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VCI-Quartalsbericht VCI macht Aufwärtstrend aus, Kapazitätsauslastung ist jedoch weiterhin kritisch

Redakteur: Marion Henig

Der Aufwärtstrend in der deutschen chemischen Industrie hat im dritten Quartal 2009 an Substanz gewonnen. Das geht aus dem Bericht des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) zur wirtschaftlichen Lage der Branche hervor. Hier erfahren Sie die Zahlen zum dritten Quartal sowie die Verbandsprognose für das Gesamtjahr.

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Frankfurt – Die Produktion stieg gegenüber dem Vorquartal kräftig an, da sich im In- und Ausland die Nachfrage nach Chemikalien spürbar belebte. Alle Sparten profitierten von der konjunkturellen Erholung, betonte der VCI. Dadurch verbesserte sich auch die Kapazitätsauslastung der Anlagen weiter. Sie lag allerdings mit 76,8 Prozent noch immer erheblich unter dem für die Branche üblichen Durchschnitt. VCI-Präsident Professor Dr. Ulrich Lehner kommentierte die Entwicklung: „In der Chemie geht es jetzt zwar weiter bergauf. Dennoch liegen wir mit der Produktion noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Mut macht, dass sich immer mehr Industrienationen aus der Umklammerung der Weltwirtschaftskrise lösen können und Südostasien wieder auf Wachstum eingeschwenkt ist. Diese Entwicklung wird die Nachfrage nach Chemikalien aus deutscher Produktion weiter stabilisieren.“

  • Seite 2: Produktionszahlen nach einzelnen Segmenten
  • Seite 3: Entwicklung der Erzeugerpreise
  • Seite 4: Umsatzentwicklung und Exportstatistik
  • Seite 5: Beschäftigung in der Chemieindustrie
  • Seite 6: Prognose für das Gesamtjahr

Produktionszahlen nach einzelnen Segmenten

Im Vergleich zum Vorquartal stieg die Produktion chemischer Erzeugnisse im dritten Quartal 2009 um vier Prozent. Am größten fiel der Zuwachs in der Grundstoffchemie aus, die mehr als sechs Prozent zulegen konnte. Aber auch die Hersteller von Spezialchemikalien sowie Wasch- und Körperpflegemitteln profitierten von der wachsenden Nachfrage. Vom Produktionsniveau des Vorjahres ist die Branche aber nach wie vor weit entfernt: Im Vergleich zum Vorjahresquartal beträgt der Produktionsrückgang immer noch 11,5 Prozent. Die Kapazitätsauslastung blieb trotz einer leichten Verbesserung auf 76,8 Prozent weiterhin im roten Bereich.

  • Seite 3: Entwicklung der Erzeugerpreise
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Entwicklung der Erzeugerpreise

Der Preisverfall für chemische Erzeugnisse, der noch im ersten Halbjahr 2009 zu beobachten war, ging im dritten Quartal zu Ende. Gegenüber dem Vorquartal stiegen die Chemikalienpreise um 0,1 Prozent. Chemische Erzeugnisse waren im Zeitraum Juli bis September aber immer noch 4,3 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Angesichts der nach wie vor schwachen Chemienachfrage blieben jedoch die Spielräume für Preiserhöhungen trotz gestiegener Rohstoffkosten gering.

Die Preise der wichtigsten Rohstoffe legten im dritten Quartal weiter zu. Ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent kostete durchschnittlich etwa 70 Dollar. Zeitweise mussten sogar mehr als 75 US-Dollar für ein Fass bezahlt werden. Vor diesem Hintergrund mussten die Chemieunternehmen für Naphtha tiefer in die Tasche greifen. Der wichtigste Rohstoff der Chemiebranche verteuerte sich im dritten Quartal auf durchschnittlich 412 Euro je Tonne – 16,6 Prozent mehr als im Vorquartal. Bei steigenden Rohstoffkosten und hohen Fixkosten blieben die Gewinnmargen der Chemieunternehmen unter Druck. Die Unternehmen setzten daher ihren Sparkurs fort.

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Umsatzentwicklung und Exportstatistik

Von Juni bis September zog der Branchenumsatz gegenüber dem Vorquartal um 5,5 Prozent auf 35 Milliarden Euro an. Wachstumsimpulse kamen sowohl aus dem Inlands- wie dem Exportgeschäft. Die Nachfrage nach Chemikalien hat sich zuletzt weiter stabilisiert. Dennoch ist die schwierige Lage in der Chemie noch nicht ausgestanden. Der Branchenumsatz lag trotz der jüngsten Belebung immer noch 15 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Der Inlandsumsatz der deutschen Chemieunternehmen stieg im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten um sechs Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. In vielen Industriezweigen hatte sich die Lage gebessert. Die Kunden der Chemie erhöhten in der Folge ihre Bestellungen. Trotz dieser positiven Entwicklung lag der Inlandsumsatz aber immer noch 17 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Die Auslandsmärkte entwickelten sich weiterhin positiv. Die Verkäufe der chemischen Industrie an ausländische Kunden stiegen im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um vier Prozent auf insgesamt 20,8 Milliarden Euro. Weil das Exportgeschäft bereits im Vorquartal spürbar zulegen konnte, lag der Auslandsumsatz im dritten Quartal nur noch 12,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Ein Blick auf die Exportstatistik, die zusätzlich zum Auslandsumsatz auch Chemieexporte Dritter und Reexporte umfasst, zeigt im dritten Quartal einen weltweiten Anstieg der Nachfrage nach Chemikalien aus deutscher Produktion. Dennoch blieben die Ausfuhren im Vorjahresvergleich deutlich im Minus: Die Exporte in die Länder der Europäischen Union lagen im dritten Quartal 2009 mehr als 20 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

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Beschäftigung in der Chemieindustrie

Die Unternehmen machten weiterhin von flexiblen Arbeitszeitinstrumenten, wie beispielsweise dem Abbau von Überstunden auch über Arbeitszeitkonten Gebrauch. Zudem reduzierten sie die Leiharbeit und nutzen weiterhin die Kurzarbeit. Angesichts der schwierigen Lage konnte das Beschäftigungsniveau in der deutschen Chemieindustrie dennoch nicht ganz gehalten werden. Die Belegschaftszahlen sanken leicht. Im dritten Quartal 2009 waren in den Unternehmen der Branche 432.900 Mitarbeiter beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Chemiebeschäftigten um etwa 8.100 Mitarbeiter bzw. um zwei Prozent zurück.

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Prognose für das Gesamtjahr

Vieles spricht dafür, dass die Branche das Schlimmste hinter sich hat. Es besteht allerdings noch kein Grund für eine Entwarnung. Die positiven Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage trotz Belebung schwierig bleibt. Noch hat die Weltwirtschaftskrise die Branche fest im Griff. Das Produktionsniveau bleibt laut VCI auf absehbare Zeit weit hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Entsprechend zurückhaltend ist die Stimmung in den Chemieunternehmen: Die Beurteilung der aktuellen Lage fiel auch im Oktober noch negativ aus. Der Nulllinie nähert man sich nur mit kleinen Schritten. Der VCI geht davon aus, dass die Chemieproduktion im Gesamtjahr 2009 rund zehn Prozent niedriger liegen wird als im Vorjahr. Für den Umsatz rechnet der VCI mit einem Rückgang von zwölf Prozent.

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