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Fruchtfliege Zelltheraphie lässt Fruchtfliegen deutlich älter werden

| Redakteur: Dipl.-Chem. Marc Platthaus

Einem Team von Berner Forschenden ist es gelungen, die Lebensdauer von Fliegen deutlich zu erhöhen. Sie aktivierten ein Gen, welches ungesunde Zellen zerstört. Da diese Gen auch im menschlichen Organismus vorkommt, könnte so auch die Zellalterung beim Menschen verlangsamt werden.

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Auch ein dank Zelltherapie verlängertes Leben ist irgendwann zu Ende: ein totes Exemplar der Fliege Drosophila melanogaster.
Auch ein dank Zelltherapie verlängertes Leben ist irgendwann zu Ende: ein totes Exemplar der Fliege Drosophila melanogaster.
(Bild: Institut für Zellbiologie)

Bern/Schweiz – Unsterblichkeit ist ein alter Menschheitstraum. In vielen Mythologien ist es die Unsterblichkeit, welche die Götter vom Menschen trennt. Heute versuchen Biologen die Lebensdauer des Menschen durch die Erforschung von Modell-Organismen wie Mäusen oder Fliegen zu verlängern. Unter der Leitung von Eduardo Moreno ist es Forschenden des Instituts für Zellbiologie der Universität Bern nun gelungen, eine neue Methode zur Verlängerung der Lebensdauer von Fliegen zu entwickeln. Diese basiert auf der gezielten Selektion der am besten funktionierenden Zellen.

„Unsere Körper bestehen aus mehreren Billionen Zellen“, erklärt Moreno. „Während wir altern, sammeln sich in ihnen aufgrund von Überbelastungen oder äußerer Störfaktoren, wie der UV-Strahlung der Sonne, immer mehr zufällige Defekte an.“ Aber diese Defekte treten nicht bei allen Zellen zur gleichen Zeit und mit der gleichen Intensität auf, wie er sagt: „Manche Zellen sind stärker davon betroffen als andere. Wir kamen deshalb auf die Idee, dass wir die Gesundheit des Zellgewebes und damit die Lebensdauer eines Organismus erhöhen können, indem wir die gesunden Zellen auslesen und die beschädigten eliminieren.“

Gen führt „Qualitätskontrolle“ bei Zellen durch

Um ihre Hypothese zu testen, griffen die Forschenden auf die Fruchtfliege Drosophila melanogaster zurück. Die erste Herausforderung bestand darin, herauszufinden, welches die gesünderen Zellen in den Organen der Drosophila waren. Morenos Team entdeckte ein Gen, das in weniger gesunden Zellen aktiviert wird. Sie tauften es Ahuizotl (kurz: Azot), nach einer Kreatur aus der aztekischen Mythologie, die Fischbestände von Gewässern schützt, indem sie gezielt Fischerboote attackiert – genau wie das neue Gen: Dieses greift gezielt weniger gesunde Zellen an, um die Unversehrtheit und Gesundheit von Organen wie dem Hirn oder den Eingeweiden zu schützen.

Normalerweise befinden sich zwei Kopien dieses Gens in einer Zelle. Indem sie eine dritte Kopie einfügten, konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die gesünderen Zellen und Nervenzellen effizienter aussortieren. Das Resultat dieser zellulären „Qualitätskontrolle“ war laut Moreno „äußerst aufregend“: Die behandelten Fliegen wiesen ein gesünderes Zellgewebe auf, alterten langsamer und hatten eine längere Lebensdauer. „Unsere Fliegen lebten im Mittel um 50 bis 60 Prozent länger als ihre übrigen Artgenossen“, sagt Christa Rhiner, Ko-Autorin der Studie.

Könnte Azot auch das menschliche Altern verlangsamen?

Das Potenzial dieser Resultate geht aber über die Erschaffung von Methusalem-Fliegen hinaus, wie die Forschenden sagen: Weil das Azot-Gen auch im menschlichen Körper vorkommt, könnte die Selektion gesünderer, fitterer Zellen in den Organen künftig als Mechanismus zur Verlangsamung des Alterns dienen. Beispielsweise könnte damit der im Laufe des Lebens zunehmenden Degeneration von Gewebe und Nervenzellen in unseren Körpern entgegengewirkt werden.

Originalpublikation: Merino MM, Rhiner C, Lopez-Gay JM, Buechel D, Hauert B and Moreno E. Elimination of unfit cells maintains tissue health and prolongs lifespan. Cell, 2015 (in press) DOI: 10.1016/j.cell.2014.12.017.

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