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Nachfolgeregelung Wenn der „Alte“ geht – den richtigen Nachfolger finden

Redakteur: Matthias Back

Jährlich steht rund 70.000 Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum ein Eigentümerwechsel bevor. Gibt es kein geeignetes Familienmitglied, muss sich der Eigentümer mit der Regelung seiner Nachfolge auseinandersetzen. Zunehmend werden dabei „Headhunter“ mit der externen Suche nach einem neuen Inhaber beauftragt.

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„Wenn das Unternehmen weiter erfolgreich am Markt bestehen soll, darf die Nachfolge nicht von einzelnen Personen abhängen“, betont Heiner Fischer, geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Herbold Fischer Associates. „Die bestmögliche unternehmerische Lösung sollte immer den Vorzug vor einer familieninternen Lösung haben.“
„Wenn das Unternehmen weiter erfolgreich am Markt bestehen soll, darf die Nachfolge nicht von einzelnen Personen abhängen“, betont Heiner Fischer, geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Herbold Fischer Associates. „Die bestmögliche unternehmerische Lösung sollte immer den Vorzug vor einer familieninternen Lösung haben.“
(Bild: Herbold Fischer)

Mehr als drei Viertel aller Unternehmen im deutschsprachigen Raum sind Familienunternehmen. Jährlich steht rund 70.000 dieser Unternehmen ein Eigentümerwechsel bevor. Gerade wenn kein geeignetes Familienmitglied als Nachrücker zur Verfügung steht, muss sich der Eigentümer mit der Regelung seiner Nachfolge auseinandersetzen. Doch während lange Zeit die Nachfolge innerhalb der Familie oder zumindest innerhalb des Unternehmens geregelt wurde, werden zunehmend „Headhunter“ mit der externen Suche nach einem neuen Inhaber beauftragt.

Branchenerfahrene Personalberater können wichtige Hilfestellung leisten

Die Schlüsselrolle bei einer Unternehmensübergabe kommt dem bisherigen Inhaber zu: Er hat es in der Hand, sein Lebenswerk durch die richtige Nachfolgeregelung zu vollenden und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Aber was ist, wenn sich kein Nachfolger aus der eigenen Familie findet? Oft sind die eigenen Kinder noch nicht alt genug, wollen das Unternehmen nicht übernehmen oder sind fachlich einfach nicht dazu in der Lage.

An dieser Stelle ist es wichtig, dass der Unternehmer offen und bereit ist, sich auch auf andere Möglichkeiten einzulassen und sich darauf vorbereitet, das Unternehmen an jemanden zu übergeben, der nicht aus der Familie stammt. Hier können qualifizierte, branchenerfahrene Personalberater wichtige Hilfestellung leisten.

„Wenn das Unternehmen weiter erfolgreich am Markt bestehen soll, darf die Nachfolge nicht von einzelnen Personen abhängen“, betont Heiner Fischer, einer der führenden deutschen Headhunter und geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Herbold Fischer Associates. „Die bestmögliche unternehmerische Lösung sollte immer den Vorzug vor einer familieninternen Lösung haben.“

Nachfolge genau planen

Dafür muss der Inhaber im Vorfeld aber genau planen, wie er sich die Zukunft seines Unternehmens vorstellt, welche Qualifikationen, Erfahrungen und Fachwissen ein geeigneter Nachfolger mitbringen muss und wie die Zusammenarbeit während der Übergangsphase mit dem Nachfolger gestaltet werden soll. Wird die Nachfolge durch ein Familienmitglied ausgeschlossen, sollte schnell damit begonnen werden, nach einer externen Lösung zu suchen.

Zwischen Alt- und Neueigentümer muss es auch menschlich passen

„Die große Herausforderung ist, dass es zwischen dem Alt- und dem künftigen Neueigentümer sowohl fachlich als auch menschlich passen muss“, betont Fischer. Hier können professionelle Personalberatungen gleich in zweierlei Hinsicht wichtige Hilfestellung leisten: Bei der Entwicklung des Profils, das der Nachfolger haben soll, sowie im zweiten Schritt auch bei der Suche nach dem Nachfolger.

„Die Nachfolgeregelung ist ein äußerst komplexes und gerade für Familienunternehmen meist einmaliges Projekt“, so Heiner Fischer. „Schließlich müssen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch rechtliche und psychologische Aspekte berücksichtigt werden.“ Fischer rät dazu, die Suche nach einem geeigneten Nachfolger grundsätzlich in drei Schritte zu unterteilt werden: Die Grundsatzentscheidung, die Umsetzung und schließlich die Phase nach der Übergabe.

„Das A und O ist aber, dass man sich des Themas rechtzeitig annimmt und genügend Zeit einplant“, so Fischer. „Denn der richtige Nachfolger ist nicht von heute auf morgen gefunden.“ Wird der Wechsel schlecht vorbereitet oder zu spät eingeleitet, können selbst gesunde Unternehmen ins Schlingern geraten, da das Tagesgeschäft schnell leidet.

Rückzug des alten Chefs sollte nicht länger dauern als notwendig

Ist der geeignete Nachfolger gefunden, muss der Geschäftsbetrieb übergeben werden. „Hierbei gilt es zu beachten, dass der Übernahmeprozess keine negativen Auswirkungen auf das Tagesgeschäft haben darf“, so Fischer. „Beide Seiten, alte wie neue Führung, müssen die Übergabe als ein Gemeinschaftsprojekt betrachten, das zudem keine Hau-Ruck-Aktion ist und mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann.“ Bis zum endgültigen Rückzug des bisherigen Inhabers sollten Entscheidungen zudem gemeinsam getroffen und umgesetzt werden.

Besonders wichtig ist, von Beginn an auch die anderen Beteiligten, wie Mitarbeiter, Lieferanten oder Kunden, in den Übergabeprozess einzubeziehen, so dass der Nachfolger rechtzeitig das gesamte geschäftliche Umfeld kennenlernt. „Offene Kommunikation und Austausch auch über Probleme und Befürchtungen ist hier notwendig“, so Fischer. „Auch hier können externe Berater unterstützen.“

Der Rückzug des alten Chefs sollte trotzdem nicht länger dauern als notwendig: Der Nachfolger muss die Möglichkeit haben, von Anfang an Verantwortung zu übernehmen und ein eigenes Profil aufzubauen; der bisherige Inhaber muss lernen, nach und nach loszulassen und sich schrittweise zurückzuziehen. „Nur dann wird der Nachfolger schnell und verbindlich anerkannt“, betont Fischer.

Nach der Übergabe: loslassen

Nach dem schrittweisen Rückzug kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem der bisherige Inhaber ganz aus dem Unternehmen ausscheidet und der Nachfolger das Unternehmen allein führen muss. „Am besten legt man den genauen Termin für diese Übergabe im Vorfeld bereits genau fest“, rät Fischer. „So haben beide Seiten genügend Zeit, sich auch mental darauf vorzubereiten“.

Der alte Chef muss nun loslassen können, auch wenn er in einigen Punkten noch misstrauisch ist und Zweifel hat, ob der Nachfolger es alleine schafft. Es ist daher hilfreich, wenn sich der Alt-Inhaber bereits vorher Pläne macht, wie sein Leben nach der Übergabe aussehen soll – so gewinnt er leichter Abstand. Natürlich kann er den Nachfolger und das Unternehmen auch weiter fachlich unterstützen, z.B. in einer beratenden Funktion. „Der Umfang dieser Tätigkeit muss allerdings vorher exakt festgelegt werden. Es muss für beide Parteien klar sein, dass der Nachfolger nun das Unternehmen führt und die Entscheidungen trifft“, betont Fischer.

Der Beitrag erschien zuerst auf unserem Schwesterportal MM Maschinenmarkt.

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