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Chemikalienbelastung Welche Chemikalien sind für die Gesundheit wirklich gefährlich?

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Wie hoch ist die Schadstoffbelastung des Menschen? Das untersucht das Bundesumweltministerium im Rahmen des Human-Biomonitoring. Welche Chemikalien im Visier sind, erfahren Sie bei uns.

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Plastik-Weichmacher sind allgegenwärtig – auch im Körper des Menschen?
Plastik-Weichmacher sind allgegenwärtig – auch im Körper des Menschen?
(Bild: goranmx)

Weichmacher für Kunststoffe, UV-Filter in Kosmetika, Flammschutzmittel – lang ist die Liste der Chemikalien, mit denen der Mensch im Laufe seines Lebens in Berührung kommt. Doch was passiert mit dem Weichmacher, wenn das Baby hingebungsvoll an der Plastikente nuckelt. Das zu klären, ist Aufgabe des Human-Biomonitoring des Umweltbundesamtes.

Bundesumweltministerium (BMUB) und Verband der Chemischen Industrie (VCI) starteten im Jahr 2010 eine Kooperation, um die Kenntnisse über neuere Stoffe zu verbessern und Methoden zu entwickeln, die auch geringste Mengen von Stoffen, denen die Bevölkerung möglicherweise vermehrt ausgesetzt ist oder die eine besondere Gesundheitsrelevanz haben können, nachweisen zu können.

Im Human-Biomonitoring (HBM) wird die Belastung mit chemischen Substanzen im menschlichen Körper durch Analyse von zum Beispiel Blut- oder Urinproben ermittelt. Viele Substanzen können noch nicht in den geringen Mengen nachgewiesen werden, in denen sie üblicherweise bei der Allgemeinbevölkerung, die nicht beruflich mit diesen Substanzen zu tun hat, vorliegen. Die Entwicklung von Analysenmethoden ist ein aufwändiger und kostenintensiver Prozess.

50 Stoffe in zehn Jahren analysieren

Die Kooperation von BMUB und VCI hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb von 10 Jahren Analysenmethoden für bis zu 50 Stoffe zu ermöglichen. Für die Methodenentwicklung der Nachweisverfahren hat der VCI die (finanzielle) Verantwortung übernommen.

Erst wenn für möglichst viele chemische Stoffe Analysemethoden vorhanden sind, lässt sich die Belastung der Bevölkerung mit wichtigen Industriechemikalien genau einschätzen. Bisher muss hier allzu oft auf modellhafte Annahmen zurückgegriffen werden, mit denen gesundheitliche Risiken leicht über- oder unterschätzt werden. Die toxikologisch-gesundheitliche Bewertung der gefundenen Konzentrationen übernimmt die Human-Biomonitoring-Kommission, ein unabhängiges Expertengremium beim Umweltbundesamt. Allein das Vorkommen eines Stoffes im Organismus bedeutet noch nicht, dass dieser als gesundheitlich relevant angesehen werden kann.

Arbeitskreis sucht Chemikalien aus

Jedes Jahr werden im Rahmen der Kooperation mit dem VCI neue Stoffe ausgewählt, für die erstmals Nachweismethoden für das Human-Biomonitoring entwickelt werden sollen. Bei den nun für 2015 ausgewählten Stoffen handelt es sich um Climbazol, Octisalate, 7-Hydroxycitronellal und Tinuvin 328. Diese werden als Anti-Schuppenmittel, Sonnenschutzmittel, Riechstoff und als UV-Absorber in Kunststoffen eingesetzt. Die Auswahl der Stoffe basiert auf den Empfehlungen eines Expertenkreises aus Wissenschaft und Forschung, der Industrie und einschlägigen Fachbehörden.

Insgesamt konnten seit 2010 zehn neue Methoden für die zehn Stoffe DINCH, DPHP, MDI, HHBCD, 4-Nonylphenol, 4-tert-Octylphenol, NMP, NEP, 2-MBT und 4-MBC erarbeitet werden. Weitere Methoden sind in Arbeit. Die neuen Analysemethoden werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als unabhängigem Expertengremium validiert. Bei allen im Projekt ausgewählten Stoffen handelt es sich um Substanzen, die in Verbraucherprodukten eingesetzt werden, zum Beispiel als Weichmacher für Kunststoffe, als UV-Filter in Kosmetika, als Lösemittel oder Flammschutzmittel.

Die neuen Messmethoden werden nun im Rahmen von zwei Reihenuntersuchungen angewendet: im neuen Umwelt-Survey des Umweltbundesamtes und an Proben der Umweltprobenbank. Erste Ergebnisse liegen dazu voraussichtlich erst 2018 nach Abschluss der Studie vor.

Für die Entwicklung der Nachweisverfahren hat der VCI die Verantwortung übernommen und wird dabei vom oben genannten Expertenkreis unterstützt und beraten. Für die Anwendung der Methoden liegt die Verantwortung beim BMUB, das hier eng mit dem Umweltbundesamt zusammenarbeitet. Zu einzelnen Methoden gibt es bereits wissenschaftliche Veröffentlichungen.

Human-Biomonitoring liefert wissenschaftlich fundierte Daten zur Belastung der Bevölkerung mit Chemikalien aus Verbraucherprodukten. Durch die Messungen lässt sich feststellen, ob und in welchem Ausmaß Stoffe vom menschlichen Körper aufgenommen werden, ob es in der Bevölkerung Gruppen mit besonders hohen Belastungen gibt und ob chemikalienrechtliche Regelungen zum gewünschten Rückgang von Belastungen geführt haben.

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