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Stimmungsbarometer der Life-Science-Labore Wie Lieferengpässe die Laborsicherheit strapazieren

Die Labore der Life-Science-Branche arbeiten seit zwei Jahren am Limit – und Lieferengpässe halten die Spannung hoch. Schließlich kann es weiterhin passieren, dass der Nachschub an Laborhandschuhen oder Pipettenspitzen ausbleibt. Wie die Lage von den Mitarbeitern eingeschätzt wird, zeigt eine aktuelle Umfrage des Laborbedarf-Herstellers Starlab.

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Schutzhandschuhe gehören zur Grundausstattung im Labor. Durch die gewaltige Nachfrage in der Coronakrise kam und kommt es aber immer wieder zu Lieferengpässen.
Schutzhandschuhe gehören zur Grundausstattung im Labor. Durch die gewaltige Nachfrage in der Coronakrise kam und kommt es aber immer wieder zu Lieferengpässen.
(Bild: gemeinfrei, Maskmedicare Shop / Unsplash)

Personalmangel, zu wenig Testkapazitäten, steigender Preisdruck: Zu Beginn des Jahres 2022 bestimmt Corona mit der Omikron-Mutation weiterhin nicht nur den politischen und gesellschaftlichen Diskurs, sondern auch die Situation in Europas Laboren. „Mit Omikron sind PCR-Tests und Infektionsraten zum Jahreswechsel rapide gestiegen. Damit sind die rund 180 meldenden Labore mit ihren zuletzt 2,5 Millionen Testungen pro Woche allein in Deutschland in Sachen Materialien und Personal längst an ihr Limit gekommen“, sagt Klaus Ambos, Geschäftsführer der auf Liquid Handling und Laborprodukte spezialisierten Starlab-Unternehmensgruppe.

Das habe die gesamte Life-Science-Branche in einen Teufelskreis gebracht: Einerseits wird immer mehr Material benötigt, andererseits fehlt es an Nachschub. Der seit mehr als zwei Jahren angespannte Zustand treffe besonders solche Institute, die wichtige Grundlagenarbeit betreiben, aber bei dem durch Corona ausgelösten Preiswettbewerb nicht mithalten können, schildert Ambos. Bei vielen Laboren gelte seit einiger Zeit der Ansatz: „Wir nehmen, was immer wir kriegen können“. Oft bestellen Anwender bei mehreren Herstellern gleichzeitig, um die Chance zu erhöhen, überhaupt Grundausrüstung wie Laborhandschuhe oder Pipettenspitzen geliefert zu bekommen.

Diese Situation habe es auch Wettbewerbern vom chinesischen Markt ermöglicht, in Deutschland erstmals einen ertragreichen Boden zu finden. Der Grund laut Ambos: Die bislang etablierten Hersteller von qualitativ hochwertigen Materialien sind weltweit nicht mehr in der Lage, die Nachfrage zu decken, sodass nun auch andere Wettbewerber Fuß fassen. Dies führe allerdings zu bedenklichen Situationen für die Sicherheit der Mitarbeiter, weil die Qualität der Produkte mitunter nicht auf dem gewohnten europäischen Standard liegt, wie der Starlab-Geschäftsführer betont. „Laboranten sind teilweise gezwungen, zwei, drei Handschuhe übereinander anzuziehen, um halbwegs die gleiche Sicherheit zu haben.“ In der Krisenlage sei das manchmal die einzige Möglichkeit, überhaupt noch die Laborarbeit und Laborsicherheit aufrecht zu halten – trotz Lieferschwierigkeiten diverser Hersteller.

Noch kein Ende in Sicht

Einen Rückgang der Nachfrage an Verbrauchsmaterialien sieht Ambos aktuell noch nicht. Die Pandemie hat ihm und anderen Vertretern der Laborbranche gezeigt wie anfällig das bisherige System von Herstellern und Zulieferern von Laborartikeln im Krisenfall ist. Starlab setzte wie viele andere Unternehmen auf eine Just-in-time-Lieferung, die bei den Anwendern auch so gewünscht war. Schließlich stellt die Bevorratung von Verbrauchsmaterialien „totes Kapital“ dar und verschlingt sogar Lagerflächen und verursacht damit Kosten. In der Pandemie hat sich dieses bedarfsorientierte Modell allerdings gerächt und größere Vorräte in den Instituten hätten zumindest einen längeren Puffer geschaffen, um dem Mangel an Verbrauchmaterialien vorzubeugen.

Stimmungsbild der Life-Science-Branche

Doch wie nehmen die Labore der Life Sciences die Lage tatsächlich wahr? Hierzu hat Starlab wie schon vor einem Jahr eine Umfrage unter mehr als 200 Labormitarbeitern durchgeführt. Das Stimmungsbarometer erfasst u. a. die Versorgung mit Liquid-Handling-Materialien wie etwa Schutzhandschuhen und Pipetten.

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Woher kommen die Daten für das Stimmungsbarometer?

Für die Umfrage wurden im Dezember 2021 insgesamt 213 Labor-Mitarbeiter aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Italien und Frankreich über die Kundendatenbank von Starlab befragt. Bei 40 Prozent der Befragten handelt es sich um Labortechniker, 26 Prozent sind im Labor-Management tätig, 14 Prozent von ihnen sind Doktoranden, Principal Investigator oder Postdoc und 12 Prozent arbeiten in sonstigen Laborbereichen. Etwa 8 Prozent der Befragten sind im Einkauf tätig.

Stimmten in der Vorjahresumfrage noch 39 Prozent der Befragten zu, ausreichend mit den benötigten Liquid-Handling-Materialien versorgt zu sein, hat sich dieser Wert nun fast halbiert (23 Prozent). Zurückzuführen ist dies laut Starlab auf verspätete Lieferungen, die 64 Prozent der Befragten zu schaffen machen.

Lieferengpässe und gewaltige Preiserhöhungen

Besonders heikel ist die wahrgenommene Ungleichbehandlung bei Lieferanfragen. 58 Prozent der befragten Laboranten führen nämlich den aktuellen Materialmangel ganz oder überwiegend darauf zurück, dass medizinische Labore krisenbedingt bevorzugt werden. Im Vorjahr hatten lediglich 46 Prozent einen solchen Zusammenhang gesehen.

Gleichzeitig attestieren 30 Prozent der befragten Laboranten grundsätzlich einen höheren Materialbedarf. „Immer wieder neue Mutationen und Corona- Wellen haben für einen enormen Nachfrageschub gesorgt“, sagt Ambos. „Zusätzlich zur ohnehin angespannten Lage und hohen Nachfrage hat dies bei vielen Produzenten und Händlern zu leeren Lagern geführt.“ Der Mix aus hoher Nachfrage, Rohstoffknappheit und Lieferengpässen bleibt nicht ohne Folgen für die Preise. Drei Viertel aller Labore (76 Prozent) spüren bereits einen steigenden Preisdruck bei ihrer täglichen Arbeit. So gab es bei Schutzhandschuhen teilweise eine Verdreifachung der Preise, Containerlieferungen sind durch Corona sogar bis um das Achtfache verteuert, wie Ambos schildert.

Herausforderungen 2022

Die Situation der vergangenen beiden Jahre wird sich nach Meinung des Starlab-Geschäftsführers auch 2022 fortsetzen. Dabei sind die Herausforderungen für viele Universitäten, Kliniken, Institute, Labordienstleister und Pharmaunternehmen die gleichen wie zuvor: Für das laufende Jahr erwarten 36 Prozent weiterhin Versorgungsengpässe. 31 Prozent befürchten steigende Preise beim Verbrauchsmaterial. Und 17 Prozent sehen Personalengpässe im laufenden Jahr als Hürde – der immer wieder bemängelte Fachkräftemangel. Hier wirbt Ambos um mehr Initiative seitens der Politik.

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Schon in der Schule brauche es mehr Engagement, den Jugendlichen die Laborberufe aus der Molekularbiologie näher zu bringen, z. B. biologisch- oder medizinisch-technische Assistenten (BTA, MTA). Hier sieht Ambos auch die Unternehmen in der Pflicht, mehr und bessere Ausbildungsangebote zu schaffen, um langfristig aus dem Fachkräftemangel herauszukommen und die Basis für eine funktionierende Life-Science-Branche zu sichern.

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