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Waschmaschinen im Laboreinsatz

Vom Duft umspült

| Autor/ Redakteur: Anke Schläger* / Christian Lüttmann

Wasch- und Spülmaschinen erleichtern nicht nur zu Hause den Alltag, auch in Laboren kommen sie zum Einsatz. So finden sich zum Beispiel bei der Entwicklung von Parfums die bekannten Miele-Geräte wieder. Dort garantieren sie, dass jede neue Duft-Kreation unter Realbedingungen geprüft werden kann.

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1 Regalmeter voller Dufterlebnisse – für die Mitarbeiter im Symrise-Labor Alltag: Hier testen sie in aufwändigen Versuchsreihen, was später in Drogerien, Parfümerien und Supermärkte kommt.
1 Regalmeter voller Dufterlebnisse – für die Mitarbeiter im Symrise-Labor Alltag: Hier testen sie in aufwändigen Versuchsreihen, was später in Drogerien, Parfümerien und Supermärkte kommt.
(Bild: Miele)

Jil Sander, Fahrenheit, Tristano Onofri: Diese Düfte schreiben seit Jahrzehnten Erfolgsgeschichten in der Parfümerie. Dass hinter den raffinierten Kompositionen ein Unternehmen aus Holzminden an der Weser steht, weiß kaum jemand. Heute behauptet sich Symrise weltweit an dritter Stelle auf dem Markt für Duft und Geschmack. Zum Tagesgeschäft gehören auch Inhaltsstoffe für Lebensmittel, Tiernahrung, Kosmetikprodukte und für Haushaltsprodukte wie Wasch- und Geschirrspülmittel. Bei deren Entwicklung spielt Miele-Technik eine wichtige Rolle.

„Was wir herstellen, ist in Haushalten auf der ganzen Welt zu finden“, sagt Doris Beye, Leiterin des Geschäftsbereichs Homecare. Mit ihrem Team entwickelt sie Düfte für alle Arten von Haushaltsprodukten – für Kunden in Europa, dem Nahen und Mittleren Osten und in Afrika. Die Abteilungsleiterin deutet auf Vitrinen in der Nähe des Besuchereingangs: Bekannte Namen fallen ins Auge, vom Weichspüler über die Duftkerze aus einem großen Möbelhaus bis zur Seife, die schon Oma kannte. „Kein Wunder“, meint Beye. „Symrise nutzt Erfahrungen, die auf die Frühzeit der Parfümindustrie im 19. Jahrhundert zurückgehen.“ Obwohl manche Duftstoffe aus dieser Zeit längst nicht mehr im Handel seien, hätten sie immer noch einen großen Einfluss auf die moderne Parfümerie. Deshalb werde das Wissen darüber in der eigenen Symrise-Parfümschule an die „Perfumery Students“ weitergegeben. „Wer hier das Handwerk erlernt, weiß auch, wie die Duftstoffe von damals immer noch dargestellt werden können. Jeder schnuppert während der vier- bis fünfjährigen Ausbildungszeit etwa 2000 Rohstoffe – und sollte sie dann voneinander unterscheiden können.“

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Der Duft von Prominenz und Fahrspaß

„So habe ich selbst angefangen“, erinnert sich Parfümeur Marc vom Ende, der nach Stationen in New York und Paris nun wieder in Holzminden arbeitet. Dort entwickelt er u.a. Düfte für Waschmittel und WC-Erfrischer. Er hat aber auch schon eine bekannte Duftnote für einen prominenten, französischen Schauspieler kreiert und Essenzen für einen großen, deutschen Autohersteller, die das Autofahren angenehmer machen. „Die Herausforderung dabei: Unsere Kunden erwarten etwas Neues und die Verbraucher, die das Produkt kaufen sollen, lieben das Vertraute.“ Was sich schließlich durchsetze, lasse sich nie voraussagen – und sei auch von Land zu Land verschieden: „In den USA ist Zimtkaugummi ein Renner, denn Amerikaner verbinden diesen Geschmack mit Frische. Zahnpasta mit Zimtaroma konnte sich in den deutschen Drogerien dagegen nicht durchsetzen.“

Damit potenzielle Ladenhüter erst gar nicht in den Handel kommen, gibt es bei Symrise aufwändige Versuchsreihen. Dabei werden die Düfte in der Umgebung getestet, für die sie auch entwickelt wurden. Steht beispielsweise der Duft für ein Waschmittel auf dem Prüfstand, wird er zunächst in einen unparfümierten Grundstoff eingearbeitet – mit dem sich tatsächlich Handtücher waschen lassen. Anschließend beurteilt ein Expertenteam den Duft der feuchten Wäsche. Je nachdem, wie das Resultat ausfällt, arbeitet der Parfümeur danach weiter und modifiziert die Zusammensetzung zu einer neuen Kreation. Dann folgen wieder Waschtests und Geruchsproben – so lange, bis alle Anforderungen erfüllt sind und das Team sicher sein kann, dass das Produkt am Markt Erfolg haben wird. Laut vom Ende kann sich der Prozess über einige Wochen hinziehen.

Weil die Ergebnisse alltagstauglich sein sollen, stehen im Forschungsbereich die gleichen Waschmaschinen und Geschirrspüler von Miele wie in vielen Privathaushalten. Und viele Toiletten, jede in einer eigenen Kabine: Hier müssen Duftsteine den Praxistest bestehen.

Spülmaschinen im Labor der Düfte

Ob die Endprodukte beim Verbraucher ankommen, hängt auch vom Zusammenspiel mit den Symrise-Laboratorien ab. Hier entsteht fast die Hälfte aller Duftmischungen in Handarbeit, werden Proben analysiert und fertige Produkte noch weiter verbessert. „Wir prüfen zum Beispiel, wie lange es dauert, bis ein Raumduft vollständig verdampft ist“, sagt Bereichsleiterin Beye. „Falls das Ergebnis nicht stimmt, wird auch bei diesen Düften die Zusammensetzung modifiziert, und die technischen Eigenschaften werden entsprechend angepasst.“

Die Tests der vielen Duftkreationen gehen allerdings nicht spurlos über die Bühne: In allen Laborbereichen müssen täglich große Mengen Bechergläser aufbereitet werden sowie Spatel und Flaschen aus Glas oder Kunststoff. Um dieser Aufgabe Herr zu werden, sind insgesamt in den Symrise-Laboren mehr als 120 Miele-Laborspüler im Einsatz. Dabei hat das Unternehmen auf Untertischgeräte gesetzt, die wenig Platz brauchen und von den Mitarbeitern regelmäßig gefüllt werden. „Viele Maschinen haben wir schon seit Jahren“, sagt Beye. Und weil diese so zuverlässig funktionieren, werden sie und ihre Mitarbeiter auch in Zukunft neue Modelle von Miele kaufen. Deren Zubehörprogramm Easy Load vereinfacht die Beladung der Spülmaschine und sorgt dafür, dass Laborglas automatisch an der richtigen Stelle platziert werden kann.

Vom Parfüm bis hin zum Zwiebelextrakt

Weiter entfernt vom Labor und auf der anderen Seite des Werksgeländes riecht es nicht mehr nach Waschmittel und Seife, sondern nach würziger Sauce. Hier werden in großen Mengen Zwiebeln ausgepresst. Der Saft lässt sich z.B. für die Herstellung von Zwiebelextrakt verwenden. „Die Filtertücher für unsere Maschinen waschen wir auch mit Miele“, sagt Betriebsmeister Hans-Otto Mense. Gegen das hier verwendete Profi-Gerät wirken die Waschmaschinen, die den Versuchsreihen im Duftlabor vorbehalten sind, beinahe filigran: 18 Kilogramm Gewicht kann die große Wäschetrommel maximal tragen. Und oft sind schon einzelne Filtertücher bis zu zehn Kilo schwer. Doch ob nun schwerer Zwiebelgeruch oder leichter Damenduft – auf dem Gelände der Symrise-Labore zählt nur, dass alles wieder sauber wird oder wie es am Ende riecht: Entweder neutral oder nach einer vielversprechenden, neuen Kreation.

* A. Schläger, Miele & Cie. KG, 33325 Gütersloh

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