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Venture Capital Warum Evonik bei Jenacell einsteigt

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Evonik investiert in ein vielversprechendes Verfahren zur biotechnologischen Produktion von Nanocellulose und steigt mit Venture Capital bei dem Biotechnologieunternehmen Jenacell ein. Was sich der Konzern davon verspricht und warum das Start-up so interessant ist, lesen Sie bei uns.

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Dana Kralisch und Nadine Heßler (v.l.n.r.) haben das Unternehmen Jenacell 2012 gegründet.
Dana Kralisch und Nadine Heßler (v.l.n.r.) haben das Unternehmen Jenacell 2012 gegründet.
(Bild: Evonik/Jenacel)

Essen – Evonik investiert in Jenacell, ein Spin-off der Friedrich-Schiller-Universität Jena und erwirbt damit einen Minderheitsanteil. Damit steigt der Konzern das erste Mal auch in ein deutsches Biotechunternehmen ein und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe.

Zum einen profitiert Evonik von dem in Jena entwickelten biotechnologischen Verfahren für Nanocellulose zum anderen bekommt es zusätzliches Know-how über medizinische Transportsysteme. Jenacel passe strategisch hervorragend zu Evonik, sagt Bernhard Mohr, Leiter Venture Capital bei Evonik, der keine Aussagen über das finanzielle Volumen, der Transaktion machen will.

Auch für das Start up sei der Einstieg des Konzerns erfreulich, sagt Nadine Heßler, Gründerin und Geschäftsführerin des Biotechunternehmens mitteilt. Mit Evonik habe manr einen strategischen Investor gewonnen, der über umfangreiche Expertise in Aufbau und Betrieb von biotechnologischen Produktionsanlagen verfüge und beim Marktzugang unterstützen könne.

Was Nanocellulose alles kann

Nanozellulose ermöglicht unter anderem eine bessere Versorgung von Brandverletzungen sowie von chronischen Wunden. Grund dafür sind die speziellen Materialeigenschaften, bei denen sich die Vorzüge pflanzlicher Zellulose mit denen von nanostrukturierten Materialien verbinden. So ist Nanozellulose nicht nur besonders saugfähig, sondern auch extrem reißfest. Außerdem zeichnet sie sich durch eine hohe Bioverträglichkeit aus. Das Material ist angenehm auf der Haut, reguliert das Feuchtigkeitsniveau von Wunden und lässt sich schmerzfrei ablösen, da es nicht mit der Haut verklebt.

Von diesem Mix aus Eigenschaften sollen künftig Opfer von Brandverletzungen profitieren. Sie können mit Wundauflagen aus Nanozellulose schmerzärmer behandelt werden, da das Material kühlt und die Auflagen problemlos gewechselt werden können. Gleichzeitig hält es die betroffenen Stellen feucht, wodurch die Heilung beschleunigt und die Narbenbildung verringert wird. Die Produkteinführung ist für Ende 2015 geplant. Außerdem lässt sich Nanozellulose mit medizinischen und kosmetischen Wirkstoffen beladen, die im Lauf der Zeit kontrolliert an die Haut abgegeben werden.

Wundauflage wächst im Nährmedium

Nanocellulose lässt sich biotechnologisch – mit Hilfe von Bakterien in einem Nährmedium herstellen. Die Mikroorganismen produzieren das Material quasi als Vlies auf der Oberfläche, um sich vor Austrocknung und anderen Gefahren zu schützen. Bislang ließ sich die Produktion nicht automatisieren. Sie erfolgte in ruhenden Kulturmedien, bei denen nach jeder Ernte die Fermentation neu anlaufen musste. JeNaCell verfügt nun über eine Technologie, mit der sich Nanozellulose automatisiert in einer Endlosschleife herstellen lässt. Dabei wird das Produkt kontinuierlich abgezogen, ohne die Fermentation zu stören. So lassen sich große Mengen des Materials herstellen und gleichzeitig die Kosten senken.

Grundlagenforschung an der Uni Jena

Die wissenschaftlichen Grundlagen für das Produktionsverfahren von Jenacell an der Friedrich-Schiller-Universität Jena gelegt. Das Unternehmen wurde 2012 von den dort tätigen Chemikerinnen Nadine Heßler und Dana Kralisch gegründet.

Die Investition von Evonik erfolgte im Rahmen einer Serie-A-Runde zusammen mit der bmt beteiligungsmanagement thüringen sowie der Sparkasse Jena. Weiterhin haben sich auch der High-Tech-Gründerfonds und die Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) beteiligt, die bereits die Seed-Finanzierung zur Verfügung gestellt hatten. Die Finanzmittel sollen unter anderem in den Auf- und Ausbau der Produktion am Standort Jena sowie in Vertrieb und Marketing fließen.

Evonik will im Rahmen seiner Venture Capital Aktivitäten insgesamt 100 Millionen € in vielversprechende Start-ups mit innovativen Technologien und in führende, spezialisierte Venture Capital Fonds investieren. Regionale Schwerpunkte sind Europa, die USA und Asien. Aktuell hält Evonik Beteiligungen an sechs Start-ups und drei Fonds. Mehr Informationen unter http://venturing.evonik.com/

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