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Pharma 2020 Pharma 2020-Studie beschreibt Trends und Entwicklungschancen der Pharmabranche

Redakteur: Olaf Spörkel

Die aktuelle Pharma 2020-Studie von PricewaterhouseCoopers zeigt, dass eine virtuelle Forschung und Entwicklung die Unternehmen der Pharmabranche entscheidend unterstützen kann. Die Zeitersparnis für klinische Studien soll bereits jetzt bis zu 40 Prozent betragen.

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Frankfurt am Main – Angesichts steigender Kosten für Forschung und Entwicklung (F&E) neuer Arzneimittel und der gleichzeitig sinkenden Anzahl marktreifer neuer Präparate gerät die Pharmaindustrie zunehmend unter Druck. Zahlreiche Präparate verlieren in den nächsten Jahren ihren Patentschutz. Zudem scheint sich die Zeit der Blockbuster-Medikamente dem Ende zuzuneigen, sodass die forschenden Pharmaunternehmen die F&E-Kosten eines Präparats künftig aus einem kleineren Umsatzvolumen amortisieren müssen. Die Studie Pharma 2020: Virtual R&D. Which path will you take? von PricewaterhouseCoopers geht davon aus, dass Verbesserungen in kleinen Schritten zukünftig nicht mehr ausreichen werden, um den Herausforderungen zu begegnen. Besonders notwendig sind innovative Ansätze im Bereich F&E, die das regulatorische und gesellschaftliche Umfeld mit einbeziehen.

Pharma 2020 baut auf virtuelle Simulation neuer Wirkstoffkomponenten

Die Pharmaunternehmen benötigen schnellere und zuverlässigere Methoden, um neue Wirkstoffe zu testen. Nach Einschätzung der Studie kann virtuelle Forschung und Entwicklung die Unternehmen an entscheidenden Stellen unterstützen. „Eine Lösung hierfür wäre zum Beispiel die virtuelle Simulation neuer Wirkstoff-Komponenten und ihrer Wirkungen“, so Volker Booten, verantwortlicher Partner für den Bereich Chemicals & Pharma bei PwC in Deutschland. „Die gezielte Suche nach neuen Substanzen bis hin zu maßgeschneiderten neuen Wirkstoffen durch virtuelle Simulation könnte die Schlagzahl der Forschung erhöhen und die Kosten pro Medikament senken“. Die Verkürzung des Zeitaufwands für klinische Studien könnte sich ebenfalls positiv auf die Kosten auswirken und es erlauben, die Laufzeit eines Wirkstoff-Patents länger kommerziell zu nutzen.

Umsatzeinbußen durch Generika

„Dieser Effekt wird umso wichtiger, je häufiger Generika-Hersteller versuchen, Arzneimittel bereits vor dem Ende der Patentlaufzeit zu kopieren. Marktbeobachter schätzen, dass die zehn größten Pharmakonzerne der Welt schon bis 2015 zwischen zwei und 40 Prozent ihrer heutigen Umsätze durch generische Nachahmer einbüßen werden“, unterstreicht Volker Booten. Nur vier der weltweit zehn größten Pharmaunternehmen haben derzeit genügend Produkte in ihrer Pipeline, um auslaufende Patente und den Verlust an Einnahmen auszugleichen.

Das Innovations-Defizit wird strategische Auswirkungen auf die gesamte Branche haben, prognostiziert die Studie von PwC. Manches Unternehmen werde neue Schwerpunkte setzen oder sogar seine Kernkompetenzen neu definieren müssen. In einzelnen Fällen kann das den Ausstieg aus Forschungsfeldern bedeuten.

Virtuelle Organismen dienen als Simulationsmodell

Ehe die Branche den virtuellen Ansatz nutzen kann, bedarf es laut Studie allerdings noch gewaltiger Anstrengungen, da die erforderlichen Verfahren und Modelle bislang nur in Ansätzen existieren. So hat die American Diabetes Association gemeinsam mit dem amerikanischen Biotech-Unternehmen Entelos eine virtuelle Maus entwickelt, an der Forscher die Wirkung neuer Medikamente, ihre Dosierung und verschiedene Einnahmeformen für die Behandlung von Diabetes-Typ 1 simulieren können.

Um das Modell eines virtuellen Menschen aufzubauen, werden enorme Datenmengen benötigt, die es zum großen Teil noch gar nicht oder nur in unzureichender Qualität gibt. Zwar existieren schon Kooperationen, die an Teilen eines solchen Modells arbeiten. „Doch dieses Projekt ist so komplex, dass es die Pharmaindustrie nicht alleine bewältigen kann. Nur, wenn beispielsweise Hochschulen, Gesundheitsorganisationen, Regierungen und IT-Konzerne aus aller Welt daran mitwirken, hat es langfristig Aussicht auf Erfolg. Und bis 2020 wird erst ein Teil der Aufgaben bewältigt sein“, so Volker Booten.

In den nächsten Jahren werden sich die Pharmahersteller noch mit dem computergestützten Molekül-Design und verschiedenen Teilmodellen wie virtuellen Zellen, Organen oder Tieren begnügen müssen. Doch selbst das verspricht laut PwC-Studie Erfolge. Pharma-Unternehmen, die virtuelle Methoden einsetzen, konnten die Zeiten für klinische Studien um bis zu 40 Prozent und den Bedarf an Test-Patienten um zwei Drittel reduzieren.

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