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Kinderwunsch Zeitfragen: Neues aus der Fortpflanzungsmedizin

Autor / Redakteur: Dana Hoffmann / Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Der technische Fortschritt macht vieles möglich, was noch vor zehn Jahren undenkbar war. In Europa werden gesellschaftliche Entwicklungen für verantwortlich gemacht, dass Paare sich immer später mit dem Thema Kinder befassen und dann zunehmend Hilfe von außen brauchen. Wie ist der Stand der Dinge im Jahr 2017?

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Viele Paare helfen ihrem Kinderwunsch mittlerweile mit technischen Mitteln nach.
Viele Paare helfen ihrem Kinderwunsch mittlerweile mit technischen Mitteln nach.
(Bild: gemeinfrei)

Würzburg – Die Krokusse sprießen, langsam wird es wärmer in unseren Breiten, da sind auch Frühlingsgefühle aller Art nicht weit weg. Mit dem Wonnemonat Mai steigt die Zahl der gezeugten Kinder im Jahresverlauf steil an, die ab Februar des Folgejahres geboren werden. Wie viele dieser Kinder tatsächlich im reinen Hormonrausch entstehen und wie viele mit reproduktionsmedizinischer Hilfe ins Leben starten, wird nicht offiziell erfasst. Man geht jedoch davon aus, dass bereits etwa jeder 40. dieser Tage in Deutschland geborene Mensch außerhalb des Körpers gezeugt wurde.

Promis sind auch nur Menschen

Viele Missverständnisse ranken sich um das Thema Empfängnis und insbesondere die weibliche Fruchtbarkeit. Tendenziell hat frau den Eindruck, wesentlich fruchtbarer zu sein, als es sich letztlich erweist, wenn es dann endlich losgehen soll. Promis machen das späte Kinderkriegen vor und es sind nicht nur die schon seltsam anmutenden Extremfälle wie Janet Jackson oder die italienische Rockröhre Gianna Nannini, die mit satten 50 bzw. 56 Jahren erstmals Kinder bekamen. Was bei der ausführlichen Berichterstattung darüber oft untergeht: Diese Kinder sind mit Sicherheit nicht auf althergebrachte Weise entstanden und genetisch nicht mit ihren Müttern verwandt.

Selbst weniger spektakuläre Fälle wie der von Amal Clooney, die mit 39 Jahren zweieiige Zwillinge erwartet, lassen vermuten, dass eine Klinik nachgeholfen hat, wenn man bedenkt, dass bereits ein gutes Drittel aller Zwillingsgeburten in den USA auf ärztliche Eingriffe zurückzuführen ist. Dabei geht der Trend neuerdings zu weniger Embryonen, die Frauen je Versuch eingesetzt werden, seit Forscher heraus gefunden haben, dass die Chancen auf eine Schwangerschaft bei geringerer Anzahl an implantierten Embryonen nicht signifikant geringer sind, wohingegen potentiell entstehende Mehrlingsschwangerschaften grundsätzlich mit erheblichen Risiken für Mutter und Kinder behaftet sind.

Weniger eingesetzte Embryonen

Es gibt inzwischen Hinweise darauf, dass die Verwendung eines suboptimalen Embryos zusammen mit einem ideal scheinenden das Risiko erhöht, dass keine Schwangerschaft zustande kommt. Das widerspricht zunächst der generellen Logik, nach der mehr befruchtete Eizellen je Versuchszyklus die Chancen auf eine Schwangerschaft verdoppeln, verdreifachen usw. Dies gilt umso mehr, als jeder Versuch mit erheblichen Belastungen für die Frau und nicht zuletzt Kosten verbunden ist, von denen in Deutschland maximal drei von der Krankenkasse bezuschusst werden.

Besonders wichtig ist das für Paare, die sich ihres Alters wegen von der Medizin auf die Sprünge helfen lassen, weil der Gesetzgeber für den Fall, dass es nicht funktioniert, auch Adoptionen enge Altersgrenzen setzt. Denn der Trend zum späten Kinderwunsch ist hierzulande weiter ungebrochen: Die meisten erstgebärenden Frauen in Deutschland waren im Jahr 2015 bereits um die 30 Jahre alt. Und selbst sie laufen Gefahr, beim Wunsch nach weiteren Kindern an die Grenzen ihrer Fruchtbarkeit zu stoßen.

Der Markt schläft nicht

Und wo ein drängendes Problem auftaucht, findet sich auch mindestens ein Anbieter, der es zu lösen bereit ist – bis in umstrittene oder sogar hier illegale Bereiche. In Berlin fand im Februar 2017 unter großer medialer Aufmerksamkeit zum ersten Mal in Deutschland eine Publikumsmesse statt, bei der Unternehmen aus dem In- und Ausland über ihre Produkte und Dienste rund um den Kinderwunsch informierten. Bewerben durften sie sie nicht, wenn es sich um solche handelt, die in der Bundesrepublik ausdrücklich verboten sind, etwa die Eizellenspende oder Leihmutterschaften. Besser beraten als mit zwielichtigen Angeboten ist in jedem Fall, wer sich als Mann und Frau rechtzeitig mit der Frage auseinander setzt, ob Kinder nicht bereits vor dem 30. Geburtstag in die Lebensplanung passen.

Neuer Test: Das Anti-Müller-Hormon

Frauen, die genauer wissen wollen, ob sie ihren Kinderwunsch noch hinauszögern können, erhalten seit wenigen Jahren ein vielversprechendes Angebot: Bei den meisten Frauenärzten können sie mit einem Bluttest ihren persönlichen Spiegel des Anti-Müller-Hormons (AMH) bestimmen lassen. Mit ihm lässt sich relativ verlässlich herausfinden, wie viele Eizellen eine Frau noch übrig hat. Die Kosten für den Test können bei längerem unerfülltem „Üben“ von der Krankenkasse übernommen werden. Als Selbstzahlerleistung ist frau mit etwa 50 Euro dabei.

Allerdings ist die Fortpflanzungsfähigkeit von Frauen gegenüber der von Männern wesentlich komplexer. Während deren Beitrag zum Kind anhand von Anzahl, Morphologie und Motilität der leicht zu gewinnenden Spermien gut und eindeutig abgeschätzt werden kann, ist die Eizellenreserve der Frau nur ein Faktor von vielen. Daher ist der AMH-Test nur für Frauen wirklich aussagekräftig, die bereits schwanger waren und daher sicher sein können, dass auch alle anderen Voraussetzungen bei ihnen zumindest in der Vergangenheit erfüllt waren. Wer noch nie ein Kind empfangen hat, könnte von einem guten AMH-Wert in falscher Sicherheit gewiegt werden, obwohl etwa die Eileiter nicht funktionieren, Myome die Gebärmutter belasten oder Schilddrüsenprobleme den Hormonhaushalt durcheinander bringen.

Ein Kind: die letzte große Ungewissheit

Auch wenn die meisten Anbieter also Klarheit oder sogar sichere Lösungen versprechen, gibt es tatsächlich keine absoluten Sicherheiten. Während manche Paare beim ersten Versuch schwanger werden, üben andere jahrelang. Einige bekommen nach langwierigen Kinderwunsch-Behandlungen auf natürliche Weise ein Kind. Und wieder andere Paare aller Altersklassen überwinden ihre Probleme nie und müssen nach zehrenden Investitionen an Geld, Zeit, Hormonen und vor allem Hoffnung den Wunsch nach dem eigenen kleinen Spross aufgeben. Leider hat der Markt für sie keine Lösungen parat.

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