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Abwasserreinigung

Welche Risiken drohen durch Antibiotika im Abwasser?

| Autor / Redakteur: Hans-Jürgen Bittermann / Dr. Jörg Kempf

Abwasserbeprobung einer Abwassersammelleitung durch Sylvia Hack vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn. Über Toiletten, Abwasserleitungen und Kläranlagen können antibiotikaresistente Darmbakterien in die Umwelt eingetragen werden.
Abwasserbeprobung einer Abwassersammelleitung durch Sylvia Hack vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn. Über Toiletten, Abwasserleitungen und Kläranlagen können antibiotikaresistente Darmbakterien in die Umwelt eingetragen werden. (Bild: Zentrum für Infektiologie und Infektionsschutz/UKB)

In den Gewässern rund um Pharmaunternehmen in Indien sind einem Medienbericht zufolge multiresistente Keime nachgewiesen worden. Das ist keinesfalls „weit weg“ – in einer globalisierten Welt sind das auch für uns in Deutschland beunruhigende Nachrichten. Zu den Fakten ...

Der Medienbericht basiert auf Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutscher Zeitung – keine Krawall-Journalisten also. Der Tatbestand: In den Gewässern rund um Pharmafabriken nahe Hyderabad in Indien seien Antibiotikarückstände und Pilzmittel nachweisbar, die die Grenzwerte zum Teil um das Tausendfache übersteigen. Zudem ließen sich multiresistente Keime nachweisen.

Konkret seien 23 Proben entnommen und im Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Leipzig untersucht worden. In allen seien die Keime nachweisbar gewesen. Zudem habe das Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung 16 Proben aus Abwasserkanälen, Seen und einem Fluss untersucht und in allen Rückstände von Medikamenten gefunden.

Mögliche Belastung unserer Gewässer durch steigenden Medikamentenverbrauch

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Mögliche Belastung unserer Gewässer durch steigenden Medikamentenverbrauch

06.09.17 - Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) warnt vor den Gefahren für unsere Gewässer durch einen steigenden Medikamentenverbrauch. Arzneimittelhersteller seien hier gefordert, umweltschädliche Wirkstoffe zu ersetzen. Doch auch der Verbraucher kann seinen Teil durch sachgemäße Entsorgung von Medikamentenabfällen beitragen. lesen

Dr. Norbert Gerbsch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), nimmt zu dem Bericht des Recherchenetzwerks wie folgt Stellung: „Pharmaunternehmen kontrollieren die Qualität ihrer Zulieferer im Ausland mindestens nach den gesetzlichen pharmazeutischen Standards, die für Deutschland gelten. Pharmaunternehmen, die Arzneimittelbestandteile aus Asien einkaufen oder dort herstellen lassen, werden den Bericht zum Anlass nehmen, auf die Einhaltung vereinbarter Umweltrichtlinien stärker einzuwirken. Die Industrie hat jedoch keinen Einfluss auf die von den jeweiligen Ländern gesetzten Umweltstandards.“ Die Definition und Einhaltung von Umweltstandards sei eine globale Herausforderung und ein komplexes Problem – nicht nur für die Pharma­branche. Die geschilderten Zustände seien inakzeptabel.

Ist das alles nun eigentlich so neu, wie der Bericht des Recherchenetzwerkes vermuten lässt? Und ist das alles ein lokales, indisches Problem?

Die weltweite Zunahme antibiotikaresistenter Bakterienstämme wird von der World Health Organization (WHO) als eine der derzeit größten Herausforderungen für die Menschheit angesehen; sie war auch eines der Themen auf dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau im Jahr 2015. Um die Einträge von Antibiotika bzw. antibiotikaresistenten Keimen in die Umwelt zu minimieren, soll entsprechend der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) zukünftig der Einsatz von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin reduziert werden.

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