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Mutter Neandertalerin, Vater Denisovaner

Völkervereinigung in der Steinzeit

| Autor / Redakteur: Sandra Jacob* / Christian Lüttmann

Blick von der Denisova-Höhle aus ins Tal
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Blick von der Denisova-Höhle aus ins Tal (Bild: B. Viola, MPI f. evolutionäre Anthropologie)

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Zur Zeit des Neandertalers lebte eine weitere Hominiden-Gruppe: die Denisovaner. Dass die beiden steinzeitlichen Völker sich nahestanden, belegt nun ein Knochenfund aus Russland. Bei dessen Untersuchung fanden Forscher am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie den Beweis für eine intime Begegnung der beiden Hominiden-Gruppen. Und die Stammbaumanalyse offenbarte, dass dies kein Einzelfall war…

Leipzig – Bis vor etwa 40.000 Jahren lebten wenigstens zwei Hominiden-Gruppen in Eurasien – Neandertaler im Westen und Denisovaner im Osten. Forscher am Max-Planck-Institut (MPI) für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben nun das Genom eines Individuums aus Sibirien sequenziert und entdeckt, dass die Mutter dieser vorgeschichtlichen Frau eine Neandertalerin und ihr Vater ein Denisovaner gewesen ist.

Zusammen mit den Neandertalern sind die Denisova-Menschen die nächsten ausgestorbenen Verwandten heute lebender Menschen. „Aus früheren Studien wussten wir bereits, dass Neandertaler und Denisovaner gelegentlich Nachwuchs miteinander gezeugt haben”, sagt Viviane Slon, Forscherin am MPI für evolutionäre Anthropologie. „Doch ich hätte nie gedacht, dass wir so viel Glück haben könnten, auf einen direkten Nachkommen der beiden Gruppen zu stoßen.”

Zwei Populationen in einem Fund vereint

Dieses Knochenfragment (”Denisova 11”) wurde 2012 in der Denisova-Höhle in Russland von russischen Archäologen entdeckt und gehörte der Tochter einer Neandertaler-Mutter und eines Denisovaner-Vaters.
Dieses Knochenfragment (”Denisova 11”) wurde 2012 in der Denisova-Höhle in Russland von russischen Archäologen entdeckt und gehörte der Tochter einer Neandertaler-Mutter und eines Denisovaner-Vaters. (Bild: T. Higham, University of Oxford)

Von diesem Individuum liegt den Forschern nur ein einziges kleines Knochenfragment vor. „Das Fragment ist Teil eines langen Knochens. Wir schätzen, dass die Frau, der der Knochen gehörte, zum Todeszeitpunkt mindestens 13 Jahre alt gewesen ist”, sagt Bence Viola von der University of Toronto in Kanada. Das Knochenfragment wurde 2012 in der Denisova-Höhle in Russland von russischen Archäologen entdeckt. Es wurde für genetische Analysen nach Leipzig gebracht, nachdem es aufgrund seiner Proteinzusammensetzung als Hominidenknochen identifiziert worden war.

„Dank der in diesem Genom enthaltenen DNA-Sequenzen können wir nun Details über zwei verschiedene Populationen erfahren – die Neandertaler mütterlicherseits und die Denisovaner väterlicherseits”, erklärt Fabrizio Mafessoni vom Leipziger MPI. Die Forscher haben festgestellt, dass die Mutter genetisch näher mit Neandertalern verwandt war, die in Westeuropa lebten, als mit einem Neandertaler, der zu einem früheren Zeitpunkt in der Denisova-Höhle gelebt hatte. Dies zeigt, dass die Neandertaler Zehntausende von Jahren vor ihrem Verschwinden zwischen West- und Ost-Eurasien migrierten.

Wenn schon aufeinandertreffen, dann richtig

Analysen des Genoms ergaben auch, dass der Vater der Frau wenigstens einen Neandertaler in seinem Stammbaum hatte. „Anhand dieses einzigen Genoms können wir gleich mehrere Interaktionen zwischen Neandertalern und Denisovanern dokumentieren”, sagt MPI-Forscher Benjamin Vernot.

„Es ist schon beeindruckend, dass sich unter den wenigen Genomen früher Menschen, die wir bis jetzt sequenziert haben, dieses Neandertaler-Denisovaner-Kind befindet”, ergänzt Svante Pääbo, Direktor der Abteilung für Evolutionäre Genetik am MPI in Leipzig und Hauptautor der Studie. „Neandertaler und Denisovaner hatten vielleicht nicht viele Gelegenheiten einander zu treffen. Aber wenn sie aufeinandergetroffen sind, müssen sie relativ häufig Kinder miteinander gezeugt haben – viel öfter als wir bisher dachten.”

Originalpublikation: Viviane Slon, Fabrizio Mafessoni, Benjamin Vernot, Cesare de Filippo, Steffi Grote, Bence Viola, Mateja Hajdinjak, Stéphane Peyrégne, Sarah Nagel, Samantha Brown, Katerina Douka, Tom Higham, Maxim B. Kozlikin, Michael V. Shunkov, Anatoly P. Derevianko, Janet Kelso, Matthias Meyer, Kay Prüfer, Svante Pääbo: The genome of the offspring of a Neandertal mother and a Denisovan father. Nature, 22. August 2018; DOI: 10.1038/s41586-018-0455-x

* S. Jacob, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, 04103 Leipzig

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