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Schiefergas

Wer profitiert vom Schiefergas-Boom in den USA?

| Autor / Redakteur: Anke Geipel-Kern / Anke Geipel-Kern

Der Umbruch kam auf leisen Sohlen, denn jahrelang blickte die europäische Chemie besorgt in den Mittleren Osten. Dort entstehen riesige integrierte Chemiekomplexe, deren Betreiber – so die Befürchtung – bald im hartumkämpften Markt der Basischemikalien die Nase vorne hätten und die Wertschöpfungsketten bei Massekunststoffen wie Polyethylen oder Polypropylen dominieren würden.

Dass dieses Szenario wohl doch so bald nicht Wirklichkeit wird, verdankt Europa dem amerikanischen Expräsidenten Jimmy Carter. Der ließ nach dem Schock durch das Ölembargo 1973 das US Department of Energie antreten, und als die Experten das gashaltige Gestein untersucht hatten, stand fest, dass Nordamerika auf Ressourcen sitzt, die sich hinter denen des Mittleren Osten nicht zu verstecken brauchen.

Schiefergasproduktion mehr als versechsfacht

Einige Jahre dümpelte die Erschließung so vor sich hin, bis vor zehn Jahren John Mitchell von Mitchell Energie auf den entscheidenden Kniff kam, das hydraulische Frackingverfahren mit horizontalen Bohrungen zu koppeln. Dabei schraubt sich der Bohrer zuerst vertikal bis zur Gasschieferformation, um sich dann horizontal ein bis drei Kilometer weiterzuschieben. Dank dieser Beschleunigung brauchen die Bohrmannschaften heute nur noch 30 Tage, um einen Kilometer vorzustoßen, vor wenigen Jahren waren es noch drei Monate. Was das bedeutet, zeigt das Beispiel Devon Energy. 2002 hat das Energieunternehmen in der Barnett Formation 200 Millionen Kubikfuß Schiefergas pro Tag gefördert, durch die neue Technik konnte die Menge auf 1,3 Milliarden täglich gesteigert werden.

Basierend auf solchen Szenarien schätzt die amerikanische Energiebehörde EIA in einer Studie vom Januar 2012, dass sich die Produktion des Schiefergases bis zum Jahr 2035 mehr als verdoppeln wird, um dann knapp die Hälfte der Gasproduktion zu stellen. Ein Ende des Shale Gas-Booms scheint also noch lange nicht in Sicht.

* Die Autorin ist Leitende Redakteurin der PROCESS. E-Mail-Kontakt: anke.geipel-kern@vogel.de

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