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Reportage Laborsicherheit

RKI-Laborneubau und BSL-4-Hochsicherheitslabore in der Praxis

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Dass es soweit kommt, stand nie in Frage, dennoch mussten alle Beteiligten auf dem Weg dorthin einen „langen Atem“ beweisen. Bereits 2001 wurde die Debatte um den Bedarf eines Hochsicherheitslabors in Berlin angestoßen, eine Machbarkeitsstudie wurde ausgeschrieben. 2005 begann die konkrete Planung des Vorhabens durch beauftragte Generalplaner. Eine Baugrube wurde 2009 ausgehoben, das eigentliche Bauvorhaben begann allerdings erst im Jahr 2011 und war nach vier weiteren Jahren schließlich bereit zur Einweihung. „Mir wurde bei unserem Bau oft deutlich, wie viel an einzelnen Personen in Schlüsselpositionen hängt, wie viel sie beschleunigen können – oder auch nicht. Der Ablauf ließ mich gelegentlich an den Regularien des öffentlichen Bauens zweifeln“, beschreibt Prof. Reinhard Burger, bis Februar 2015 Präsident des Robert Koch-Instituts, seine Erfahrungen während des Bauvorhabens.

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Klaus Söhngen, geschäftsführender Gesellschafter vom Unternehmen Eretec Laborplanung, mit dem er als Laborplaner u.a. am Laborneubau des RKI Berlin beteiligt war und gemeinsam mit der Akademie für Fort- und Weiterbildung Gummersbach Veranstalter des Labor-Impuls-Forums 2015, vergleicht: „Im amerikanischen Bereich steht am Anfang eine Idee beziehungsweise ein Projekt, dafür braucht man ein Labor, das wird dann gebaut und das Ganze geht relativ schnell. In Deutschland stellen hingegen Entwicklungszeiten von zehn bis 15 Jahren von der ersten Idee bis zur Umsetzung eine deutliche Einschränkung der Wissenschaft dar.“ Erschwerend kommt hinzu, dass sich über die Jahre der Stand der Wissenschaft und die Anforderungen an das Gebäude deutlich ändern können. So entwickelte sich in Berlin „das Institut schneller als der Bau“, so Burger und, „die Zahl der Belegschaft stieg während des Planungszeitraums um rund ein Drittel“, was viele Pläne bereits vor der Umsetzung hinfällig machte. Die Dynamik von Forschungseinrichtungen ist eine generelle und zunehmende Herausforderungen, der Laborplaner wie Architekten durch entsprechende Konzepte begegnen müssen.

Hoch ansteckenden Viren die Stirn bieten

Trotz aller Widrigkeiten – das Ergebnis kann sich sehen lassen und beeindruckt durch seine Größe und Komplexität. Der technische Aufwand, der insbesondere im BSL-4-Bereich notwendig ist, um einerseits den Mitarbeitern ein sicheres Arbeiten mit den hochansteckenden Erregern zu ermöglichen und andererseits ein hermetisch abgeschlossenes System zu schaffen, das verhindert, dass diese Erreger in die Umwelt gelangen können, ist immens (s. LP-Info-Kasten).

Hochansteckende Viren der Sicherheitsstufe 4, die potenziell lebensbedrohliche Infektionen hervorrufen, können, wie die aktuelle Ebola-Epidemie einmal mehr vor Augen führt, in der Natur auftreten. Sie können aber auch bei Anschlägen absichtlich ausgebracht werden. Um einerseits schnell und wirkungsvoll bei Ausbrüchen und bioterroristischen Anschlägen reagieren zu können und andererseits die krankmachende Wirkung der Erreger besser zu verstehen und so beispielsweise Impfstoffe entwickeln zu können, ist die Arbeit mit vermehrungsfähigen Viren der Sicherheitsstufe 4 zwingend notwendig. Diese Arbeit wird nun am RKI in Berlin eingebettet in eine hervorragende Infrastruktur in naher Zukunft möglich sein. Eine Errungenschaft, auf die die „Hauptstädter“ stolz sein können.

* *Dr. I. Ottleben: Redaktion LABORPRAXIS

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