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Trendforschung Werden wir eine Gesellschaft von Dopern?

Redakteur: Matthias Back

Die aktuelle Studie über das offenbar jahrzehntelange, systematische Doping im Leistungssport der Bundesrepublik, führt in diesen Tagen zu Forderungen nach radikalen Maßnahmen und neuen Anti-Dopinggesetzen. Doch für Trend- und Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky, den Direktor des Leipziger Trendforschungsinstituts „2b AHEAD ThinkTank“ ist dies keine Sache des Sports.

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Nach Meinung des Trendforschers Sven Gábor Jánszky ist Doping keine Sache des Sports. Körperoptimierung mit allen Mitteln ist einer der prägendsten Trends der Gesellschaft und sogar moralisch vertretbar, so der Wissenschaftler.
Nach Meinung des Trendforschers Sven Gábor Jánszky ist Doping keine Sache des Sports. Körperoptimierung mit allen Mitteln ist einer der prägendsten Trends der Gesellschaft und sogar moralisch vertretbar, so der Wissenschaftler.
(Bild: Bofotolux/Fotolia.com)

Im einem Interview erklärt der Forscher, wieso deutsche Manager dopen und und was das für die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie in den kommenden Jahren bedeutet.

Frage: Die neue Studie über das Doping im westdeutschen Sportsystem hat für empörte Reaktionen gesorgt. Die chemische Leistungsmanipulation scheint im Sport ungebrochen zu sein. Kann dieser Trend auch auf andere gesellschaftliche Bereiche übergreifen?

Jánzsky: Der Trend hat schon längst übergegriffen. Die Optimierung seines Körpers ist vermutlich das Ziel des Menschen seit es ihn gibt. Schon der wöchentliche Gang ins Fitnessstudio oder der Friseurbesuch sind Methoden der Körperoptimierung. Doch auch die chemischen Manipulationen sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das beginnt mit der Tasse Kaffee am Morgen zum wach werden, geht über den Joghurt, der Manager für die nächsten Stunden einer Verhandlung etwas schneller im Kopf sein lässt und endet beim Energydrink, der einen nachts länger durchhalten lässt. Das ist alles nichts Neues. Wir Trendforscher erwarten, dass in wenigen Jahren nahezu die Hälfte aller Lebensmittel aus functional food besteht. Die machen nicht nur satt, sondern haben auch eine sinnvolle Nebenwirkung. Wir werden eine Gesellschaft der Doper!

Frage: Die Einnahme solcher Mittel ist allerdings nicht verboten im Gegensatz zu den Dopingfällen im Sport. Ist also eine mithilfe eines Energydrinks bestandene Klausur zumindest moralisch genauso verwerflich wie ein pharmazeutisch getunter Weltrekordlauf?

Jánszky: Der entscheidende Unterschied ist die Wettkampfsituation. Wenn im Sport Mann gegen Mann läuft, dann ist die Manipulation verwerflich, wenn nicht alle gedopt sind. Dieses Erschleichen eines Vorteils ist aus meiner Sicht der einzige Grund, warum der Sport so harsch gegen Doping vor-geht. Wenn wir aber nicht in Wettkampfsituationen sind, sondern nur für uns allein das Beste aus uns herausholen wollen, dann haben wir in der Gesellschaft kein Problem damit. Dies tut eine Masse an Freizeitsportlern in Fitnessstudios, dies tut eine Masse der Studenten beim Klausuren schreiben. So lange wir damit keinem anderen schaden, ist das kein Problem. Oder anders gesagt: Wenn Sportler nur zuhause im Fitnesscenter dopen und nie einen Wettkampf bestreiten, würde sich niemand darum scheren.

Frage: Studenten oder Manager stehen doch auch im Wettstreit miteinander, sei es um die besten Noten, die zum besseren Job führen oder um den nächsten Auftrag, der zur nächsten Beförderung führt.

Jánszky: In meiner Wahrnehmung ist das Schreiben einer Klausur der Kampf eines Menschen gegen eine bestimmte Norm, also in diesem Fall eine Note. Wenn ich mich optimiere, um diese Norm zu erreichen, dann schade ich keinem anderen. Das kann man natürlich anders sehen, denn es entsteht natürlich irgendwann ein sozialer Druck auf die wenigen Dopingverweigerer. Darüber müssen wir eine gesellschaftliche Debatte führen und die Konsequenz wären irgendwann Dopingtests vor Prüfungen. Die wahrscheinlichere Folge wird jedoch eher sein, dass die Leistungen an Universitäten steigen und die Normen ganz einfach angepasst werden müssen.

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