescheideneren Wachstum.

Die Deutsche Chemie verzeichnete im ersten Quartal 2008 eine positive Entwicklung. Die Wachstumsimpulse kamen zu etwa gleichen Teilen aus dem Inlandsgeschäft und dem Export: Hauptursache für den steigenden Absatz der Branche im Inland war laut Verband der chemischen Industrie die kräftige Nachfrage der industriellen Kunden nach Chemikalien. Der Export profitierte vor allem von der guten Konjunktur in Europa. Aber auch in den Schwellenländern Südostasiens und Lateinamerikas orderte man verstärkt Chemikalien aus deutscher Produktion.

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VCI-Präsident Prof. Ulrich Lehner rechnet für 2008 mit einem passablen Wachstum der Chemieproduktion in Deutschland, allerdings nicht mehr mit der Dynamik der letzten vier Jahre. Der starke Euro, die immer neuen Rekordstände beim Ölpreis und die schwache US-Wirtschaft werden sich im Laufe des Jahres dämpfend auswirken. Der Boom in Asien wird nur zum Teil für einen Ausgleich sorgen. So wird die deutsche Chemieindustrie 2008 voraussichtlich mit einem Produktionsplus von 2,5 Prozent durch das Ziel gehen. Damit liegt die Chemieproduktion im langfristigen Trend der Branche.

Chemieproduktion und Chemikalienpreise im Aufwind

Im Vergleich zum Vorquartal stieg die Chemieproduktion um 1,6 Prozent und lag um 2,3 Prozent über dem Vorjahr. Trotz zahlreicher Erweiterungsinvestitionen waren die Produktionskapazitäten der Unternehmen in den ersten drei Monaten mit rund 88 Prozent gut ausgelastet.

Zum Jahresbeginn hat sich der Auftrieb der Erzeugerpreise in der chemischen Industrie fortgesetzt. Als Folge der hohen Energie- und Rohstoffkosten verteuerten sich von Januar bis März 2008 chemische Erzeugnisse um 1,8 Prozent bezogen auf das Vorquartal. Im 12-Monatsvergleich stiegen die Erzeugerpreise gar um 3,4 Prozent.

Das Geschäft mit Chemikalien ist im ersten Quartal 2008 im In- und Ausland ebenfalls gut angelaufen. Der Branchenumsatz stieg gegenüber den vorangegangenen drei Monaten um fünf Prozent auf 44,5 Milliarden Euro. Mit einer Steigerung von sieben Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2007 entfielen auf das Inland 19,5 Milliarden Euro. Die Verkäufe der deutschen Chemie jenseits der Landesgrenzen legten gegenüber dem Vorquartal um 3,5 Prozent auf 25 Milliarden Euro zu.

Belegschaftszahlen bleiben nahezu stabil

Nach dem leichten Beschäftigungsplus des Vorjahres weist die amtliche Statistik für das erste Quartal 2008 einen leichten Rückgang der Beschäftigung in der deutschen Chemieindustrie aus. Von Januar bis März 2008 beschäftigte die Branche rund 434.000 Mitarbeiter. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal sank die Zahl der Chemiebeschäftigten um rund 1.700 Mitarbeiter oder 0,4 Prozent. Der Rückgang ist überwiegend dem anhaltenden Restrukturierungsprozess und der damit verbundenen Auslagerung von Unternehmensteilen geschuldet. Bei den Herstellern von Fein- und Spezialchemikalien sowie bei den Produzenten in Ostdeutschland wurden zu Jahresbeginn sogar neue Jobs geschaffen.

Chemienachfrage weltweit steigend

Zu Jahresbeginn stieg die globale Chemienachfrage auf nahezu allen wichtigen Märkten. Die größten Wachstumsimpulse kamen im ersten Quartal 2008 aus Asien. Die anhaltende Industrialisierung in der Region lässt die Nachfrage nach chemischen Stoffen rasant ansteigen. In den Vereinigten Staaten bringt die Immobilien- und Finanzmarktkrise die Wirtschaft zunehmend in eine schwierige Lage. Da die beiden wichtigsten Chemiekunden, die Bau- und die Automobilwirtschaft, in besonderem Maße von der Schwäche betroffen sind, wächst der amerikanische Chemiemarkt zurzeit kaum.

In der Europäischen Union zeichnete sich zu Jahresbeginn zwar eine Drosselung des Wachstumstempos ab. Die Industrieproduktion entwickelte sich aber weiterhin positiv – vor allem in Deutschland. Dies stimulierte die Nachfrage nach Chemikalien.

Das Preisniveau auf den Rohstoff- und Energiemärkten wird voraussichtlich auch im zweiten Quartal 2008 hoch und volatil bleiben. Den Petrochemieunternehmen ist es zuletzt kaum noch gelungen, höhere Preise durchzusetzen. Die Kontraktpreise für die wichtigsten Primärchemikalien bleiben im zweiten Quartal 2008 mehr oder weniger stabil.

Dynamische Pharmaproduktion und Grundstoffchemie

Zu Jahresbeginn 2008 wuchs die Pharmaproduktion überdurchschnittlich stark. In den Grundstoffsparten lag die Produktion im ersten Quartal um bis zu drei Prozent höher als ein Jahr zuvor. Bei den konsumnahen Wasch- und Körperpflegemitteln sowie bei den Fein- und Spezialchemikalien war allerdings eine deutliche Verlangsamung der Produktionsentwicklung zu beobachten. Beide Sparten verzeichneten einen Rückgang gegenüber den Vorquartalen.

Die Produktion chemischer Grundstoffe, zu denen Anorganika, Petrochemikalien und Polymere zählen, kletterte im ersten Quartal durchschnittlich rund zwei Prozent gegenüber den vorangegangenen Monaten. Mit ca. 1,5 Prozent Produktionswachstum im Vorjahresvergleich steht die Grundstoffsparte inzwischen besser da als noch in den zurückliegenden Monaten. Die Umsätze wuchsen im In- und Ausland sogar äußerst dynamisch. Hierzu haben vor allem deutliche Preissteigerungen beigetragen. Die Grundstoffproduzenten konnten ihre Preise durchschnittlich um knapp acht Prozent erhöhen.

Die Produzenten von Fein- und Spezialchemikalien konnten nicht an die starken Vorquartale anschließen. Im Vergleich sank die Produktion. Bei leicht steigenden Erzeugerpreisen lag der Umsatz mit Fein- und Spezialchemikalien allerdings immer noch um fünf Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das erste Quartal 2008 zeigte erneut, dass das Pharmageschäft kaum konjunkturellen Schwankungen unterworfen ist.

Wachstum wird sich in den kommenden Monaten abschwächen

Nach den guten Zahlen zu Beginn des Jahres machte sich in den Unternehmen zunehmend die Hoffnung breit, dass sich der Aufschwung im deutschen Chemiegeschäft auch im fünften Jahr in Folge fortsetzt.

Ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist, werden laut Verband der Chemischen Industrie die kommenden Monate zeigen. Nach Einschätzung des Verbandes haben sich die Vorraussetzungen für ein erfolgreiches Chemiejahr zuletzt deutlich verschlechtert. Die Immobilien- und Finanzkrise hat die Vereinigten Staaten heftiger getroffen, als man es noch vor ein paar Monaten erwartet hatte. Die Schwäche der US-Wirtschaft überträgt sich auch auf Europa. In Großbritannien, Irland, Spanien und Italien zeigten sich bereits erste Auswirkungen. Auch in Deutschland haben sich die gesamtwirtschaftlichen Aussichten eingetrübt. Das Wachstum wird hierzulande wohl etwas niedriger ausfallen, als man noch im Dezember erwarten durfte. Führende Forschungsinstitute und die Bundesregierung korrigierten ihre Konjunkturprognosen zuletzt nach unten. Auch der starke Euro und die Rekordmarken beim Ölpreis bieten weiter Anlass zur Sorge.

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