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Chemosensitivität Chemosensitivität-Testung als Basis für individualisierte Therapien

Redakteur: Olaf Spörkel

Chemotherapien haben sich bei der Behandlung von Patienten mit metastasiertem malignen Melanom bislang als wenig erfolgreich erwiesen. Individualisierte Therapien werden nun auf Basis einer Sensitivitätstestung geprüft.

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Hamburg – Im Gegensatz zu den gängigen Chemotherapien, die nur Ansprechraten von rund zehn Prozent aufweisen, sollen individualisierte Chemotherapien den Krankheitsverlauf beim malignen Melanom positiv beeinflussen. Durch den individuellen Einsatz von Zytostatika erwartet man eine erfolgreichere Therapie des bösartigen Tumors. Eine Phase II-Studie hat gezeigt, dass die in vitro ermittelte Sensitivität oder Resistenz gegen Zytostatika das Ansprechen der Patienten auf Chemotherapie richtig vorhersagt.

Zur Bestimmung der Chemosensitivität setzten die Dermato-Onkologen den ATP-Tumorchemosensitivitäts-Assay (ATP-TCA) der Hamburger Firma DCS Innovative Diagnostik-Systeme ein. Bei chemosensitiven Patienten konnte das mediane Gesamtüberleben mit einer individualisierten Zytostatika-Behandlung nach Ergebnis des Tests signifikant auf rund 15 Monate verdoppelt werden. Auch zeigte sich, dass das Ansprechen auf die gezielte Therapie erheblich verbessert wurde.

Ansätze zur individuellen Therapie

Aufgrund der ermutigenden Ergebnisse der vorausgegangenen prospektiven Studie (MM-PAL-6) der ADO wurde die aktuelle Phase III-Studie konzipiert. Etwa 360 Patienten mit histologisch gesicherter Diagnose eines metastasierten malignen Melanoms der Haut oder der Schleimhäute werden in den kommenden drei bis vier Jahren an der Studie teilnehmen. Erfasst werden Erkrankte ab einem Alter von mindestens 18 Jahren, bei denen mindestens eine Läsion mit einem Durchmesser von einem Zentimeter per CT/MRT diagnostiziert wurde. Darüber hinaus sollte bisher keine chemotherapeutische Vorbehandlung im Stadium IV erfolgt sein. Für den Test wird aus einer leicht erreichbaren metastatischen Läsion (in der Regel Haut- oder Lymphknotenmetastasen) eine Probe entnommen. Mit der Probe wird die ex vivo-Chemosensitivitätstestung mit dem ATP-TCA durchgeführt (Testdauer ca. eine Woche). Dem Ergebnis entsprechend erfolgt die individualisierte Therapie unter Verwendung einer Kombination der wirksamsten Zytostatika. „Dieses innovative Konzept bietet Dermato-Onkologen in Kliniken und niedergelassenen Dermatologen einen viel versprechenden Ansatz. Neue individualisierte Therapien können hoffentlich dazu beitragen, die Überlebenszeit zu verlängern und die Lebensqualität dieser Patienten zu verbessern“, erläutert Prof. Dr. med. Axel Hauschild, erster Vorsitzender der ADO und Leiter des Bereichs operative Dermatologie und Dermato-Onkologie an der Hautklinik des Universitätsklinikums Kiel. An dieser ADO-Studie nehmen 23 Zentren aus ganz Deutschland teil. Geleitet wird die randomisiert-prospektive Studie von Prof. Dr. Selma Ugurel, Dermatologische Klinik des Universitätsklinikums Würzburg.

Originalveröffentlichung: Ugurel S. et al.: In vitro Drug Sensitivity Predicts Response and Survival after Individualized Sensitivity-Directed Chemotherapy in Metastatic Melanoma, Clinical Cancer Research 12(18) [2006] 5454

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