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Schiefergas

Wer profitiert vom Schiefergas-Boom in den USA?

| Autor / Redakteur: Anke Geipel-Kern / Anke Geipel-Kern

Unbegrenzte Schiefergasreserven

Tatsächlich scheinen die Schiefergasreserven unbegrenzt, und die Ausbeutung der für die Ethylenproduzenten wirklich interessanten Felder beginnt gerade erst. Schiefergas ist nämlich noch lange nicht gleich Schiefergas. Experten unterscheiden zwischen trockenem und nassem Shale Gas. Trockenes Gas enthält fast reines Methan mit geringen Anteilen an längerkettigen Kohlenwasserstoffen.

Das Gas muss vor dem Gebrauch lediglich von Wasser befreit werden und kann dann ins Gasnetz oder in eine Ammoniakanlage eingespeist werden. Momentan beuten die Unternehmen trockene Schiefergasformationen aus, deren Namen auch in deutschsprachigen Wirtschaftesmedien genannt werden, wie Marcellus, Barnett oder Utica. Wirklich spannend, betont Chevron-Chef Cella in seinem Vortrag, seien aber die nassen Gasvorkommen, denn die enthalten neben Methan, LNG, Ethan und Rohöl, mithin also ausreichend Futter für die geplanten Gascracker.

Was bei all der Euphorie leicht untergeht, ist die Tatsache, dass der Rohstoffwandel von Rohbenzin oder Naphta zu Ethan für die amerikanische Wirtschaft auch Risiken birgt. Während der Steamcracker mit Naphta, Gasöl, Butan oder schweren Derivaten gefüttert werden kann, und dann C2-, C3-, C4-Schnitte und auch längerkettige Kohlenwasserstoffe bildet, schränkt der Ethancracker die Rohstoffflexibilität ein, denn das Hauptprodukt ist Ethylen.

Laut einer gerade erschienenen GBI Research-Studie kann dieser Rohstoff-Shift deshalb zu weitreichenden Konsequenzen z.B. für die Propylen- und Butadienherstellung führen, denn beides sind Koppelprodukte des Naphtacrackers. Schon jetzt müssen die USA 300 000 Tonnen Butadien einführen, sinkt die Produktion durch den Rohstoffwandel weiter, erhöhe das die Abhängigkeit von teuren Einfuhren, warnen die Analysten.

Ein prognostizierter Engpass in der Propylenproduktion lässt deshalb Verfahren interessant werden, die bisher nicht konkurrenzfähig waren, z.B. die direkte Dehydrierung von Propan zu Propylen. So hat Dow Chemical eine Lizenz für die „Oleflex“-Technologie der Honeywell-Tochter UOP erworben. Mit der Technik kann Propan aus den neu erschlossenen Shale Gas-Vorkommen an einem Platin-Katalysator zu Propylen dehydriert werden. Der Katalysator lässt sich laut Dow kontinuierlich regenerieren, was die Produktionskosten senken soll. Mit dem Verfahren will der Konzern ab 2015 pro Jahr 750 000 Tonnen Propylen für die Polymerproduktion am US-Standort Freeport in einer neuen World-Scale-Anlage herstellen.

Auf der nächsten Seite: Und wie reagiert die deutsche Chemiebranche?

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