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Tierseuche breitet sich aus

Wie kann die Afrikanische Schweinepest gestoppt werden?

| Autor / Redakteur: Susanne Hufe* / Christian Lüttmann

Hans-Hermann Thulke und sein Team modellieren, wie sich die Afrikanische Schweinepest ausbreitet (Ausschnitt).
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Hans-Hermann Thulke und sein Team modellieren, wie sich die Afrikanische Schweinepest ausbreitet (Ausschnitt). (Bild: André Künzelmann / UFZ)

Die Afrikanische Schweinepest nähert sich Deutschland. Auch wenn das Virus nicht für Menschen gefährlich ist, bedroht es die Schweinebestände und kann große ökologische und wirtschaftliche Schäden verursachen. Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung untersuchen Strategien, um die Tierseuche an der Ausbreitung zu hindern.

Leipzig – Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich 2018 im Vergleich zum Vorjahr weiter ausgebreitet. Neue Ausbrüche wurden unter anderem in Rumänien und Bulgarien festgestellt, fernab des eigentlichen Zentrums der Epidemie im Nordosten Europas. Und sogar in Belgien wurden im November 2018 zahlreiche tote Wildschweine gefunden – nur 60 Kilometer von Deutschland entfernt.

Es ist naheliegend, dass das Virus unabsichtlich über den Menschen nach Belgien eingeschleppt wurde, statt durch die natürliche Verbreitung über Wildschweine und freilaufende Hausschweine, heißt es in einer Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Deshalb ist die Sorge in der EU groß, dass die Afrikanische Schweinepest überall unvermittelt auftreten und damit zu großen wirtschaftlichen Schäden führen kann.

Drei Szenarien mit unterschiedlicher Brisanz

Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig untersucht ein Team um Dr. Hans-Hermann Thulke Strategien, welche die Ausbreitung der Krankheit stoppen sollen. Dazu haben sie drei verschiedene Ausgangsszenarien modelliert und die derzeit verwendeten Gegenmaßnahmen bewertet. Die Szenarien sind

  • Erstens: ASP-freie Gebiete, die räumlich weit entfernt vom derzeitigen Zentrum der Epidemie liegen.
  • Zweitens: ASP-freie Gebiete, die aber nahe an ASP-Gebieten liegen und damit ein höheres Risiko haben, dass sich die Seuche auf natürliche Weise über Wildschweine ausbreitet.
  • Drittens: Gebiete, in denen das Virus fernab des aktuellen ASP-Geschehens infolge der Ausbreitung über den Menschen plötzlich in Form eines Punkteintrags auftritt und schnelles Handeln notwendig macht.

Da sehr wahrscheinlich der Punkteintrag für das Auftreten von ASP in Belgien gesorgt hat, konzentrierten sich die UFZ-Forscher auf dieses Szenario. „Die Herausforderung in diesem Fall ist, dass man nicht wissen kann, wann, wo und in welchem Ausmaß die Schweinepest auftritt“, sagt Thulke.

Schutzzaun für infizierte Zone

Im Falle des Punkteintrags gliedert die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit die Areale rund um den Ort des Auftretens der ASP in drei Zonen: Die Kernzone ist von einem Schutzzaun begrenzt. Dieser soll verhindern, dass einerseits Wildschweine die innerste Zone verlassen und anderseits, dass Menschen sie betreten. An die Kernzone grenzt eine Pufferzone, die von einer Jagdzone umschlossen wird. Darin sollen Jäger den Wildschweinen intensiv nachstellen.

Kadaver rechtzeitig entfernen

Die UFZ-Forscher simulierten nun Szenarien, in denen sie verschiedene Variablen variierten - etwa die Größe der Zonen, die Jagdintensität oder die Wahrscheinlichkeit, mit der die Kadaver entdeckt werden. Auch wie häufig tote Wildschweine entfernt werden oder wie durchlässig der Schutzzaun ist, berücksichtigten die Forscher in ihrem Modell. Mit den Ergebnissen bewerteten sie, welche Bekämpfungsmaßnahmen am ehesten die ASP-Ausbreitung stoppen können.

Dabei zeigte sich unter anderem, wie wichtig es ist, tote Wildschweine unter strengsten Hygienebedingungen schnell zu sammeln und zu entsorgen. Denn gesunde Wildschweine können sich an den toten Artgenossen infizieren. Werden aber beispielsweise in der Kernzone 20 Prozent der toten Schweine entfernt, steigt die Wahrscheinlichkeit, den Virus zu stoppen, auf 80 Prozent – sofern parallel in der Jagdzone Wildschweine geschossen werden. Wenn doppelt so viele der toten Schweine zeitnah entfernt werden, liegt auch ohne zusätzliche intensive Bejagung die Wahrscheinlichkeit zur Eindämmung bei 80 Prozent.

Kaum Chancen bei großflächiger Verbreitung

Mit den Zonen lässt sich die Afrikanische Schweinepest allerdings nur bei einem Punkteintrag sinnvoll bekämpfen. „Tritt der Virus bereits flächig auf und sind lange Grenzen zu schützen, zeigte unsere Simulation, dass diese Bekämpfungsstrategie nicht mehr weiterhilft“, sagt Thulke. Dies passe zu den praktischen Erfahrungen, dass sich die Seuche kaum an ihrer Ausbreitung hindern lässt, hat sie sich einmal festgesetzt. „Insofern sehe ich die konsequente Umsetzung der Maßnahmen bei einem Punkteintrag als Chance, die es nicht zu verspielen gilt“, sagt Thulke. Er baute für die Analysen auf den 20-jährigen Erfahrungen auf, die das UFZ bei Modellierungen etwa zur Bekämpfung der Tollwut, der Maul- und Klauenseuche sowie der ASP sammelte.

Originalpublikation: European Food Safety Authority (EFSA), Anette Boklund, Brigitte Cay, Klaus Depner, Zsolt Fӧldi, Vittorio Guberti, Marius Masiulis, Aleksandra Miteva, Simon More, Edvins Olsevskis, Petr Satran, Mihaela Spiridon, Karl Stahl, Hans-Hermann Thulke, Arvo Viltrop, Grzegorz Wozniakowski, Alessandro Broglia, Jose Cortinas Abrahantes, Sofie Dhollander, Andrey Gogin, Frank Verdonck, Laura Amato, Alexandra Papanikolaou and Christian Gortazar Epidemiological analyses of African swine fever in the European Union (November 2017 until November 2018). EFSA journal, Volume16, Issue11; DOI: 10.2903/j.efsa.2018.5494

* S. Hufe, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, 04318 Leipzig

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