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Chemie-Mittelstand Was hält den Chemie-Mittelstand in Deutschland?

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die Stimmung im Chemie-Mittelstand ist durchwachsen: Einerseits hängt man am Standort Deutschland, andererseits hadern die Unternehmen mit den Energiepreisen und der Bürokratie. Trotzdem sieht die Mehrzahl der Chemiefirmen ihre Zukunft in Deutschland.

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Chemie-MIttelstand vor vielen Herausforderungen - v.r.: Reinhold von Eben-Worlée, Henrik Follmann, Karl-Martin Schellerer (Dr. Wieselhuber & Partner)
Chemie-MIttelstand vor vielen Herausforderungen - v.r.: Reinhold von Eben-Worlée, Henrik Follmann, Karl-Martin Schellerer (Dr. Wieselhuber & Partner)
(Bild: © VCI/Mendel)

Der Chemie-Mittelstand meldet sich mit einer Studie zu Wort, die heute in Frankfurt vorgestellt wurde. Im Auftrag des Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI) hat die Dr. Wieselhuber & Partner 150 mittelständische Betriebe aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie zur Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands befragt.

Das Fazit kann nicht wirklich befriedigen, aber es klingt auch nicht nach Weltuntergangsstimmung.„Der Großteil des Mittelstandes sieht seine Zukunft in Deutschland“, sagte Dr. Henrik Follmann, VCI-Präsidiumsmitglied und Geschäftsführer der Follmann Chemie. Die emotionale und rationale Barriere im Ausland zu produzieren sei hoch, ergänzte er.

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Aber natürlich folgen die Firmen den prosperierenden Märkten und stecken Geld in Auslandsableger. So investiert nach Aussage der Studie bereits ein Drittel aller mittelständischen Firmen im Ausland. Follmann Chemie selbst habe einen Produktionsstandort in China, der konsequent ausgebaut würde.

Kritik am Standort Deutschland

Trotzdem kritisiert Reinhold von Eben-Worlée der als Chef der Worléee-Chemie dem VCI-Ausschuss Selbstständiger Unternehmer vorsitzt, die Standortqualität in Deutschland, die sich seit Jahren verschlechtere, ohne dass wirtschaftspolitisch gegengesteuert würde.

Follmann und Eben-Worlée repräsentieren rund 1600 im VCI organisierte Betriebe, die überwiegend Speziallösungen für Nischenmärkte entwickeln und in der Wertschöpfungskette zwischen der Grundstoffindustrie und der weiterverarbeitenden Industrie, etwa der Kunststoffindustrie, sitzt. Als Grund für die Verschlechterung nannten beide die „Energiekosten“ sowie der „Bürokratie- und Regulierungsaufwand“.

Auch die Schiefergasförderung in den USA droht die Wertschöpfungsketten zu verschieben, woraus die mittelständische Chemie noch Antworten sucht. Eine gefühlte „Überregulierung“ in der EU, wie beispielsweise durch die Chemikalienverordnung REACH, die Verordnung für Biozidprodukte oder die GMP-Richtlinie zur Qualitätssicherung von Produktionsabläufen, werde von mehr als 50 Prozent der Befragten als Belastung empfunden. Insgesamt klagen mit 45 Prozent knapp die Hälfte der Unternehmen über eine zu hohe Bürokratie. Hohe Produktionskosten, vor allem die hohen Rohstoff- und Energiekosten verbessern die Stimmung auch nicht gerade.

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