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Wie Vials und Spritzenvorsatzfilter Ärger sparen Verbrauchsmaterial – Am falschen Ende gespart?

Autor / Redakteur: Petra Gerhards* / Dr. Ilka Ottleben

Ausgelaufene Lagervials, Background-Probleme in der GC-MS? Kennen Sie diese Situationen auch aus Ihrem Labor? Häufig lassen sich solche lästigen, zeit- und materialaufwändigen Probleme durch die Verwendung der „richtigen“ Verbrauchsmaterialien lösen.

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Abb. 1: Probe mal wieder ausgelaufen – oder schlechte Analysenergebnisse? Die Lagervials könnten schuld sein.
Abb. 1: Probe mal wieder ausgelaufen – oder schlechte Analysenergebnisse? Die Lagervials könnten schuld sein.
(Bild: ©DDRockstar - stock.adobe.com)

Kurz vor dem Feierabend … man ist schon mental beim Abendessen und es sind ja auch nur noch zwei Stunden, bis endlich das Wochenende losgeht. Und dann macht man den Kühlschrank auf, um noch eben eine Probe zu filtrieren, die dann hoffentlich übers Wochenende durchläuft.

Die billigsten Lagervials sind nicht immer die besten ...

Aber nein, wie konnte das denn passieren?! Da sind doch ausgerechnet die zwei Lagervials umgekippt, aus denen man jetzt die Probe entnehmen wollte. Leider waren die Lagervials nicht dicht. Die Proben sind futsch und man kann auch noch den ganzen Kühlschrank putzen. Dummerweise fallen dabei weitere Vials um, da man keine schöne Lösung hat, um die Vials in sicheren Aufbewahrungsracks zu lagern. Leider haben die ausgelaufenen Proben den Behelfskarton durchweicht und jetzt hat man auch noch Glasbruch im Kühlschrank. Vials, bei denen die Septen in die Kappen integriert sind – was ein Auslaufen der Proben verhindert – hätten einem solch ein Malheur erspart. Beispielsweise die Thermo Scientific EPA Storage Vials mit entsprechenden Boxen. Auch die billigste Glasqualität ist nicht immer die beste: Durch die dünnere Glaswandung kommt es leichter zu Glasbruch.

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Es hilft alles nichts. Handschuhe an, und das Chaos im Kühlschrank beseitigen. Der Feierabend rückt derweil erst einmal in weite Ferne. Eine Probe muss trotzdem her. Man nimmt also eine Probe von dem, was noch vorhanden ist, und macht sich ans Filtrieren derselbigen.

Endlich geht‘s los mit dem Filtrieren

Spritzen parat legen und entsprechende Spritzenvorsatzfilter bereitstellen. Aber warum sind denn unterschiedliche in der Schublade? Leider haben die Spritzenvorsatzfilter keine Farbcodierung. Jetzt muss man erst mal Ordnung schaffen, damit man mit der richtigen Membran arbeitet. Sonst geht da leider gar nichts mit den Proben. Abhilfe hätten hier Vorsatzfilter mit Farbcodierung wie z.B. Thermo-Scientific-Titan3-Filter (s. Abb. 3) schaffen können. Da hätte man keine 15 Minuten mit Sortieren verbracht.

Endspurt, noch 45 Minuten „to go“ bis zum Feierabend. Leider sind die Proben nicht homogen, bedeutet: Die Lagervials müssen geschüttelt bzw. die Proben durch Umrühren homogenisiert werden. Also ab auf den Schüttler. Nein, das passiert jetzt nicht wirklich! Da laufen wieder zwei Proben aus. Dabei ist es heute doch eigentlich relativ einfach, wir brauchen noch nicht einmal zu heizen oder zu kühlen, sondern einfach nur schütteln.

So, jetzt sind die Proben homogenisiert. Los geht‘s endlich mit der Filtration. Die Proben enthalten echt viele Partikel. Also die Spritze mit dem Luer-Lock-Anschluss auf den Filter, wird schon gehen. Geht nicht! Die Probe verteilt sich nicht richtig auf dem Filter und der aufzuwendende Druck ist echt hoch. Die Kraft in den eigenen Händen reicht nicht – also den Kollegen bitten. Nur leider ist der Druck zu hoch für den Filter. Er platzt und jetzt ist das Chaos perfekt. Probe weg, der ganze Arbeitsplatz ist kontaminiert und das Wochenende ist in noch weitere Ferne gerückt.

Filter wie der Titan 3 von Thermo Fisher wären nicht nur aufgrund ihrer Farbcodierung eine bessere Wahl gewesen. Beim Spritzenvorsatzfilter Titan 3 verteilt ein Lamellensystem die Probe gleichmäßig über den Filter. Ein spezieller Ring verhindert das Platzen des Filters, selbst bei hohem Druck. Warum muss der Einkäufer auch immer das billigste Produkt am Markt kaufen?! Der ist jetzt schon im Wochenende und muss nicht den Arbeitsplatz säubern und den Kunden erklären, dass jetzt leider schon mehrere Proben neu geliefert werden müssen. Hoffentlich können die überhaupt noch einmal neue Proben liefern. Neulich war das sehr ungünstig, da hatten die keine weitere Probenmenge als Ersatz. Das war gar nicht gut für die Reputation und es wurden große Preisnachlässe gefordert. Ist ganz dumm gelaufen!

Das Wochenende ist vorbei und nun ...

Nachdem das Wochenende schlecht losgegangen ist – kein Parkplatz, Abendessen in der Eile nicht wirklich gelungen, und die Verärgerung über die unnötigen zwei Überstunden – kann es jetzt ja nur besser ­werden. Das war wohl Wunschdenken!

Wie sehen denn die Läufe auf dem GC-MS aus?! Das darf ja wohl nicht wahr sein. Was ist das denn für ein Background? 107 – wo kommt das denn her? Das sind so viele Peaks, da muss man ja schon gar nicht mehr anfangen, nach dem letzten Femtogramm des Analyten zu suchen. Kann das an den Spritzen liegen? Es wurden sterile verwendet – ist zwar für die Proben nicht wirklich notwendig, kann aber eigentlich nicht schaden.

Doch leider sind sie nicht auf Extractables und Leach­ables getestet. Die LC-MS-Ergebnisse sehen auch nicht besser aus. Die untersuchten Proben müssen nun mal in einem niedrigeren pH-Wert gelöst werden und nun ist Ionensuppression vom Feinsten zu beobachten. Da kommt wohl Polyethylenglykol aus den sterilen Spritzen. Die ganze Arbeit für umsonst. Auch hier wären z.B. die Spritzen von Thermo Fisher eine bessere Wahl gewesen.

Vielleicht können die Proben noch einmal im Selected-Ion-Monitoring laufen, um so den Hintergrund loszuwerden. Gesagt, getan. Jetzt erst mal einen Kaffee und dann die Ergebnisse anschauen. Die sehen allerdings alle irgendwie komisch aus: Beim Standard, der in den gleichen Lagervials aufbewahrt wird, kommen nur sieben Peaks, wo eigentlich zwölf sein sollten. Von allen Analyten, die sehr polar und nur in niedrigen Konzentrationen im Standard enthalten sind, fehlt jede Spur! Wie geht das denn, so selektiv? Es ist vielleicht doch mal an der Zeit, mit dem Einkäufer zu reden, denn die Lagervials haben ja ohnehin schon Kopfschmerzen bereitet. Bei den Vials für die Proben im Autosampler werden hingegen Thermo Scientific Chromacol Gold Vials verwendet, da diese kritische Komponenten nicht adsorbieren. Offensichtlich haben die Lagervials nicht diese Qualität. Dort könnten bestimmte Analyten an der Glas­oberfläche „kleben“ bleiben, z.B. polare Analyten, solche mit sterisch gehindertem Stickstoff, halogenierte Substanzen oder solche, die Schwefel oder Phosphor enthalten. Das könnte die Erklärung für die fehlenden Peaks sein.

Ergebnis: Zusammenspiel verschiedener Faktoren

Dieser Beitrag zeigt, dass ein gutes Ergebnis immer ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren ist. Manchmal ist es nur eine Komponente im gesamten Workflow, die einem das Leben schwer macht. Manchmal sind es aber auch mehrere, die sich in ihrem negativen Effekt mitunter auch noch verstärken.

Selten ist die billigste auch die beste Lösung. Der Einkauf hat unter Umständen andere Prioritäten, allerdings weiß es das Team im Labor aus gutem Grund zu schätzen, mit guten und aufeinander abgestimmten Workflows zu arbeiten.

* P. Gerhards, Thermo Fisher Scientific, 63303 Dreieich

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