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Mikroskopie Mikroskopie in der Gemmologie - „Fehler“ mit exklusiver Ästhetik

| Autor / Redakteur: Michael Hügi * und Anja Schué ** / Olaf Spörkel

In modernen gemmologischen Labors bildet die mikroskopische Untersuchung der inneren und äußeren Merkmale eines Edelsteins noch immer das Rückgrat bei der Beurteilung der Qualitätskriterien.

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„Die Mikroskopie offenbart verborgene Schönheit“, sagt Michael Hügi, Dipl. Mineraloge und Gemmologe FGA, Schweizerische Gemmologische Gesellschaft.
„Die Mikroskopie offenbart verborgene Schönheit“, sagt Michael Hügi, Dipl. Mineraloge und Gemmologe FGA, Schweizerische Gemmologische Gesellschaft.
( Archiv: Vogel Business Media )

Zu den wichtigsten Aufgaben des Gemmologen zählt die Echtheits- und Qualitätsbestimmung eines Edelsteins. Er identifiziert einen unbekannten Stein durch Messung seiner optischen und physikalischen Konstanten, bestimmt Echtheit und Herkunft des Steins und kennt sich mit Behandlungsmethoden aus, die die optische Erscheinung des Steins verbessern. Die inneren Merkmale eines Steins spiegeln die chemischen und physikalischen Bedingungen wider, die während des Mineralwachstums in der Natur – oder bei synthetischen Materialien im Labor – geherrscht haben. Derartige Merkmale können zum Beispiel Farbzonen sein, die durch kristallographische Gesetzmäßigkeiten entstanden sind, oder gesetzmäßige Verwachsungen mehrerer Kristallindividuen, was auch als Verzwillingung bezeichnet wird. Vielfach sind in Edelsteinmineralien auch Fremdsubstanzen eingeschlossen. Dabei wird zwischen den folgenden Einschlusstypen unterschieden:

  • Protogenetische Einschlüsse: Fremdmineralien, die bereits vor der Bildung des Wirtkristalls vorhanden waren und von diesem umwachsen wurden.
  • Syngenetische Einschlüsse: Diese bildeten sich gleichzeitig mit dem Wirtkristall, beispielsweise verheilte Risse. Dabei bilden sich viele kleine Hohlräume (Negativkristalle), die Reste der wässerigen Lösung enthalten, in denen der Kristall gewachsen ist.
  • Epigenetische Einschlüsse: Einschlüsse, die nach der Bildung des Wirtkristalls entstanden sind. Meist handelt es sich um natürliche Rissfüllungen oder Entmischungen im Wirtkristall.

Mikroskop offenbart verborgene Schönheit

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Dass ein guter Edelstein lupenrein sein muss und Einschlüsse „Fehler“ seien, die den Wert eines Steins mindern, stimmt nur bedingt. Bei geschliffenen Diamanten ist die Reinheit des Steins ein maßgebliches Kriterium, das nach einer normierten Nomenklatur bewertet wird. Bei den übrigen Edel- und Schmucksteinen hingegen sind Einschlüsse nicht wertmindernd, solange sie die Erscheinung oder die Beständigkeit des Steins nicht beeinträchtigen. Vielmehr machen sie den Stein einmalig und unterstreichen die Exklusivität – sie sind die Unterschrift der Natur. Neben ihrer wissenschaftlichen Aussagekraft offenbaren Einschlüsse oft erst unter dem Mikroskop ihre einzigartige Ästhetik. In Anbetracht dieser verborgenen inneren Schönheit verkehrt sich der Begriff Fehler in das Gegenteil.

Die mikroskopische Untersuchung von Edelsteinen stellt hohe Anforderungen an den Gemmologen wie an das Instrument. Da meist geschliffene, in Schmuckstücke eingefasste Steine untersucht werden, lassen sich die inneren Merkmale oft nur eingeschränkt beobachten. In einigen Fällen kann eine Immersion in Flüssigkeiten helfen, die eine ähnliche Lichtbrechung wie diejenige des Steins aufweist. Extreme Kontrastunterschiede vor dunklem Hintergrund, beispielsweise aufgrund reflektierender Facetten oder metallisch glänzender Einschlüsse, stellen zudem hohe Anforderungen an die Beleuchtung.

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