Worldwide China

Methylquecksilber

Einfacher Nachweis von Methylquecksilber

19.10.2009 | Redakteur: Olaf Spörkel

Ein offener Deckel verrät Methylquecksilber.
Ein offener Deckel verrät Methylquecksilber.

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat ein einfaches Testsystem entwickelt, mit dem sich Methylquecksilber in biologischen Proben schnell und selektiv nachweisen lässt.

Frankfut a.M. - Quecksilber ist sehr giftig. Toxische Spitzenreiter sind organische Quecksilberverbindungen wie Methylquecksilber. Bisherige analytische Verfahren zum Nachweis von Methylquecksilber waren in der Regel technisch aufwendig und nur im Labor durchführbar. Ein spanisch-deutsches Team hat jetzt einen Ansatz entwickelt, mit dem sich die Verbindung einfach und vor Ort nachweisen ließe.

Quecksilber in der Umwelt

In der Natur entsteht aus vielen Quecksilberverbindungen das besonders gefährliche Methylquecksilber, das sich in der Nahrungskette anreichert und vor allem Meerestiere belastet. Menschen, die regelmäßig belasteten Fisch essen, leiden an Beschwerden wie Kopf- und Gliederschmerzen, Herz-Kreislauf- und Autoimmunerkrankungen, Lähmungserscheinungen und können erblinden. Schwere chronische Vergiftungen enden tödlich.

Das Team um Ramón Martínez-Máñez von der polytechnischen Universität Valencia und Knut Rurack von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung hat nun einen Schnelltest zum Nachweis des Giftes entwickelt, der ausnutzt, dass Quecksilberverbindungen eine hohe Affinität für Schwefelatome aufweisen: In die Kanälchen eines künstlichen porösen Minerals füllen sie Farbstoffmoleküle. An die Oberfläche knüpfen sie schwefelhaltige Gruppen, über die organische Moleküle angedockt werden, die so raumgreifend sind, dass sie die Poren wie ein Deckel verschließen und den Farbstoff einschließen. Wird eine Methylquecksilber-haltige Probe zugegeben, stürzt sich dieses auf die schwefelhaltigen Gruppen und spaltet die Porendeckel ab. Die Poren sind wieder offen und der Farbstoff tritt aus.

Nachweis geringster Konzentrationen

Nach Angaben der Forscher reichen bereits wenige Methylquecksilberteilchen aus, um eine große Anzahl an Farbstoffmolekülen freizusetzen, sodass ein einfacher optischer Nachweis auch geringer Konzentrationen des Giftes auch in komplexen biologischen Proben gelingt. Das Testsystem lässt sich auch in eine wasserabweisende Matrix einbetten. So weist der Test selektiv nur noch Methylquecksilber nach, während wasserlösliche anorganische Quecksilberverbindungen ausgeschlossen bleiben und keine Farbreaktion hervorrufen.

Die Forscher stellen sich eine Art Teststreifen vor, der einfach in eine aufbereitete Probe, etwa von Fisch, eingetaucht werden müsste, um festzustellen, ob dieser mit Methylquecksilber belastet ist.

Originalveröffentlichung: Angewandte Chemie, doi: 10.1002/ange.200904243

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 323017 / Wissenschaft & Forschung)